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Leseprobe 2 DOI: 10.14623/con.2019.1.65-70
Linda Hogan
Globalisierung, Urbanisierung und die Frage nach dem Gemeinwohl
Dass wir heute im ersten wirklich globalen Zeitalter leben, ist uns mittlerweile zutiefst bewusst geworden. Dieses Bewusstsein zeigt sich etwa in der Tatsache, dass wir die Art und Weise unseres Alltagslebens inzwischen mithilfe der Sprache der Globalisierung ausdrücken. Der Gebrauch dieser Sprache beschränkt sich nicht mehr auf die technischen Welten der Wissenschaft oder der praktischen Politik, sondern findet auch in weiteren gesellschaftlichen Kontexten Widerhall. Indem sie sich sowohl auf die Verdichtung der Welt als auch auf die Intensivierung des Bewusstseins von der Welt als Einheit bezieht, beschreibt die Globalisierung ein eigentümliches Wechselspiel zwischen dem Globalen und dem Lokalen, wonach, wie Anthony Giddens zeigt, lokale Geschehnisse von Ereignissen geprägt sind, die sich weit entfernt zutragen, und umgekehrt. Entwicklungen im globalen Kapitalismus und der globalen Kultur, verbunden mit dem enormen technolo gischen Fortschritt, vor allem im Bereich der Kommunikation, erzeugen mit einander eine Erfahrung des sozialen und politischen Lebens, die nicht nur neuartig, sondern für ihre Nutznießer auch vitalisierend ist. Während jedoch der Begriff der Globalisierung mittlerweile alltäglich ist, sind ihre Definition und die Frage, inwieweit sie wirklich ein neues Phänomen ist, Gegenstand einer aus gedehnten Debatte.

I. Die Globalisierung und ihre Auswirkungen


Die Debatten über das Wesen und die Auswirkungen gegenwärtiger Formen der Globalisierung sind komplex und höchst brisant. Zu ihnen gehört der Streit über die Unterscheidbarkeit der Welle der Globalisierung im späten 20. Jahrhundert von früheren Wellen, über die Frage, ob die wirtschaftliche Globalisierung Entwicklung und Inklusion ermöglicht oder Verarmung und Exklusion vorantreibt, darüber, ob die Globalisierung auf das Gemeinwohl (wie immer man das definieren mag) ausgerichtet werden kann oder ob ihre Kräfte unausweichlich die Formen von Solidarität unterminieren, die den Einsatz für die Güter und das Gute der Welt ausmachen. In den 1990er- und 2000er-Jahren basierten die Debatten über das Wesen der Globalisierung und ihre Auswirkungen tendenziell auf einem hauptsächlich ökonomischen Verständnis von Globalisierung.

In jener Zeit wiesen die entschiedenen Globalisierungsbefürworter auf die Vorzüge hin, die sich aus der Ausweitung des Handels und der Investitionsströme, aus der Integration der Finanzmärkte, aus dem umfangreichen globalen Währungshandel und aus den nomadischen Praktiken der transnationalen Konzerne ergeben würden. Die Kritiker dagegen waren nicht nur beunruhigt über die zwiespältigen ökonomischen Auswirkungen der Globalisierung auf die verschiedenen Bevölkerungen überall in der Welt, sondern auch über die politischen und kulturellen Effekte dieser noch nie dagewesenen weltweiten Integration. Die anschließend in Erscheinung tretende populistische Bewegung gegen die Globalisierung, wie sie sich etwa in der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA und in der Entscheidung Großbritanniens zum Austritt aus der Europäischen Union ausdrückte, wurde indessen nur von wenigen vorausgesehen, hat aber in den letzten Jahren in vielen Teilen des Globus die Politik bestimmt.

Aber natürlich hat sich die Globalisierung nicht nur auf die ökonomische Sphäre ausgewirkt; denn neben den wirtschaftlichen Bewegungen ist auch ein bemerkenswertes Wachstum transnationaler sozialer Bewegungen, einer globalen Zivilgesellschaft und neuer globaler Institutionen zu verzeichnen; sie sind Hinweise auf eine immer stärker miteinander vernetzte Welt.

Wie auch immer man sich zu diesen Debatten stellen mag, es ist auf jeden Fall klar, dass die Globalisierung das heutige wirtschaftliche und politische Leben so umfassend verändert hat, dass frühere nationale Angelegenheiten sich zu internationalen gewandelt haben. Zudem hat die beispiellose internationale Integration anscheinend neue Phänomene hervorgebracht: Probleme, die nur im internationalen Kontext angepackt werden können, und Güter, die nur durch globales politisches Handeln erstrebt und gesichert werden können. So stehen wir nun täglich vor Aufgaben, die keine Regierung allein erfolgreich bewältigen kann, vor Problemen der Umweltzerstörung, der Weiterverbreitung nuklearer und chemischer Materialien, der Migration und des Terrorismus. Daneben gibt es oft Fragen zu Gleichheit und Gerechtigkeit, die ebenfalls in diesen globalisierten und globalisierenden Kontext eingebettet sind, auch wenn sie sich als Probleme oft entschieden auf lokaler Ebene manifestieren. Überdies besteht mitten in all dem ein fragiles System globaler Institutionen, die bemüht sind, sich um diese Fragen mittels internationaler Körperschaften, Verträge und Übereinkünfte zu kümmern.

II. Die ethischen Herausforderungen der Globalisierung

Die ethischen Herausforderungen, die sich aus dieser Darstellung unseres politischen Milieus ergeben, sind mannigfaltig. Kritiker haben bereits hingewiesen auf die negativen Auswirkungen der unregulierten oder unfair regulierten Märkte, der Zusammenlegung ökonomischer Aktivitäten in den Entwicklungsländern und der Währungsspekulation in vielen Teilen der Welt. Die ständig wachsende ökonomische Ungleichheit zwischen Nord und Süd und die beschämende Verarmung vieler Länder werden von vielen als unausweichliche, aber inakzeptable Nebenprodukte der Globalisierung angesehen. Deshalb treten Politiker, Aktivisten der Zivilgesellschaft und Wissenschaftler überall auf der Welt für eine ethische Globalisierung ein, d. h. für eine Form der wirtschaftlichen und politischen Integration, die ethischen Erwägungen unterliegt und alle Menschenrechte respektiert, also wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte ebenso wie politische und staatsbürgerliche Rechte.

Der Ausdruck »ethische Globalisierung« ist umstritten; viele Anti-Globalisierungsaktivisten halten ihn für ein Oxymoron. Die Befürworter des Konzepts hingegen meinen, dieses ermögliche es Einzelnen und Gemeinschaften überall auf der Welt am besten, sich für eine Sicherung des Lebensunterhalts in Anstand und Würde und gegen die voranschreitende Verelendung einzusetzen. Es verweist auf die Notwendigkeit, Formen der Globalisierung zu finden, die der menschlichen Entwicklung dienen, anstatt sie zu untergraben, und das heißt, dass der Antrieb der ökonomischen Globalisierung von ethischen Prinzipien geleitet und bestimmt werden sollte. Ein Ziel, das von Tag zu Tag dringender wird.

Die Globalisierung hat viele neue Probleme hervorgebracht; nicht die geringsten unter ihnen sind die, die mit der Verstädterung, der Urbanisierung, zusammenhängen. Gewiss hat sie eine Reihe von Ursachen, doch der gegenwärtige Impuls zur Urbanisierung kommt zweifellos vor allem von der Globalisierung. Zudem schaffen das exponentielle Wachstum der Städte und die Tendenz der Urbanisierung nicht nur neue soziale, politische und ökonomische Probleme, sondern vergrößern auch die Schwierigkeit, gerechte, inklusive und unparteiische politische und wirtschaftliche Strukturen hervorzubringen.

In der Tat bringt die Tatsache der Verstädterung in akuter Weise die Frage auf, wie man gut leben kann inmitten einer Ballung sozialer Beziehungen, also mit Nachbarn, deren Werte, Engagements und Praktiken ich nicht teile. In diesem Zusammenhang kommt die ambivalente Natur der Globalisierung erneut in den Blick, denn außer dem Impuls zur Integration hat die Globalisierung auch eine Reihe von widersprüchlichen Prozessen in Gang gesetzt, u. a. eine Entwicklung zur Fragmentierung, die man in den Kräften des Nationalismus, der Identitätspolitik und des religiösen Fundamentalismus erkennen kann. Trotzdem ist die Frage, wie Städte den Umgang mit diesem Pluralismus gestalten und zugleich den sozialen Zusammenhalt fördern können, für die Gesellschaft der Gegenwart von entscheidender Bedeutung. Für jene, die über die Stellung der Religion nachdenken, stellt sich außerdem die Frage, ob religiöse Gemeinschaften bei der Förderung solchen Zusammenhalts eine Rolle spielen können und ob Religion ein Teil des Problems oder ein Teil der Lösung sein wird. [...]


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