zur StartseiteZugang für Abonnenten
Startseite » Aktuelle Ausgabe » Leseprobe 3
Titelcover der aktuelle Ausgabe 5/2020 - klicken Sie für eine größere Ansicht

Der Aufbau der Zeitschrift


finden Sie hier


Concilium stellt sich vor

Geschichte und Selbstverständnis


Präsidium, Herausgeber/innen und Wissenschaftliches Komitee


sind hier einzusehen.


Unsere Autoren


finden Sie hier.


werden hier gelistet.

Leseprobe 3 DOI: 10.14623/con.2020.5.536-544
Stephen Arulampalam
Gemeinsam in Gottes Haushalt leben
Aus der Perspektive von Menschen mit Behinderungen
Einleitung

Ich bin Stephen Arulampalam und gehöre der Theologischen Hochschule Lanka Pillimathalawa in Zentrum Sri Lankas an. Als ich neun Monate alt war, bekam ich Fieber. Der Arzt gab mir eine falsche Medizin, die mein Nervensystem angriff, und aufgrund dessen verschlechterte sich mein Sehvermögen. Nun erfreue ich mich meines Lebens als Blinder. Und obwohl ich mich unmittelbar nach meinem Studium für den kirchlichen Dienst bewarb, erhielt ich keine positive Antwort von der Kirche, denn dies war auch für die Kirchen Neuland. Später akzeptierten sie mich mehr oder weniger. Zu all dem kam noch, dass im Jahr 1995 mein Haus in Jaffna (im Norden Sri Lankas) vom Militär bombardiert wurde. Dabei verlor mein Vater sein rechtes Bein und wurde auch ein Behinderter. Und auch meine Mutter lebt immer noch mit einigen Splittern in ihrem Körper. Auch sie wurde behindert. Unmittelbar nach meiner Priesterweihe wurde ich zum Kaplan an einer Schule für Taube und Blinde in Kaithady (Jaffna) ernannt. Hier hatte ich die Gelegenheit, mir die Geschichte vieler Menschen anzuhören. Während dieser Zeit wurden viele Menschen aufgrund des Krieges behindert. Meine persönliche Erfahrung und die Erfahrung anderer Menschen drängten mich dazu, in meinem eigenen Kontext eine Theologie der Behinderung zu entwickeln.

Was ist Ökumene?

Oikoumene leitet sich vom griechischen Verb oikein, bewohnen, her. Das Wort hat die Bedeutung von »bewohnter Erdkreis« oder »ganze Welt« und wurde seit Herodot (5. Jh. v. Chr.) benutzt. Ein umfassendes Verständnis von oikumene beinhaltet gleichermaßen kirchliche, weltliche, spirituelle und missiologische Aspekte. Der Begriff oikoumene weist über die Gemeinschaft von Christen und Kirchen hinaus und schließt die gesamte Menschheit innerhalb der ganzen Schöpfung mit ein. Der Aufruf der ökumenischen Bewegung lautet, die oikoumene, also die bewohnte Erde, in den oikos (den lebendigen Haushalt) Gottes zu verwandeln.

Ökumene wird bei den Kirchen der Reformation anders verstanden: Für viele protestantische Kirchen, die die Mehrheit bilden, meint »ökumenisch« die Beziehungen zu Kirchen in anderen Ländern. Für diejenigen, die inmitten einer Vielfalt von Konfessionen leben, bedeutet »ökumenisch« das Zusammenleben von Kirchen. Für viele findet die ökumenische Bewegung ihren Ausdruck in der christlichen Sorge um Gerechtigkeit und Frieden innerhalb einer Weltgemeinschaft. Die ökumenische Bewegung in Sri Lanka bringt die römisch-katholische Kirche, protestantische Kirchen und jüngere Kirchen zusammen und versucht dabei, der eine Leib Christi zu werden.

Dem römisch-katholischen Ökumeniker Bernard Lambert zufolge ist die ökumenische Bewegung eines der großen religiösen Phänomene unserer Zeit. Keine der christlichen Konfessionen hat sich hier völlig herausgehalten. Eine neue Wirklichkeit entsteht. Ein Wind kommt auf, der Wind des Heiligen Geistes, und er bewegt uns in Richtung des Neubeginns. In diesem Beitrag werde ich mich darauf konzentrieren, was die Theologie der Behinderung im Kontext der Ökumene bedeutet.

Wer ist behindert?


Üblicherweise beziehen sich die Menschen auf diese Gemeinschaft mit Ausdrücken wie behinderte Menschen, geistig Zurückgebliebene (geistig Herausfordernde), anders Begabte, Menschen mit Behinderungen und Krüppel, Rollstuhlfahrer. Eine Milliarde Menschen – das sind 15 Prozent der Weltbevölkerung – leiden unter irgendeiner Art von Behinderung. Etwa 80 Prozent der Menschen mit Behinderungen leben nach Angaben des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) in Entwicklungsländern. Die Weltbank schätzt, dass 20 Prozent der Ärmsten der Welt behindert sind und in ihren eigenen Gemeinschaften tendenziell als die am meisten Benachteiligten betrachtet werden. Etwa 70 Prozent der Menschen in Armut weltweit sind Frauen! Frauen mit Behinderungen sind mit größerer Wahrscheinlichkeit ärmer, weniger gesund und dem Missbrauch hilfloser ausgesetzt als Männer mit Behinderungen oder nichtbehinderte Frauen. Frauen mit Behinderungen gelten als doppelt benachteiligt, sie erleben Ausgrenzung aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Behinderung. Die Ökumene hat folgendes Ziel: dass sich alle Mitglieder der Gesellschaft gleicher Rechte und Chancen erfreuen und in der Lage sind, in vollem Sinne an den Lebensbereichen der Zivilgesellschaft, der Politik, der Wirtschaft, der Gesellschaft und der Kultur teilzunehmen.

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte stellt in ihrem Artikel 23 (1) fest: »Jeder Mensch hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.« Die nationale Behindertenpolitik Sri Lankas fördert und schützt die Rechte von Menschen mit Behinderung im Geist der sozialen Gerechtigkeit. Sie haben die Chance, ein befriedigendes Leben im vollen Sinne zu genießen und mit ihrem Wissen, ihrer Erfahrung und ihren besonderen Begabungen und Fähigkeiten als gleichberechtigte Bürger Sri Lankas zur Entwicklung ihres Landes beizutragen. In Sri Lanka sind die Schule für Taube und Blinde in Kaithady (im Norden Sri Lankas), die Schule für Taube und Blinde in Rathmalana Colombo sowie das »Valvagam« (Leben spenden) in Jaffna Schulzentren, die sich um die Bildung behinderter Kinder kümmern. Die Deaf Link Methodist Church und Siva Boomi (Land Shivas) sind die Einrichtungen, deren Anliegen die Ermächtigung von Kindern ist. Das Haus der Hoffnung in Vavuniya und das Licht-Zentrum kümmern sich darum, dass die Menschen eine Beschäftigung finden.

Behinderung und Religion

Mit seiner Vielfalt an Religionen und Glaubensbekenntnissen steht Asien einzigartig da. Das religiöse Leben hat für Millionen von Menschen quer durch alle Kulturen eine große Bedeutung. Allgemein kann man sagen, dass die Religionen Menschen mit Behinderungen ignoriert haben. Die Religionen spielen in der Wahrnehmung der Leute, in der Selbstwahrnehmung der Behinderten und in der Sichtweise anderer auf sie eine bedeutende Rolle in einer Welt, die stark von der Religion beeinflusst ist. Symbole, die innerhalb der Religionen verwendet werden, sind kulturell verankert. Symbole, die zu unterdrückerischen Symbolen der Macht werden, müssen in ermächtigende Symbole verwandelt werden, die für jede marginalisierte Gemeinschaft eine entscheidende Bedeutung haben. Nancy Eiesland vertritt die Meinung, dass Menschen mit Behinderungen Symbole brauchen, die die Würde des Lebens nicht nur anderen Behinderten gegenüber bekräftigen, sondern auch nichtbehinderten Menschen gegenüber. Religionen sollten für Gerechtigkeit für Behinderte kämpfen, doch das heißt, zu Protagonisten der Nächstenliebe und des Mitleids zu werden. [...]


Lesen Sie den kompletten Artikel in der Print- oder Onlineausgabe.

Zurück zur Startseite

Unsere Abos
Sie haben die Wahl ...

weitere Infos zu unseren Abonnements


Newsletter


Unser Newsletter informiert Sie über die Inhalte der neuesten Ausgabe.


Jahresverzeichnis 2019


Aktuelles Jahresverzeichnis


Jahresverzeichnis 2019
als PDF PDF.



Unsere neue Dienstleistung für Verlage, die Ihr Abogeschäft in gute Hände geben wollen.


aboservice

mehr
Informationen


Concilium
Telefon: +49 (0) 711 44 06-140 · Fax: +49 (0) 711 44 06-138
Senefelderstraße 12 · D-73760 Ostfildern
Kontakt | Sitemap | AGB | Widerruf | Datenschutz | Impressum