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Zu diesem Heft DOI: 10.14623/con.2020.3.345-347
Catherine Cornille / Daniel Franklin Pilario / Mile Babić
Muslimisch-christlicher Dialog
Zeichen der Hoffnung
Obwohl – oder weil – der Islam historisch und theologisch eng mit dem Christentum verwandt ist, wird das Verhältnis zwischen diesen beiden Religionen im Allgemeinen mit Begriffen ihrer Unvereinbarkeiten, Spannungen und Konflikte dargestellt. Von den Kreuzzügen bis zum gegenwärtigen »Krieg gegen den Terrorismus« lag das Hauptaugenmerk stets auf den scheinbar unüberbrückbaren theologischen Unterschieden und auf den zwangsläufig anders gelagerten sozialen und politischen Positionierungen. Dies wurde noch weiter befeuert durch den Diskurs über den »Zusammenstoß der Zivilisationen«, der seit dem Ende des 20. Jahrhunderts breiten Einfluss gewonnen hat. Dieses verbreitete Narrativ könnte zu vermehrter Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit führen, was die Chancen für eine friedliche oder harmonische Koexistenz und für einen beide Seiten bereichernden Dialog angeht. Es ist deshalb wichtig, dieses Narrativ infrage zu stellen anhand von Geschichten, Daten, Ereignissen, Initiativen und Maßnahmen, die als Beispiele dienen können für die aufrichtige Liebe und den Respekt für die religiös Anderen, für gegenseitiges Lernen und für den Einsatz für ein höheres gemeinsames Ziel.

Beispiele für solche anderen Erfahrungen finden sich überall in der Geschichte, vom indischen Herrscher Akbar (1542–1605) bis zu dem französischen Wissenschaftler Louis Massignon (1883–1962) und von der Ära der Convivencia im mittelalterlichen Spanien bis zur relativ friedlichen Koexistenz von Muslimen und Christen in Indonesien. Viele Einzelpersonen und Gruppen beteiligen sich heute an verschiedenen Formen des konstruktiven Dialogs im Rahmen von gesellschaftlichen Projekten, theologischem Austausch und visionären Aktivitäten. Es ist sehr wichtig, die Aufmerksamkeit auf diese Aktivitäten zu richten, um Hoffnung und Inspiration für die Zukunft der muslimisch-christlichen Beziehungen zu gewinnen.

Diese Ausgabe von CONCILIUM legt den Schwerpunkt vor allem auf die jüngeren und aktuellen Entwicklungen im muslimisch-christlichen Verhältnis. Die ersten Beiträge dieses Hefts diskutieren Stellungnahmen von offiziellen Vertretern der zwei Traditionen: auf christlicher Seite die Erklärung Nostra Aetate des II. Vaticanums sowie verschiedene päpstliche Initiativen und Äußerungen, auf muslimischer Seite das Dokument Ein gemeinsames Wort zwischen uns und euch von 2007. Diese Texte sind Beweise für die wachsende Freundschaft seitens der offiziellen Vertreter beider Traditionen und für den aufrichtigen Wunsch, eine Hermeneutik des guten Willens und der Gastfreundschaft zu praktizieren. Mehrere Artikel beziehen sich besonders auf das Dokument Die Brüderlichkeit aller Menschen. Für ein friedliches Zusammenleben in der Welt, das im Februar 2019 von Papst Franziskus und Ahmad Al-Tayyeb, dem Großimam der Al-Azhar-Universität, gemeinsam unterzeichnet wurde. Dieses Dokument verurteilt scharf alle Gewaltakte, die im Namen der Religion begangen werden, und beschreibt »die Kultur des Dialogs als Weg, die allgemeine Zusammenarbeit als Verhaltensregel und das gegenseitige Verständnis als Methode und Maßstab«. Ein Dialog, der oft vernachlässigt wird, ist derjenige zwischen den protestantischen Kirchen und dem Islam. Die Migration vieler Muslime in die Länder Europas im Lauf der vergangenen fünf Jahre hat die Kirchen der Reformation veranlasst, ebenfalls klarere Leitlinien für den Dialog zu entwickeln.

Ein zweiter Abschnitt in diesem Heft widmet sich einigen bedeutsamen Vorbildern für die muslimisch-christliche Freundschaft, vor allem der Gestalt des Christian de Chergé, des Trappistenmönchs und Priors, dessen Leben und Tod zu einem Zeugnis der Liebe zu seinen muslimischen Nächsten wurde. Sein Lebenszeugnis inspirierte zuletzt dazu, Muslime zum intermonastischen Dialog einzuladen, was wiederum die Tür zu einem tieferen spirituellen Engagement zwischen den beiden Traditionen in verschiedenen Teilen der Welt geöffnet hat. De Chergés eigene Konzeption und Erfahrung eines »Martyriums der Liebe« im Sinne einer Hingabe des ganzen Lebens aus Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten kann dabei selbst als ein Ausdruck theologischer Hoffnung betrachtet werden.

Eine dritte Gruppe von Texten sammelt Beispiele von konstruktiven muslimisch-christlichen Beziehungen in verschiedenen Gegenden der Welt. In Indonesien entwerfen Muslime und Christen neue Formen nationaler Identität, die auch die religiös Anderen miteinbeziehen, zum Teil als Reaktion auf extremistische Tendenzen in beiden Religionen. In Deutschland ermöglicht die Einrichtung von Lehrstühlen für islamische Theologie an mehreren Universitäten einen fruchtbaren intellektuellen Austausch und konstruktive Gespräche, die an ein gemeinsames intellektuelles und philosophisches Erbe anknüpfen können. In Belgien bemüht sich das katholische Modell der Dialogschule um die Herstellung eines Gleichgewichts zwischen der konfessionellen Identität einerseits und den Kompetenzen, die das Leben in einer pluralistischen Gesellschaft verlangt, andererseits. Auf diese Weise könnte dieses Modell eine exemplarische und vermittelnde Rolle in der Gesellschaft spielen. Die Türkei ist ein Ort bedeutender Entwicklungen, sowohl auf institutioneller als auch auf lokaler Ebene. Einige Popen beten zusammen mit Repräsentanten des Islams, und örtliche Organisationen bemühen sich darum, die Lücken des Nichtwissens zwischen den beiden Gemeinschaften zu schließen und Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Nigeria erlebt die Entstehung zahlreicher interreligiöser Organisationen, die daran arbeiten, den Gewaltakten von extremistischen Gruppen wie Boko Haram etwas entgegenzusetzen. Und in den letzten fünf Jahren freut sich auch das dominikanische Institut für Orientalistik in Ägypten (Institut dominicain d’études orientales – IDÉO) über ein zunehmendes Interesse seitens islamischer Institutionen und Einzelpersonen, die gerne mit Geisteswissenschaftlern zusammenarbeiten und von ihnen lernen möchten.

Mit Blick auf die Zukunft der muslimisch-christlichen Beziehungen, der sich die letzten Texte im Thementeil dieses Hefts widmen, geht es der christlichen Seite vor allem um die gegenseitige Anerkennung sowohl der Universalität als auch der Partikularität der unterschiedlichen Lehren der beiden Religionen, um das Eingeständnis des moralischen Versagens beider Traditionen und um den gegenseitigen Wunsch nach akademischer Zusammenarbeit und gegenseitiger Erforschung des Glaubens der jeweils Anderen. Auf muslimischer Seite richten sich die Zukunftshoffnungen auf die verschiedenen christlichen und muslimischen Organisationen, die sich für das Recht beider Religionen einsetzen, ihren Glauben zu praktizieren, ausgehend von unserem gemeinsamen Glauben an einen guten Gott, der ein »Schutzschild gegen den Verlust der Hoffnung« sein sollte.

Im Theologischen Forum denken ein Theologe und eine Theologin, beide um die Jahrtausendwende geboren, darüber nach, auf welche Weise im digitalen Zeitalter Theologie getrieben werden könnte. Beide weisen auf die Ambivalenz der digitalen Medien bei der Verbreitung von Theologie hin. Einerseits ermöglichen diese Medien die Übermittlung durchdachter theologischer Ideen an ein breiteres Publikum, andererseits erlauben sie die Verbreitung hetzerischer und oftmals uninformierter theologischer Positionen, die der Qualität der theologischen Debatte und der Einheit der Tradition Schaden zufügen.

Aus dem Englischen übersetzt von Norbert Reck

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