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Leseprobe 3 DOI: 10.14623/con.2020.3.296-303
Francisco de Aquino Júnior
Die Theologie und die Macht der Befreiung
Einführung

Theologie ist intellectus fidei, also verstehende Einsicht in den Glauben; und als solche ist sie untrennbar vom Glauben. Sie ist eine Vollzugsweise des Glaubens, und dies ist ihre intellektuelle Dimension. Sodann steht sie im Dienst des Glaubens, und dies ist ihre sozio-ekklesiale Dimension. In dem Maße, wie der Glaube eine vertrauensvolle Hingabe an Gott ist und das Leben in Übereinstimmung mit seinem Plan gestaltet, und wie erkannt wird, dass Gott sich als Retter und Befreier offenbart, gewinnt der Glaube selbst eine dynamische Macht, die Heil und Befreiung bewirkt: Ein Befreier-Gott fordert einen Befreiung wirkenden Glauben. Und dies ist es, was der Theologie, insofern sie intellectus fidei ist, eine Heil und Befreiung wirkende Dynamik verleiht; und dies in einem doppelten Sinn: Sie verleiht die Einsicht in die befreiende Macht des Glaubens und zugleich die Fähigkeit zum Dienst an einem befreienden Glauben. So sehr der Charakter der Theologie als einer Betätigung des Intellekts nicht bestritten werden kann, so ist ihre befreiende Macht nicht zu trennen von der befreienden Macht des Glaubens. Daraus folgt, dass diese drei nicht voneinander getrennt gedacht werden können: Der Befreier-Gott – der befreiende Glaube – die Theologie der Befreiung.

I. Glaube und Befreiung

Insofern der Glaube vertrauensvolle Hingabe an Gott und Lebensgestaltung aus dessen Dynamik und Heilsplan für die Menschheit ist, ist er wesensnotwendig bezogen auf die Seins- und Handlungsweise Gottes; von ihr ist er bestimmt, durch sie erst gewinnt er erfahrbare Gestalt. Dieser Gott offenbart sich in der Geschichte Israels und im Leben des Jesus von Nazaret als ein in der Geschichte anwesender und wirkender Gott (wie transzendent, das heißt alles überragend er auch sein mag: transzendent, das heißt: überragend in der Geschichte und nicht im Abstand zur Geschichte), als ein Gott, der Partei ergreift für die Armen und an den Rand der Gesellschaft Gedrängten, für die Waisen, die Witwen und die Fremden … (wie allumfassend er auch sein mag in seiner Liebe und seinem Heilsplan). Dies ist sein »Markenzeichen«, sein grundlegendes Erkennungsmal, was so weit geht, dass er sich als den Befreier-Gott, als Gott der Armen und Marginalisierten zu erkennen gibt und auch so genannt werden kann.

Tatsächlich offenbart Gott sich in Israel und in Jesus von Nazaret als ein Gott, der Partei ergreift für die Armen und Marginalisierten (vgl. Jdt 9,11), was so weit geht, dass er sich mit ihnen identifiziert (vgl. Mt 25, 31–46). So hat Jon Sobrino auf seiner Einsicht bestanden: »Die Beziehung Gottes zu den Armen dieser Welt erscheint als eine Konstante in seiner Offenbarung […]. Sie wird nicht bloß gelegentlich erwähnt, sondern gehört zu den grundlegenden Inhalten der Offenbarung. Es besteht eine transzendentale Wechselbeziehung zwischen der Offenbarung Gottes und dem Hilfeschrei der Armen.« Dies ist ein grundlegender Inhalt der Offenbarung. Es besagt etwas über das tiefste Wesen des Geheimnisses Gottes: Sich im Befreiungsgeschehen des Exodus (und nicht in der Ausübung der Herrschergewalt des Pharao) zu offenbaren, sich im befreienden Handeln des Jesus von Nazaret (und nicht in der Ausübung der Herrschergewalt des römischen Kaisers) zu offenbaren, ist nicht ein bloßes Detail oder eine Zufallssache, sondern etwas Wesentliches, etwas, das zu tun hat mit dem eigentlichen Geheimnis eines Gottes, der nicht die Gestalt eins Pharao oder eines römischen Kaisers (also eines Tyrannen) annehmen kann, ohne sich selbst zu verleugnen, weil er doch Befreier und Vater ist.

Und durch seinen Heiligen Geist wirkt er weiterhin in der Geschichte: Es ist der Geist, durch den alles geschaffen wurde; der Geist, der durch die Propheten und aus der Volksweisheit gesprochen und gewirkt hat; der Geist, der Jesus für seine Sendung, den Armen seine gute Nachricht zu verkünden (Lk 4, 18 f.; Apg 10, 38), gesalbt und geführt hat. Nicht von ungefähr wird der Heilige Geist von der Kirche in einem sehr alten Hymnus als der »Vater der Armen« angerufen: »Komm, der Armen Vater du!« Und die pneumatologischen Studien in Lateinamerika haben immer darauf bestanden, dass »der Geist des Herrn von unten her wirkt«, um eine Formulierung zu brauchen, die dem spanischen Theologen Victor Codina sehr lieb war.

Diese Weise von Gottes Sein und Handeln ist bestimmend für den Glauben. Wenn Glaube vertrauensvoller und treuer Anschluss an den Gott ist, der sich in der Geschichte Israels und im Leben und Handeln Jesu offenbart hat, dann wird er notwendigerweise von der Art und Weise des Seins und Handelns dieses Gottes geprägt sein. Der christliche Glaube kann nichts enthalten, was nicht vom Sein und Handeln des Gottes Israels und Jesu von Nazaret ausgeht. Und der Glaube an einen Gott, der die Armen und Marginalisierten befreit, schließt ein, dass er verwirklicht wird in der Teilnahme an dessen Heil wirkendem und befreiendem Handeln. Dies ist eine seiner grundlegenden Eigenschaften. Wie auch Papst Franziskus erklärt hat: Es gibt eine unlösbare Verbindung zwischen unserem Glauben und den Armen. Wo diese Heil wirkende und befreiende Dynamik nicht wirksam ist, kann man eigentlich gar nicht von christlichem Glauben sprechen. Und so kann man auch verstehen, dass Jon Sobrino darauf besteht, dass es »weitab von den Armen keine Erlösung gibt«.

In diesem Sinne gestaltet sich der Glaube als eine Lebensweise, die eine dynamisch wirkende Kraft zur Befreiung der Armen und Marginalisierten in die Welt bringt. Sei es, dass er die verschiedensten Formen von Ungerechtigkeit und Unterdrückung anklagt oder dass er das Recht der Armen und Marginalisierten aktiv verteidigt. Es ist diese auf Befreiung drängende Wirkung des Glaubens, die ihn – indem er Stärke verleiht, Recht schafft oder Freiräume erweitert – mit den unterschiedlichsten historischen Befreiungsprozessen verbindet.

Es stimmt, dass die Christen nicht immer eindeutig nach diesen Normen gehandelt haben, ja sogar in offenem Widerspruch zu dieser Lebensweise gehandelt haben, indem sie historische Muster der Herrschaftsausübung selbst übernahmen oder verstärkten. Das ist schon der Heiligen Schrift zu entnehmen, und so geschieht es in der gesamten Geschichte des Christentums. Und es ist auch etwas, das zu unseren Zeiten sehr aktuell ist. Um dies zu erkennen, genügt es schon zu sehen, wie rechtsextreme Gruppen oder Regierungen in Lateinamerika, in den USA und Europa sich als »Christen« verstehen und wie sie sich als Verteidiger der »christlichen Tradition« ausgeben, wenn sie ihre neoliberale Wirtschaftspolitik, ihre Ablehnung der Menschenrechte und sogar die verschiedenen Formen von faschistischen oder nazistischen Einstellungen und Praktiken als »religiös« motiviert rechtfertigen. Die derzeitige brasilianische Regierung ist derzeit das deutlichste und transparente Beispiel für die Verfälschung und Manipulation des christlichen Glaubens: »Brasilien über alles! Über allen Menschen: Nur Gott!« Und die Armen, die Afrobrasilianer, die Menschen der indigenen Völker, die Landlosen, die Homosexuellen, die Eingekerkerten? Sollen sie doch sterben! Und das größte Ärgernis ist, dass sich die Vertreter dieser Einstellung mit zahlreichen Kreisen der Kirche und ihrer Amtsträger einig sind … [...]


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