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Zu diesem Heft DOI: 10.14623/con.2019.1.1-4
Markus Büker / Alina Krause / Linda Hogan
Entwicklung findet Stadt
Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und das Pariser Klimaschutzabkommen verpflichten die internationale Gemeinschaft zu erheblichem und umfangreichem globalen Wandel, um auf die gegenwärtigen Bedrohungen des Lebens und Zusammenlebens zu reagieren, bevor es zu spät ist. Über die Gründe, warum dies notwendig ist, herrscht weitgehend Einigkeit: Die Menschheit überschreitet die dem Planeten gesetzten Grenzen. Zum Beispiel: Die derzeit bestehenden kohlenstoff- und rohstoffintensiven Produktionssysteme und Lebensweisen sind unhaltbar. Die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und aus Afrika zeigen, dass die weltweiten Probleme der Kriege, des Scheiterns von Staaten und des Mangels an Zukunftsaussichten vor der Haustür der Menschen in Europa sichtbar werden. Das weltweite Auftauchen autoritärer Regierungen und populistischer Bewegungen sowie in manchen Fällen des Rechtsextremismus stellt das Funktionieren der traditionellen Demokratien infrage. Wie können wir sicherstellen, dass alle Menschen in einer intakten natürlichen und sozialen Umgebung leben können und dass niemand zurückgelassen wird? Alle Nationen und jeder einzelne sind – je nach ihren besonderen Kompetenzen und Mitteln – aufgerufen, einen Beitrag zu leisten zur Entwicklung gemeinsamer Lösungen, die alle Kontinente, Religionen und sozialen Schichten umfassen. Welche Rolle spielen die Religionen dabei?

Über viele Jahrzehnte galt das Engagement für Entwicklungshilfe und -zusammenarbeit als Sache der Verteilungsgerechtigkeit oder der Wohltätigkeit seitens eines »entwickelten Nordens« gegenüber einem »unterentwickelten Süden«. Entwicklung wurde verstanden als »aufholende Entwicklung«, was bedeutete, dass der »arme Süden« sich einem existierenden Modell öffnen und sich in das herrschende, auf Kapitalismus und Marktfundamentalismus beruhende System der früh industrialisierten Länder im sogenannten »entwickelten Norden« integrieren sollte. Heute ist diese Vorstellung nicht mehr vertretbar. Das liegt nicht nur am gewachsenen Wissen über die komplexen Wirkungsmechanismen von »Entwicklung« und »Unterentwicklung«, welches das Verhältnis zwischen dem Norden und dem Süden in ein neues Licht rückt. Wichtiger ist, dass das wachsende Bewusstsein grundlegender negativer Auswirkungen die erklärende Kraft und Legitimität des Entwicklungsparadigmas selbst untergräbt – und damit auch die Polarität von Nord und Süd. Probleme wie Hunger, Klimawandel und alle Formen struktureller Gewalt können nur im globalen Zusammenhang verstanden werden. Die globale Ausweitung des Externalisierungsmechanismus, durch den die »entwickelten«, früh industrialisierten Länder die sozialen und ökologischen Kosten und Risiken ihrer Entwicklung in andere Regionen (im »Süden«) und in die Zukunft auslagern, ist an ihre Grenzen gekommen. In dem Maße, wie die Entfernungen in Zeit und Raum schrumpfen und wahrhaft globale Märkte entstehen, wird klar, dass die Vorstellung von einem »Außen«, das von der Externalisierung vorausgesetzt wurde, immer schon eine Illusion war. Die Menschen und die Natur, deren Ausbeutung für die Entwicklung des Nordens unabdingbar war und ist, befinden sich nicht mehr »draußen«. Die Frage, wie wir unser Leben zum Wohle aller gestalten, zum Wohle jedes Einzelnen und aller Generationen (einschließlich der kommenden), kann nicht länger mithilfe eines Kompasses beantwortet werden, dessen Nadel immer nach »Norden« zeigt.

Trotzdem bleiben Unterschiede zwischen Nord und Süd – nicht nur zwischen den unterschiedlichen Lebensweisen der Menschen, sondern auch zwischen ihren grundlegenden Möglichkeiten: ihrem Zugang zu Ressourcen, der Verwirklichung der Menschenrechte, ihrem Zugang zu Lebensmitteln, Gesundheitsversorgung, Bildung, ihrer Lebenserwartung, Sicherheit und ihren politischen und wirtschaftlichen Teilhabemöglichkeiten. Diese Unterschiede werden noch verstärkt im Zusammenhang mit der rapiden Verstädterung, die mit der Globalisierung einhergeht und Identitäten, Lebensstile und Weltanschauungen verändert. Globalisierung ist aufs Engste mit Urbanisierung verbunden. Das zeigt sich bereits in Statistiken. Darum geht es auch im Eröffnungsessay Das Jahrhundert der Städte – Transformation zur Nachhaltigkeit von Dirk Messner. Darin zeigt Messner, inwiefern das 21. Jahrhundert das Jahrhundert der Städte sein wird und wie die Tendenz zur Urbanisierung vor allem die Entwicklungsländer und die aufstrebenden Ökonomien Asiens und Afrikas betreffen wird. Wenn wir, so argumentiert Messner, auf den Klimawandel reagieren und die Agenda 2030 umsetzen wollen, kann dies deshalb nur im Kontext neuer und veränderter urbaner Perspektiven und Strategien geschehen. Fortschrittsmodelle, Ressourcenverbrauch, Formen der politischen Zusammenarbeit und Führung, das Wesen der Arbeit, der Kultur und des Pluralismus verändern sich allesamt in diesem Prozess der schnellen und radikalen Urbanisierung. Theologisches und ethisches Nachdenken über das Wesen und die Wirkungen der Urbanisierung sind notwendig und überfällig.

Um diesen Mangel zu beheben sind im Anschluss daran mehrere theologische Reflexionen über die Urbanisierung und ihre Probleme versammelt. Martin Ebner zeigt, dass das Thema der Städte im christlichen Denken von Anfang an präsent war, und untersucht, wie sich in der Zeit von Paulus die Wahrnehmung der Stadt veränderte und ihr Bild andere wichtige Motive – wie etwa das des Römischen Reichs – ersetzte. Margit Eckholt erweitert die theologische Reflexion auf den Kontext der Gastfreundschaft und zeigt, wie die Städte für den Glauben ihrer Bewohner neue Bedingungen schaffen. Sie spricht sich für mutige neue Formen des Arbeitens und Lebens aus. Im Kontrast dazu thematisiert Felix Wilfred in seinem Abschiedsartikel als scheidender Präsident von CONCILIUM nicht die Chancen, sondern die Zwiespältigkeiten der Städte als öffentlicher Räume. In einer scharfen Verurteilung der Auswirkungen des Neoliberalismus auf die Armen und Marginalisierten vor allem in den Städten tritt Wilfred ein für eine theologische Tagesordnung, die eine humanistische Vision des Zusammenlebens in den Städten entwickelt, eine, die mit anderen Gruppen gemeinsame Sache macht beim Aufbau menschlicher Gemeinschaften und umweltfreundlicher Lebensräume.

Eine weitere Gruppe von Texten in diesem Heft wendet ihre Aufmerksamkeit sodann den ethischen Dimensionen der Urbanisierung zu. Michelle Becka und Daniel Franklin Pilario setzen sich im Kontext der Globalisierung mit den unterschiedlichen Lagen auseinander, in denen sich die Städte im Norden und im Süden der Erdkugel befinden, wobei die Grenzen dieser Kategorien zunehmend fließend werden. Deshalb diskutiert Becka die globale Verantwortung aus der Perspektive Deutschlands (eines Motors der Industrialisierung und Globalisierung) und fragt, welche Bedingungen für eine gerechte Stadt notwendig sind. Pilarios Ausgangspunkt ist dagegen die globalisierte Megastadt Manila auf den Philippinen. Er schaut auf die Rolle von Glauben und Religion in solch einer Stadt und insbesondere auf die Fähigkeit der Religion, zur Vision einer humanen Kooperation beizutragen. Ähnlich wie Wilfred sieht Pilario die Keime der Hoffnung in der Praxis der gelebten Religion. Auch Linda Hogans Analyse thematisiert die Kooperation der Menschen und vertritt die Auffassung, dass die Städte eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung des Pluralismus und der Förderung des sozialen Zusammenhalts zu spielen haben.

Nach diesen theoretischen Perspektiven stellen wir zum Abschluss des Thementeils dieser Ausgabe die praktischen Versuche, humane Räume zu schaffen, in den Vordergrund. Fünf inspirierende Berichte über Akteure der Zivilgesellschaft nähern sich den Herausforderungen der Zeit in unterschiedlichen geografischen, politischen und infrastrukturellen Settings. Stephan de Beer schreibt über Städte im Südafrika der Post-Apartheid-Zeit mit ihren Problemen der räumlichen (Re-)Segregation, der Obdachlosigkeit und der prekären Wohnsituation. Seine Vorschläge zum theologischen Handeln kommen aus seinem tiefen praktischen Engagement auf diesem Feld. Georg Stoll diskutiert indessen, wie die neuen Trends die Aktivitäten von NGOs wie MISEREOR in den globalen Megastädten wieder in den Mittelpunkt rücken, und Lorena Zárate aus Mexiko erzählt von der inspirierenden Arbeit der Habitat International Coalition, die seit vierzig Jahren für das Recht von Individuen auf einen sicheren Ort für ein Leben in Würde und Respekt kämpft. Marco Kusumawijaya aus Indonesien denkt über seine Arbeit als Architekt und Stadtplaner nach und berichtet von den Schwierigkeiten, eine ökosoziale Entwicklung in Gang zu bringen. Luiz Kohara vervollständigt den Praxis-Fokus mit einem Blick auf die Arbeit und den Einfluss der NGO Centro Gaspar Garcia in São Paulo, Brasilien, die er mitbegründet hat und die für Inklusion der am meisten Marginalisierten der Stadtbevölkerung arbeitet.

Anders als man lange glaubte, ist die Welt kein globales Dorf geworden. Sie wurde eher zu einer globalen Stadt. Wie diese Stadt sich weiterentwickelt, hängt nicht nur von ihrem vielfältigen Erbe und den bestehenden Stukturen und Institutionen ab, sondern auch davon, wie gut es den Menschen auf den verschiedenen Kontinenten gelingt, gemeinsame Wege des Zusammenlebens zu finden und dabei neue Identitäten und Solidaritäten zu schaffen, die ein gutes Leben für alle ermöglichen.

Diese Ausgabe von CONCILIUM schließt im Theologischen Forum mit einem ausführlicheren Essay, der der kürzlich erfolgten Änderung des Katechismus hinsichtlich der Todesstrafe nachgeht. Michael Seewald analysiert die Position der katholischen Kirche zur Todesstrafe in ihren historischen und theologischen Dimensionen. Darüber hinaus zeigt er, inwiefern die Position von Papst Franziskus eine lehrmäßige Erneuerung repräsentiert, und schließt mit der eindringlichen und provokativen Frage, wie diese Erneuerung mit dem Selbstbild des Lehramts der katholischen Kirche zusammenhängt.

Aus dem Englischen übersetzt von Norbert Reck

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