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ZU DIESEM HEFT

THIERRY-MARIE COURAU, MILE BABIĆ UND SUSAN ABRAHAM
Populismus und Religion
THEMA: Populismus und Religion
MILE BABIĆ
Populismus und Religion in Bosnien-Herzegowina

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Sicher kann man sagen, dass der Populismus in der repräsentativen Demokratie bereits angelegt ist, nicht zuletzt deshalb, weil die die Populisten das Prinzip der repräsentativen Demokratie gar nicht ablehnen. Die Populisten lehnen vielmehr den Pluralismus ab, die Gedankenfreiheit und die Logik, die zur menschlichen Vernunft gehört; sie bevorzugen stattdessen das »argumentum ad hominem« oder das »argumentum ad populum«. Eine theologische Erwiderung auf den Populismus müsste darauf abheben, dass es kein Leiden in der Welt gibt, welches uns nichts angeht. Die Achtung vor dem Leiden der anderen ist die Voraussetzung jeder Kultur. Diese Achtung zum Ausdruck zu bringen ist eine Voraussetzung für die Wahrheit, die uns frei machen wird.

FRANCIS GONSALVES SJ
Populismus und religiöser Nationalismus in Indien

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Angesichts seiner immensen Größe und komplexen Vielfalt sind in Indien viele Formen von Populismus wie Pilze aus dem Boden geschossen. Heute verbreitet der Populismus des religiösen Hindutva-Nationalismus bösartige Offenbarungen, die nicht nur den demokratischen Prozess bedrohen, sondern auch ein Angriff auf den wahren Hinduismus und ein Hindernis bei der ganzheitlichen Entwicklung der armen Volksmassen Indiens sind. Indem sie sich solcher Taktiken wie der Mystifizierung der Geschichte und der Mythologisierung der Geschichte, der Manipulation von Symbolen und der Etikettierung ihrer eingebildeten Feinde bedienen und dabei von der Geschäftswelt, den Medien und der Armee und Polizei unterstützt werden, strebt die Hindutva-Lobby danach, eine Hindu-Nation einzuleiten, die den religiösen Minderheiten und subalternen Gemeinschaften zum Verhängnis werden kann. Der endgültige Sieg kann hier nur von den gewöhnlichen Menschen erzielt werden, deren Weisheit immer schon die gegen die Menschen gerichtete Politik durchschaut hat und die hoffentlich die Demokratie dem engstirnigen religiösen Nationalismus vorziehen werden.

DILEK SARMIS
Von der zentralen Bedeutung des Islams als Bezugsgröße der Nationalisierung. Islam und Populismus in der Geschichte der Türkei

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Der vorliegende Beitrag befasst sich mit der Instrumentalisierung der Religion durch die politischen Parteien in der Türkei und bemüht sich zu diesem Zweck um eine klärende historische Darstellung der ersten Jahrzehnte der Republik, die landläufig mit einer laizistischen Haltung und einer deutlichen Distanzierung von der Religion assoziiert werden. Der hier verfolgte Ansatz erlaubt es hingegen, die Zusammenhänge zwischen den Neukonfigurierungen des Religiösen in verschiedenen Bereichen des intellektuellen und politischen Handelns der jungen türkischen Republik und den derzeitigen Vorstößen der machthabenden Partei zu analysieren; letztere weisen auf eine massive Mobilisierung des Islams in seiner kulturellen und identitären Bedeutung hin, durch die die Topologie der großen Werte der türkischen Politik zum Populistischen hin modifiziert wird.

FRANÇOIS MABILLE
Der religiöse Populismus: Neue Manifestation der Krise der Politik

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Die gegenwärtige politische Konjunktur ist von einer einzigartigen Rückkehr des Religiösen in die öffentliche Sphäre und in die politische Arena geprägt. Obwohl die Säkularisierung und der Fortschritt die konfessionellen Akteure ebenso wie die religiösen Vorstellungen verdrängt zu haben schienen, erlebt man neue Formen der Verbindung des Politischen mit dem Religiösen. Politische Parteien sind entstanden, die sich auf eine religiöse Kultur in einem Kontext des Erwachens von Nationalismen beziehen. Dieser Beitrag versucht die Gründe für diese neue Entwicklung innerhalb einer Konstellation zu verstehen, die von gravierenden sozialen Ungleichheiten, einer Krise der politischen Repräsentation und einer Infragestellung der staatlichen Souveränität geprägt ist.

SUSAN ABRAHAM
Maskulinistischer Populismus und toxisches Christentum in den Vereinigten Staaten.

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Donald Trumps populistische Rhetorik ist bei weißen amerikanischen Christen extrem erfolgreich. Susan Abraham vertritt die Ansicht, dass Trumps Rhetorik auf subtile Weise die Ängste der weißen Christen und ihr Gefühl des Verlusts von Privilegien und Macht anspricht, um den traditionellen und idealisierten Ansichten der weißen Männer wieder Geltung zu verschaffen. Weiße Christen nehmen Trumps öffentliche Fehltritte nicht ernst, doch gerade diese sichern die politische Macht in den Vereinigten Staaten für sie. Trump ist für die weißen christlichen Amerikaner ein glaubwürdiger Darsteller einer muskulösen Männlichkeit und ermöglicht es ihnen, selbst eine Form patriotischer und muskulöser Christlichkeit zum Ausdruck zu bringen.

Lesen Sie diesen vollständigen, ungekürzten BeitragMARIDA NICOLACI
Das »Volk Gottes« und seine Idole in dem Einen und dem Anderen Testament. Wie die Heilige Schrift die populistische Rhetorik infrage stellt

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Wenn der Populismus, aus historiografischem Blickwinkel betrachtet, auch als ein modernes Phänomen verstanden werden kann, so erlaubt es doch der »tribale« Charakter seines Begriffs von Volk, die Tatsache, dass er vom Geist einer alles Fremde ablehnenden Stammeskultur geprägt ist, die populistische Rhetorik in nicht anachronistischer Weise im Licht der biblischen Botschaft zu werten . Dies erlaubt es also, die Weise des Populismus, seine Identität in den nachdemokratischen Gesellschaften zu verstehen, zu erzählen und zu leben, zu vergleichen mit der »religiösen«, und vor allem prophetischen Weise des Verständnisses und der Darstellung der Dynamik des Aufbaus einer Identität seitens des «Volkes Gottes«, das in den biblischen Schriften von sich spricht. Der nie aufhörende Kampf gegen die Fetische, die aufgerichtet werden zum Schutz einer monolithisch verstandenen Volksidentität, der alles, was anders ist, nicht respektiert, der intolerant ist gegen Unterschiede und Vielfalt, ist kennzeichnend für das immer neue prophetische Überdenken des Prozesses, in dem Gottes Volk in dem Einem und dem Anderen Bund seine Identität aufbaut. So kann es sich einreihen in eine Bewegung, die darauf zielt, den geschwisterlichen Aufbau einer geschwisterlichen und inklusiven menschlichen Gesellschaft zu denken, zu erzählen und zu realisieren, die wirklich fruchtbar ist für jeden Einzelnen und für die ganze Gemeinschaft.

ANDREAS LOB-HÜDEPOHL
»Brücken statt Barrieren«. Potenziale christlicher Hoffnung gegen den Populismus von rechts

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Rechtspopulistische Einstellungen wenden sich aggressiv gegen das Establishment wie insbesondere gegen alle, die sie aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung als nicht dazugehörig abqualifizieren und ausgrenzen. Solche Einstellungen haben sich bis tief in die Mitte der Gesellschaft und der Kirchen eingefressen. Sie leugnen die Fundamentalgleichheit aller Menschen – ein Versprechen moderner Demokratien ebenso wie die christliche Grundüberzeugung von der gleichen Gottebenbildlichkeit aller Menschen. Gegen die angstbesetzten Untergangsszenarien rechtspopulistischer Einstellungen muss es Christen und Kirchen darum gehen, das Potenzial christlicher Hoffnung in der zivilgesellschaftlichen Alltagspraxis des Bridging als ‚gottesdienstliche Pontifikalhandlungen des Alltags‘ (Röm 12,2) zu bekennen, zu bewähren und damit zu bewahrheiten.

FRANZ GMAINER-PRANZL
Rechtspopulismus und Katholizität: Eine ekklesiologische Besinnung

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Die Auseinandersetzung christlicher Kirchen mit rechtspopulistischer Politik setzt eine ekklesiologische Besinnung voraus. Die dogmatische Konstitution Lumen gentium expliziert in ihrem 13. Kapitel ihr Verständnis von Katholizität, das sich von identitären Konzepten durch folgende Merkmale grundlegend unterscheidet: den Bezug auf die Einheit der gesamten Menschheit, die Konstitution des »Volkes Gottes« durch Berufung und nicht durch »Geburt«, die Lernbereitschaft gegenüber Fremden und Fremdem, die innere Pluralität der Kirche, das Verständnis von Sakramentalität als »Relativität«, die Sorge um das Heil aller Menschen (»Rekapitulation«) sowie ein auf Zukunft gerichtetes Verständnis von »Heimat«. Von daher kann ein neuer »Mut zur Katholizität« eine kreative Alternative zu rechtspopulistischen Haltungen bieten.

CARMELO DOTOLO
Die Paradoxe des Populismus und der Beitrag der Kirche zur Demokratie. Hypothesen für unterwegs

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Der durch den »Populismus« aufgebrachte hermeneutische Konflikt wurzelt in einer Krise der Demokratie mit ambivalenten Auswirkungen wie beispielsweise: dem Schutz der nationalen Grenzen; einer selektiven Schließung der politischen und kulturellen Räume; der Ausgrenzung des anderen, sofern er Fremder und Migrant ist; einer vorsichtigen Revision des liberalen und westlichen Way of Life; dem Wiedererstarken »bekenntnishafter«, mit einer bestimmten Volkszugehörigkeit und Nationalität konnotierter Identitäten. In diesem Bezugsrahmen ist die öffentliche Verantwortung der Kirche als »Volk Gottes« verortet, die sich, wie wir jetzt sehen werden, in der Sorge um das Ethos der Gemeinschaft, im Verhältnis zwischen Rechten und Pflichten im Dienst der Brüderlichkeit, in der Dialogpraxis zwischen den Kulturen und den Religionen und in einer Wirtschaft ausdrückt, die auf das ökologische Ganze achtet.

THEOLOGISCHES FORUM
CATHLEEN KAVENY
Der Sommer der Schande: Amerikanische Katholiken und die neueste Welle der Missbrauchskrise
 
BRUNO CADORÉ OP
Vom Zuhören zum Gespräch. Nach der Bischofssynode zum Thema »Die Jugendlichen, der Glaube und die Unterscheidung der verschiedenen Berufungen«
 
REZENSIONEN
Marianne Heimbach-Steins, Maren Behrensen, Linda E. Hennig (Hg.): Gender – Nation – Religion. Ein internationaler Vergleich von Akteursstrategien und Diskursverflechtungen (Religion und Moderne; Bd. 14)
Stefan Orth, Volker Resing (Hg.): AfD, Pegida und Co. Angriff auf die Religion? (Edition Herder Korrespondenz)
Thomas Wabel, Torben Stamber, Jonathan Wieder (Hg.): Zwischen Diskurs und Affekt. Politische Urteilsbildung in theologischer Perspektive (Öffentliche Theologie; Bd. 35)

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