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Leseprobe 1 DOI: 10.14623/con.2020.2.116-125
Herbert Anderson
Männlichkeiten neu denken – in der Theologie
Die christliche Theologiegeschichte ist voller Bilder und Aussagen, die das Patriarchat begünstigen, die die männliche Vormachtstellung aufwerten und die Frauen in ihrem Status den Männern unterordnen. Diese Perspektiven ändern sich allmählich infolge einer sich abzeichnenden Verflüssigung der Geschlechtervorstellungen, die an die Stelle der alten Geschlechterbinarität getreten sind. Die Einsicht in die Überschneidung (»Intersektionalität«) von Geschlecht, Wohlstand und Hautfarbe hat zugleich den Prozess der Veränderung komplizierter, aber auch ihre Notwendigkeit deutlicher gemacht. Umgekehrt kann die Freiheit zu differenzierteren Geschlechtsidentitäten durch religiöse Kontexte gefördert werden, die die traditionellen Geschlechterhierarchien infrage stellen.

Die christliche Theologie hat die herrschenden Vorstellungen von Männlichkeit nur sehr zögernd revidiert, obwohl feministische Theologinnen inzwischen etliche präzise und differenzierte Analysen der Auswirkungen geschlechtsspezifischer Sprache auf das christliche Denken und Handeln vorgelegt haben. Der vorliegende Essay hinterfragt die fortbestehenden patriarchalischen Bilder männlicher Dominanz innerhalb der christlichen Theologie und Praxis. Im ersten Aufsatz dieses Hefts von CONCILIUM schreibt Raewyn Connell:

»In einem sozialen und kulturellen Kontext, in dem Macht und Autorität männlich konnotiert sind, wird das Göttliche im Allgemeinen als männlich wahrgenommen. […] Da hegemoniale Männlichkeiten auf der Unterordnung anderer Männlichkeiten beruhen, ist es nicht verwunderlich, dass patriarchalische Religionen die Darstellung von Männlichkeit überwachen.«

Das Zögern, neu über Männlichkeit nachzudenken, wird nicht nur durch hartnäckige männliche Gottesbilder verlängert, sondern auch durch den Gedanken der Herrschaft der Menschen über die Schöpfung. Die Dualismen, die die patriarchalischen gesellschaftlichen Institutionen bestimmen und die auf einem essenzialistischen Verständnis des Menschen beruhen, setzen unserer Erkundung multipler Männlichkeiten enge Grenzen. Solche Dualismen sind die Kontexte patriarchaler Gewalt. Es ist deshalb die Aufgabe der christlichen Theologie, die im mer noch bestehenden Vorstellungen von männlicher Überlegenheit, die die hegemoniale Männlichkeit weiterhin aufrechterhalten, zu beseitigen.

Dieser Essay besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil beschreibt das Weiterbestehen der hegemonialen Männlichkeit als globaler Realität und die daraus resultierende Schwierigkeit, neue und gerechtere Ausdrucksformen von Männlichkeit zu finden, die sich nicht einfach gegen Weiblichkeiten richten oder eine Dominanz über das Weibliche beanspruchen. Im zweiten Teil mache ich einige Vorschläge, wie die neu entstehenden Männlichkeiten theologisch gefasst werden könnten.

I. Die dringend erforderliche Veränderung


In allen Teilen der Welt dominieren auch heute noch »starke Männer« mit unangefochtener Macht. Sie nähren sich von Zyklen der Angst und von ihrer politischen Macht, mit deren Hilfe sie die Dominanz und Privilegien der Männer im Haushalt, auf dem Markt und in der politischen Arena immer wieder erneuern. Sowohl Frauen als auch Männer sind Opfer dieser anhaltenden Krise. Auch der weltweite, mit Zwangsprostitution verbundene Menschenhandel zeigt, dass Frauen weiterhin Gewalt und Missbrauch erleben, weil Männer nach sexueller Befriedigung und Macht verlangen.

Die HIV-Krise im Afrika südlich der Sahara wird allgemein als geschlechtsspezifische Epidemie angesehen, die von patriarchalischen Männlichkeitskonstruktionen lebt und üblicherweise durch Macht, Potenz, sexuelle Aggression und Zeugungsfähigkeit gekennzeichnet sind. Mit Blick auf die HIV-Epidemie wiesen afrikanische feministische Theologinnen immer wieder darauf hin, dass das Grundproblem das Patriarchat sei, das im Zusammenhang mit HIV todbringend ist. Diese Krise ist jedoch nicht nur in afrikanischen Gesellschaften zu beobachten. Länder und Kulturen, in denen Menschenhandel und andere Formen emotionaler und physischer Gewalt gegen Frauen fortbestehen, müssen ihre Aufgabe ebenfalls in der Bekämpfung der in patriarchalische Systeme eingebetteten toxischen Männlichkeit sehen lernen. Patriarchalische Kulturen inkubieren toxische Männlichkeit.

Als in den Vereinigten Staaten eine bedeutende Anzahl von Frauen, die von der #MeToo-Bewegung ermutigt wurden, die Muster sexueller Belästigung und Misshandlung durch prominente Männer aufdeckte, wurden männliche Ansprüche auf Macht und Privilegien öffentlich infrage gestellt. Seither sind männliche Dominanz und Misshandlung nicht mehr nur persönliche und private Angelegenheiten, die auf die Familie oder den Arbeitsplatz beschränkt wären und von Frauen insgeheim toleriert würden. Sie sind jetzt auch ein öffentliches und politisches Thema. Trotz aller Veränderungen, die in den letzten fünf Jahrzehnten bei Männern stattgefunden haben, halten sich noch immer patriarchalische Vorstellungen, spezifisch männliche Kontroll- und Herrschaftsmuster und die daraus resultierende Gewalt. Der sexuelle Missbrauch und die sexuelle Belästigung von Frauen sind einfach weitere Formen männlicher Machtausübung und des Wunsches zu herrschen. Noch alarmierender sind die Verbindungen, die zwischen häuslicher Gewalt und gewalttätigen Anschlägen hergestellt wurden. Bei mehr als der Hälfte der Massaker zwischen 2009 und 2017 war eine Lebenspartnerin oder ein Familienmitglied unter den intendierten Opfern. Das gegenwärtige gesellschaftliche und politische Klima in den Vereinigten Staaten hat einigen Männern das Gefühl gegeben, sie dürften sich wieder alter, schädlicher patriarchalischer Verhaltensmuster bedienen oder toxische Männlichkeit mit rassistischer Angst verbinden, um die Vormachtstellung der weißen Männer zu stärken. Die Entwicklung von Alternativen zu diesen alten destruktiven Stereotypen ist eine dringende Aufgabe um einer menschlichen Zukunft willen.

II. Schwierigkeiten beim Neuentwurf von Männlichkeiten


Männlichkeit für unsere Zeit neu zu definieren ist ebenso kompliziert wie dringend geboten. Privilegien und Missbrauchsmuster sind so alt, dass manche Männer immer noch glauben, zu herrschen liege in ihrer Natur. Der Besitz körperlicher Kraft machte die Herrschaft der Männer leicht, aber er definierte auch, was es bedeutete, ein Mann zu sein. Männer pflügten Felder, führten Kriege, bauten Eisenbahnen, gruben Gräber und schmiedeten Stahl, weil sie körperlich stark waren. Emotionale Stärke war weder notwendig, noch wurde sie gefördert. Die Ideologie des Patriarchats hat dessen Ursprung, die körperliche Leistungsfähigkeit der Männer, die deren Herrschaft ermöglichte, lange überdauert. Als unter Macht die Fähigkeit verstanden wurde, Einfluss zu nehmen oder eine Wirkung zu erzielen, ersetzte psychologische Kraft die körperliche Stärke von Männern bei der Ausübung von Kontrolle. Spätere Definitionen des Mannseins betonten nicht nur Dominanz, Unabhängigkeit und Selbstkontrolle, sondern auch die Kontrolle über andere Menschen, soziale Realitäten und physische Ressourcen. [...]


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