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Concilium stellt sich vor

Geschichte und Selbstverständnis


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Inhaltsverzeichnis
ZU DIESEM HEFT

MARGARETA GRUBER, PO-HO HUANG UND GIANLUCA MONTALDI
Viele Begabungen – eine Kirche für alle

THEMA: Viele Begabungen ‒ eine Kirche für alle
Lesen Sie diesen vollständigen, ungekürzten BeitragHANS S. REINDERS
Theologie und Disability Studies. Eine ausstehende Neubewertung

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Aus der Perspektive der christlichen Theologie über die Disability Studies nachzudenken ist ein einschüchterndes Unterfangen – nicht nur, weil die Disability Studies schon manche theologischen Ansichten vom Thron gestoßen haben, sondern auch, weil der Versuch, sich in die jeweils andere Position hineinzudenken, mit zahlreichen Schwierigkeiten behaftet ist. Zwei hauptsächliche Zugänge, dieses problematische Verhältnis zu fassen, werden hier diskutiert. Der eine geht aus von der in den Disability Studies am meisten verbreiteten Annahme, dass die Theologie grundsätzlich einem »karitativen« Verständnis von Behinderung folgt, wonach Behinderung eine tragische Angelegenheit ist, die von Christen eine wohltätige, zugewandte Haltung gegenüber den bemitleidenswerten Betroffenen fordert. Der zweite Zugang nimmt den entgegengesetzten Weg, indem er die Theologie wieder als »Große Erzählung« versteht, die die Werkzeuge zur Verfügung stellt, um die hinter den Fragestellungen der Disability Studies stehende Gesellschaftstheorie kritisch zu betrachten. Methodisch bezieht sich dieser zweite Zugang stark auf das christliche Zeugnis, um seine Wahrheitsansprüche zu begründen. Eine Generation aufstrebender Wissenschaftler, darunter viele Frauen, ist heute in diversen akademischen Projekten damit befasst, dieses Forschungsgebiet zu erneuern.

VERONICA AMATA DONATELLO
Katechese für behinderte Menschen: Ein Blick auf den Weg der katholischen Kirche in Italien

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Die Glaubensunterweisung von Getauften in einem einheitlichen menschlich-christlichen Reifungsprozess ist etwas, das nicht automatisch abläuft, sondern ein erzieherisches Handeln, die Förderung der persönlichen Reifung und der Gemeinschaftsfähigkeit verlangt. Und diese Förderung muss allen Betroffenen zugewandt werden. Dabei kommt der Katechese eine wesentliche Rolle zu. Dieser erzieherischen Zuwendung bedürfen vor allem behinderte Personen. Dieser Artikel untersucht die Entwicklung des in Italien erzielten kulturellen Fortschritts, der dazu geführt hat, dass man heute wertschätzend von behinderten »Personen« spricht; sodann untersucht er in den wichtigsten kirchlichen Dokumenten zu findende Rückfälle in altes Denken; außerdem stellt er die Kennzeichen einer »inklusiven« Katechese vor, die fähig ist, allen mit Wertschätzung zu begegnen ohne jemanden auszuschließen.

MARKUS SCHIEFER FERRARI
Gestörte Lektüre: Dis/abilitykritische Interpretationszugänge zu biblischen Heilungsnarrativen am Beispiel von Mk 7,31–37

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Wie das Beispiel der Heilung eines Tauben, der nur mit Mühe sprechen kann, in Mk 7,31–37 zeigt, ergeben sich aus der Konfrontation klassischer Deutungsangebote mit einer dis/abilitykritischen Hermeneutik Anfragen an Vollkommenheitsvorstellungen und Heilsvisionen, die aus biblischen Heilungsnarrativen abgeleitet werden. Ein solcher Interpretationsansatz versteht Behinderung mit den sogenannten Dis/ability Studies als ein kontingentes, soziokulturelles bzw. -historisches Konstrukt, das nicht zuletzt durch literarische Repräsentationsformen hervorgebracht und weitertradiert wird. Wenn gleichermaßen der Kontext der biblischen Texte und der heutiger LeserInnen berücksichtigt wird, begegnen sich bei der Lektüre neutestamentlicher Heilungserzählungen in spannungsvoller Weise die Hoffnung auf die weltverändernde Kraft der Wunder Jesu und die Wahrnehmung, dass menschliche Zerbrechlichkeit die Deutung dieser Narrative verändert.

LUCA BADETTI
Sich Behinderungen annähern. Geschichte und Praxis der Seelsorge, analysiert anhand von Kirchenmodellen

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Auf welche Weise haben Menschen mit Behinderungen im Lauf der Geschichte am pastoralen Leben der Kirche teilgenommen? Diese zweifellos breit angelegte und vielschichtige Frage verlangt angesichts ihrer komplexen Facetten nach einer kritischen Analyse. Zunächst muss die Vorstellung der Behinderung selbst problematisiert werden. Sodann steht die Vorstellung einer Geschichte des »kirchlichen Lebens« zur Diskussion. Was nach einer allumfassenden, erschöpfenden Beschreibung klingt, ist in Wirklichkeit womöglich nur wieder ein Teil einer viel breiteren und immer wieder neuen Erzählung. Der Beitrag geht den Begriffshorizonten kritisch nach und analysiert – praktisch wie theoretisch – den pastoralen Umgang der Kirche mit Behinderung. Um keine totalisierende historische Erzählung zu erzeugen, die die Geschichte übermäßig vereinfacht und über all die unerkannten und nie erzählten »kleinen Geschichten« hinweggeht, ist eine bloß chronologische Darstellung der kirchlichen Geschichte mit der Behinderung keine Option. Deshalb untersucht der Artikel die kirchlichen Sicht- und Handlungsweisen in Bezug auf Behinderungen anhand der sechs Kirchenmodelle von Avery Dulles. Statt einer erschöpfenden historischen Darstellung wird nach historischen Momenten, Themen, Personen und Handlungsweisen gefragt, um sowohl ein gewisses Verständnis der Vergangenheit zu gewinnen als auch im Voranschreiten weitere kritische Fragen zu ermöglichen.

PO-HO HUANG
Der christliche Auftrag aus der Perspektive der »diskriminierten Andersbefähigten«

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Der Streit in den Kirchen der Ökumene über den rechten Gebrauch der Begriffe »Behinderung und »andere Befähigung« spiegelt unterschiedliche, aber wichtige Grundhaltungen zum Thema wider. Sie betreffen die entsprechenden theologischen Überlegungen ebenso wie die Beschreibung des christlichen Auftrags in der Welt. Das Konzept der Behinderung hat mit dem Zugang zur gesellschaftlichen Teilhabe zu tun. Bei der gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit wurde nicht nur die Identität einer Gruppe von Menschen konstruiert, sondern auch ein Umfeld geschaffen, das diese Menschen an der Teilhabe hindert. Zum Thema gehört also auch die kritische Frage nach der »Macht«, nach der ausschließenden Macht, die die Mehrheit ausübt, um heterogene Individuen von der Mitwirkung fernzuhalten. Diese herrschende Übermacht der Exklusion muss daher theologisch untersucht und behandelt werden.

ANNE MASTERS
Nächstenliebe neu denken

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Der karitative Ansatz in Bezug auf Behinderung wurde von Menschen mit Behinderungen zu Recht abgelehnt. Stattdessen favorisiert man ein Modell, das Rechte und Selbstermächtigung betont. Doch auch Modelle, deren Grundlage Rechte und Selbstermächtigung bilden, haben, auch wenn sie nicht gänzlich zu verwerfen sind, ihre Grenzen. Dies geht klar aus der Tatsache der fortgesetzten Verletzung der Rechte von Menschen mit Behinderungen hervor. Ich vertrete die Ansicht, dass das abgelehnte karitative Modell in Wahrheit eine Pervertierung darstellt, und trete dafür ein, die Nächstenliebe auf der Grundlage der Menschenwürde im Rahmen der katholischen Soziallehre zu überdenken. Ein solches Modell kann in der Tat da greifen, wo Rechte und Selbstermächtigung versagen.

STEPHEN ARULAMPALAM
Gemeinsam in Gottes Haushalt leben. Aus der Perspektive von Menschen mit Behinderungen

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Die Welt, in der wir leben, ist mit Wunden übersät. In diesem Kontext werden wir vom verwundeten Gott dazu aufgerufen, seine Liebe durch unsere Worte und Taten den verwundeten Menschen mitzuteilen, um Gleichheit, Gerechtigkeit und Frieden zu bewirken. In diesem Beitrag werde ich mich insbesondere auf die Mission für Menschen mit Behinderungen konzentrieren. Meine eigene Erfahrung des Verwundetseins und die Erfahrung meiner Familie waren für mich eine Herausforderung, für die Menschen mit Behinderungen zu arbeiten. In der verwundeten Welt sind Menschen mit Behinderungen gesellschaftlich, politisch, kulturell und wirtschaftlich ausgegrenzt. Dies macht sich verbal, psychisch und physisch in der Kirche und in der Gesellschaft Sri Lankas bemerkbar. In diesem Beitrag definiere ich, wer behindert ist, und zeige auf, wie diese Menschen von der Gesellschaft und der Kirche ausgegrenzt werden. Außerdem zeige ich, auf welche Weise die Missiologie die Wunden von Menschen mit Behinderungen heilen kann. In meine neue Missiologie integriere ich den verwundeten Gott, die Blinden-Christologie, eine neue Spiritualität, eine Neuinterpretation der Wundertaten Jesu und eine neue Lektüre der Hymnen und Sprichwörter aus der Perspektive von Menschen mit Behinderungen. Dies wird den Menschen mit Behinderungen helfen, mit allen Menschen im Haushalt Gottes zusammenzuleben. Dann werde ich Vorschläge und Empfehlungen für die Kirche formulieren.

NAEIMEH POURMOHAMMADI
Auf dem Weg zu einer Theologie der Behinderung in Christentum und Islam

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

In der christlichen Theologie der Behinderung wird verlangt, dass alle theologischen Thesen, inklusive der Erkenntnis Gottes, Christologie, Ekklesiologie, und Eschatologie grundlegend neu durchdacht werden müssen. Unabhängig davon, ob die jeweiligen Theologen behindert sind oder nicht, stellen sie sich auf den Standpunkt der Behinderten und befragen sie, um ihre Impressionen und Erkenntnisse über theologische Elemente und Lehrinhalte herauszufinden, und genau darauf bauen sie dann ihre neue Theologie auf. Im Gegensatz dazu wurde im Islam noch nichts der christlichen Theologie der Behinderung Vergleichbares entwickelt. Ich betrachte die Entwicklung der christlichen Behinderungstheologie als einen progressiven Schritt, und als ein Modell, dem die islamische Theologie folgen und das sie auch anstreben sollte. Ich möchte in diesem Artikel die christliche Behinderungstheologie zunächst kurz vorstellen. Danach möchte ich kurz, unter Einbeziehung von Koran und Hadiths sowie islamischer Wissenschaft und Regierungsphilosophie, Kultur und Zivilisation, erläutern, was im Islam unter Behinderung verstanden wird, und schließlich beide miteinander kritisch vergleichen.

BERNHARD NITSCHE
Behinderung und Vollendung

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Der Beitrag versucht das Besondere behinderten Lebens als Leben in und mit spezifischen Einschränkungen zu bestimmen. Behindertes Leben manifestiert in besonderer Weise die Endlichkeit und Begrenzung des Lebens und macht diese bewusst. Angesichts limitierter Lebenschancen gilt für die Vollendung des behinderten Lebens in besonderer Weise, was christlicher Glaube am Ende für alles Leben erhofft: Fleisch und Blut werden nicht auferweckt, aber alle Geschicke und Geschichten, die das Leben prägen, werden personalisiert, aufgerichtet und in ein Leben der Fülle hinein vollendet.

SAMUEL GEORGE
Geschichte und Kommentare vom EDAN und des WCC (Weltkirchenrat)

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Hier soll ein Versuch unternommen werden, die Geschichte der Thematik von Behinderung in ökumenischen Kreisen, insbesondere im Weltkirchenrat, darzustellen. Verschiedene Wendepunkte/Verschiebungen im Weltkirchenrat, die durch das EDAN zustande kamen, werden auf diesem Weg herausgearbeitet. Außerdem wird ein kurzes Plädoyer verfasst, um Behinderung als eine theologische Mission darzustellen und um zu zeigen, wie der EDAN zur Ausformung dieser Mission beitrug.

TALITHA COOREMAN-GUITTIN
Eine Aufgabe für Bénédicte. Welchen Platz gibt es für Frauen mit behinderter Intelligenz bei der Eucharistiefeier?

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

In den letzten Jahren hat Papst Franziskus immer öfter dazu aufgerufen, Personen mit geistiger Behinderung den ihnen zustehenden Platz in der Kirche einzuräumen, vor allem in der Katechese und in der Liturgie. Wir stellen jedoch fest, dass es nicht immer leichtfällt, einen richtigen und für alle geeigneten Platz zu finden. Über den für Frauen mit einer geistigen Behinderung geeigneten Platz ist bisher noch nicht gründlich genug nachgedacht worden. In diesem Artikel wird vorgeschlagen, zu prüfen, ob Frauen mit einer geistigen Behinderung in der Eucharistiefeier den Dienst als Akolythinnen ausüben können. Bei den hier vorgetragenen Überlegungen war der Rückgriff auf die praktischen Erfahrungen einer Straßburger Pfarrgemeinde mit einem derartigen Versuch von großer Hilfe.

MIRIAM SPIES
Liturgische Vorstellungskraft in vollem Umfang: Möglichkeiten zur Leitung durch Menschen mit Behinderung

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Kleriker mit Behinderung beginnen die Führungspraxis auszuweiten, aber insgesamt bleiben kirchliche Amtsträger mit Behinderung die »Unvorstellbaren«. Dieser Artikel wird die Vorstellungskraft in der Liturgie fördern, um Menschen mit Behinderung in der Leitung zu helfen. Diese Vorstellungskraft hinterfragt diskriminierende Praktiken bei der Bestimmung, wer »perfekt« genug ist, um den Gottesdienst zu leiten. Die Vorstellungskraft hilft, in der liturgischen Zeit als crip time zu leben. Sich vorzustellen, dass eine Person mit einer Behinderung nicht nur die Eucharistie empfängt, sondern auch am Tisch Jesu den Vorsitz innehat, kann die Existenz und die Gaben von Menschen mit Behinderung wie auch anderer Teilnehmer bestätigen. Indem wir unsere Vorstellung von Leitungsfunktion, Zeit und Sakramenten erweitern, kann der Dienst von Menschen mit Behinderung die Kirche herausfordern und verwandeln.

MARTIN M. LINTNER
Solidarische Beziehungen als heilsame Andersorte für Menschen mit (und ohne) Beeinträchtigung

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Ausgehend von einigen terminologischen Vorbemerkungen zur Bezeichnung von Menschen mit einer Beeinträchtigung wird betont, dass es sich in erster Linie um Menschen handelt, die ihr Leben, ihre Beziehungen und ihre Einbeziehung in die Gesellschaft unter der besonderen Bedingung ihrer Beeinträchtigung bewältigen, wobei sie seitens der Gesellschaft darin oft nicht unterstützt, sondern eher behindert werden. Eine Beeinträchtigung wird als besondere Sichtbarkeit der Vulnerabilität als conditio humana sowie der ebenso von allen Menschen geteilten Erlösungsbedürftigkeit gedeutet. Auch wenn der Wunsch nach Gesundung und Heilung verständlich ist, müssen Beeinträchtigungen dort, wo aus medizinisch-therapeutischer Sicht eine Heilung unwahrscheinlich ist, angenommen werden. Dies führt zur kritischen Dekonstruktion von Gesundheits- und Vollkommenheitsvorstellungen. Es sollen nicht unrealistische Erwartungen oder utopische Hoffnungen genährt werden, sondern durch Inklusion eine solidarische Gesellschaft als »heilsamer Andersort« prozesshaft verwirklicht werden.

THEOLOGISCHES FORUM
MARGARETA GRUBER
Sakrament für eine kranke Welt – Gedanken zum sakramentalen Lockdown während der Pandemie
 
REZENSIONEN
Wolf Clüver: Religionssensible Assistenz. Professioneller Umgang mit Religion in der Heilerziehungspflege
Michaela Geiger, Matthias Stracke-Bartholmai (Hg.): Inklusion denken. Theologisch, biblisch, ökumenisch, praktisch (Behinderung – Theologie – Kirche. Beiträge zu diakonisch-caritativen Disability Studies; Bd. 10)
Markus Schiefer Ferrari: Exklusive Angebote. Biblische Heilungsgeschichten inklusiv gelesen

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