zur StartseiteZugang für Abonnenten
Startseite » Archiv » Ausgabe 3/2019 » Leseprobe 3
Titelcover der archivierte Ausgabe 3/2019 - klicken Sie für eine größere Ansicht

Der Aufbau der Zeitschrift


finden Sie hier


Concilium stellt sich vor

Geschichte und Selbstverständnis


Präsidium, Herausgeber/innen und Wissenschaftliches Komitee


sind hier einzusehen.


Unsere Autoren


finden Sie hier.


werden hier gelistet.

<<< zur vorherigen Ausgabe zur nächsten Ausgabe >>>
Leseprobe 3 DOI: 10.14623/con.2019.3.308-316
Sharon A. Bong
Technologie im Dienst der Menschheit: Perspektiven für Genderaspekte und Inklusion
Die Technologie, die zählt, ist eine Technologie, die der Menschheit dient. Technologie, die im Dienste der Menschheit steht, gründet sich auf eine christliche Weltanschauung, die den Platz des Menschen in der Welt festigt. Sind diese Wahrheitsansprüche allgemein anerkannt? Wie würden diese Wahrheitsansprüche aussehen, wenn man sie aus einer feministischen Sicht betrachtet, die die Geschlechterdiversität und die Inklusion nicht nur von Menschen, sondern auch von anderen Lebewesen, die mit der Menschheit als biologische Gemeinschaft verbunden sind, bevorzugt?

Dieser Artikel bietet eine theologische Reflexion über die Frage von Geschlecht und Inklusion mit einem Schwerpunkt auf die reproduktiven Technologien an, die paradoxerweise im Dienste der Menschheit stehen, indem er nicht nur infrage stellt, wie wir unseren Platz in dieser Welt verstehen, sondern auch, was es bedeutet, ein Mensch im Verhältnis zu anderen Menschen, anderen Lebewesen und der Umwelt im Allgemeinen zu sein. Daher begibt er sich auf die Spurensuche nach ontologischen und theologischen Veränderungen durch den Mutterleib der kosmischen, materiellen und virtuellen Orte der Widersprüchlichkeit: erstens durch die Zentrierung des Menschen in der Schöpfung auf der Grundlage der Enzyklika Laudato Sí (im Folgenden mit LS abgekürzt) des Papstes; und zweitens die Dezentrierung des Menschen in der Schöpfung durch reproduktive Technologien, wie zum Beispiel künstliche Gebärmütter und ihre Folgen für die Ungeborenen, für Frauen und für schwangere (Trans)Männer. Der Artikel plädiert für eine Dezentrierung des Menschen in der Schöpfung und damit einhergehend die in den Vordergrund rückende Stellung der grundlegenden Beziehungsstrukturen zwischen Menschen und anderen Lebewesen, um die Heiligkeit aller in der Schöpfung besser zu erfassen in diesem anthropozänen Zeitalter ökologischer Krisen, die vom Menschen schuldhaft verursacht wurden. Die Art und Weise, wie dieses Bestreben – eine feministische theoretische, theologische und politische Praxis – potenziell zu post-gender, post-christlichen und post-humanen Überlegungen führt, wird nun überprüft.

1. Zentrierung des Menschen in der Schöpfung


Die Parameter, die den Dienst der Technologie an der Menschheit bestimmen, werden in Laudato Sí erläutert, einem glaubensorientierten Text, der zeitgenössisch und dringend eine »ökologische Umkehr« (LS 217) im Streben nach Klimagerechtigkeit fordert, die im Einklang mit den von den Vereinten Nationen weltweit anerkannten Zielen für nachhaltige Entwicklung stehen sollte. Die Integrität der Technologien von, für und durch Menschen wird der Heiligkeit der Schöpfung des Schöpfers des Lebens gegenübergestellt: »Was für eine wunderbare Gewissheit ist es, dass das Leben eines jeden Menschen sich nicht in einem hoffnungslosen Chaos verliert, in einer Welt, die dem puren Zufall unterliegt oder Zyklen, die sich sinnlos wiederholen! Der Schöpfer kann zu jedem von uns sagen: ›Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen‹ (Jer 1,5). Wir wurden im Herzen Gottes entworfen« (LS 65). Die Redewendung der kosmischen Gebärmutter ist metaphorisch; sie symbolisiert die Natur – von der die Gebärmutter der Frau eine mikrokosmische Version ist – und die Allwissenheit ihres »Schöpfers«, Gottes des Vaters. Der Dualismus zwischen Ordnung und Chaos wird mit dem gezielten, nicht zufälligen Beginn von »jedem menschlichen Leben« etabliert. Und dieser Dualismus unterliegt weiterhin einem Gender-Skript durch die eheliche Vereinigung vom Mann und seiner Frau bei der Zeugung neuen Lebens, was wiederum den Menschen zum einem agentenhaften Teilnehmer an den »wiederkehrenden Zyklen« des Lebens auf der Erde macht.

Den eigenen Platz in der Welt zu kennen, bedeutet, sich an seinem eigenen Platz in der Welt zu halten: Da Gott, der Schöpfer, und seine Schöpfungen sich gegenseitig ausschließen, kann der Mensch zwar versuchen, seine von Gott gegebenen Talente bei der Aneignung der Quelle des Lebens nachzuahmen, darf diese aber nicht überschreiten. Wenn »die Harmonie zwischen dem Schöpfer, der Menschheit und der gesamten Schöpfung zerstört wurde durch unsere Anmaßung [des Menschen], den Platz Gottes einzunehmen, da wir uns geweigert haben anzuerkennen, dass wir begrenzte Geschöpfe sind«, ist dieser »Bruch die Sünde« (LS 66). Der erste wichtige Grundsatz der christlichen Weltanschauung ist also eine hierarchische Ordnung von Schöpfer/Schöpfung und Gott/Natur (bestehend aus Menschen, Nicht-Menschen und anderen Lebewesen).

Aus der hierarchischen Ordnung der Schöpfung ergibt sich das zweite Leitprinzip, der Anthropozentrismus; die Zentrierung des Menschen über nichtmenschliche und andere Arten in der Schöpfung. Dem Menschen wird eine »unermessliche Würde« zuerkannt, er steht buchstäblich über Nicht-Menschen und anderen Lebewesen, da der Mensch allein als das »Abbild Gottes und ihm ähnlich« (LS 65) erschaffen wurde und die einzigartige »Fähigkeit zu Reflexion, Beweisführung, Kreativität, Interpretation und künstlerischem Schaffen« hat (LS 81). Die hierarchisch geordnete Beziehung zwischen Gott, Mensch und Natur (bestehend aus nicht-menschlichen und anderen Arten) im Gegensatz zu einer »Welt, die dem puren Zufall unterliegt oder Zyklen, die sich sinnlos wiederholen« (LS 65) macht Tierversuche moralisch akzeptabel, wenn sie »dazu beitragen, menschliches Leben zu heilen und zu retten« (LS 130), nicht aber Experimente »mit lebenden menschlichen Embryonen« (LS 136). Die Vorrangstellung des Menschen und der damit einhergehende Wert von nicht-menschlichen und anderen Lebewesen, die als Objekte von menschengemachten wissenschaftlichen Bestrebungen gesehen werden, zeigt sich in dem »besonderen Wert für den Menschen gegenüber den anderen Geschöpfen« (LS 119). Ontologisch gesehen sind nicht alle Geschöpfe gleich.

Aus diesen beiden Grundprinzipien ergibt sich das dritte Prinzip, das sich auf die Auswüchse des Anthropozentrismus bezieht, die in einem »technologischen Paradigma« eingebettet sind, das »homogen und eindimensional« ist und heute weitgehend für die ökologischen Krisen verantwortlich gemacht wird (LS 106). Die Kirche als erster Übeltäter zieht sich selbst zur Verantwortung: weil »ein falsches Verständnis unserer eigenen Grundsätze uns auch manchmal dazu geführt hat, die schlechte Behandlung der Natur oder die despotische Herrschaft des Menschen über die Schöpfung oder die Kriege, die Ungerechtigkeit und die Gewalt zu rechtfertigen« (LS 200). Sie setzt sich nun verantwortungsbewusst dafür ein, den Menschen »als verantwortlichen Verwalter zu verstehen« (LS 116). Dabei positioniert die Kirche ganz geschickt nicht den Anthropozentrismus an sich als problematisch, sondern seine Auswüchse, die sich auf mindestens zwei Arten manifestieren. In erster Linie gibt es den »modernen [säkularisierten] Anthropozentrismus «, bei dem »die technische Vernunft über die Wirklichkeit gestellt« wurde, »denn dieser Mensch empfindet die Natur weder als gültige Norm, noch als lebendige Bergung. Er sieht sie voraussetzungslos, sachlich, als Raum und Stoff für ein Werk, in das alles hineingeworfen wird, gleichgültig, was damit geschieht. Auf diese Weise wird der Wert, den die Welt in sich selbst hat, gemindert« (LS 115). Er wird ferner als »despotischer Anthropozentrismus« angeprangert, der nicht »die Gesetze der Natur und die empfindlichen Gleichgewichte unter den Geschöpfen auf dieser Welt respektiert« (LS 68), als ein »Gleichgewicht«, das auf der hierarchischen Ordnung von Gott, Mensch und Natur beruht. Im Wesentlichen entspricht die »Herrschaft« über nicht-menschliche Wesen und andere Arten dem Plan Gottes, nicht aber die »absolute Herrschaft über die anderen Geschöpfe« (LS 67, Kursivsetzung durch die Autorin vorgenommen). [...]


Lesen Sie den kompletten Artikel in der Print- oder Onlineausgabe.

Zurück zur Startseite

Unsere Abos
Sie haben die Wahl ...

weitere Infos zu unseren Abonnements


Professor dr. Hildegard Warnink, dean of the Faculty of Canon Law, and professor dr. Felix Wilfred, president of the Board of Directors of Concilium, have the honour to invite you for the presentation of the volume

Canon Law at the
Crossroads Concilium
International Journal of Theology


Canon Law at the Crossroads


Newsletter


Unser Newsletter informiert Sie über die Inhalte der neuesten Ausgabe.


Jahresverzeichnis 2018


Aktuelles Jahresverzeichnis


Jahresverzeichnis 2018
als PDF PDF.



Unsere neue Dienstleistung für Verlage, die Ihr Abogeschäft in gute Hände geben wollen.


aboservice

mehr
Informationen


Concilium
Telefon: +49 (0) 711 44 06-140 · Fax: +49 (0) 711 44 06-138
Senefelderstraße 12 · D-73760 Ostfildern
Kontakt | Sitemap | AGB | Widerruf | Datenschutz | Impressum