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Zu diesem Heft DOI: 10.14623/con.2018.5.477-481
Linda Hogan / João J. Vila-Chã / Agbonkhianmeghe Orobator
Wir Menschen und der Aufruf, unser gemeinsames Haus zu beschützen
Wie wir unser gemeinsames Haus bewohnen sollen, ist eine theologische und ethische Frage von tiefer Bedeutung und großer Dringlichkeit. Sie betrifft Einzelne und Gemeinschaften überall auf der Welt auf unterschiedliche Weise, bringt Ungleichheiten und Verletzbarkeiten zutage, die mit jedem Jahrzehnt, das verstreicht, krasser werden. Die Enzyklika Laudato Si’ hat dem ökologischen Engagement der Kirche und der Theologie der Natur ein neues Zielbewusstsein verliehen, indem sie die ethische Frage, wie wir die Erde bewohnen sollen, zu einer Sache der sozialen Gerechtigkeit, der ganzheitlichen Humanökologie und der intergenerationellen Solidarität erklärt. Diese Ausgabe von CONCILIUM schöpft aus der tiefen und vielfältigen christlichen Tradition der Achtung vor der Natur und der Fürsorge für die Erde, wenn sie über die Theologie der Natur nachdenkt und sich mit den neuartigen und komplexen Umweltproblemen befasst, vor denen die Menschheit steht.

Die Geschichte der christlichen Tradition war hinsichtlich des ökologischen Bewusstseins ambivalent. Einerseits ist der Respekt für die Natur in den Grundlagentexten und den frühesten christlichen Zeugnissen offensichtlich, und er ist in die Überzeugungen und Werte der Tradition, ihre Symbole, ihre Spiritualität, ihre ethischen Normen und politischen Standpunkte eingegangen. Andererseits wurde dieser Respekt jedoch oft hintangestellt oder sogar verletzt, wenn christliche Texte und Traditionen bei Bedarf dafür herhalten mussten, die natürliche Umwelt zu plündern und zu zerstören. Somit handelt es sich um eine vielgesichtige und bisweilen umstrittene Tradition, mit unterschiedlichen Schwerpunkten und fortwährenden Debatten – beispielsweise über Anthropozentrik, Verantwortung und Inkarnation. Zudem ist es eine Tradition, die von anderen Religionen und Weltanschauungen einiges lernen kann, da viele von diesen bereits eine harmonischere und ganzheitlichere Umgangsweise mit Ökologie und Natur erreicht haben. Dieses Heft möchte zur Auseinandersetzung mit den drängenden ökologischen Problemen beitragen, indem es sich neu mit der Theologie der Natur befasst und danach fragt, wie die christliche Theologie und Praxis zur Thematisierung der gegenwärtigen globalen Umweltkrise einen wichtigen Beitrag leisten können.

Eröffnet wird diese Ausgabe mit einem Essay Seiner Heiligkeit Bartholomäus I., des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel. Die profunde theologische Analyse Seiner Heiligkeit und ihr Appell zum Handeln bilden den Rahmen des ganzen Hefts, stellen sie doch eindringlich heraus, dass die ökologische Krise eine ganzheitliche Antwort erfordert. Diesem Auftakt folgt eine umfassende politische Analyse der Umweltkrise, vor der die Menschheit heute steht. Davon ausgehend erkundet das Heft die zentralen biblischen und theologischen Themen, wie sie von Theologen und Theologinnen mit unterschiedlichen methodischen Zugängen in verschiedenen kulturellen und sozioökonomischen Kontexten gesehen werden. Dabei kommt auch zur Sprache, wie das Verhältnis zwischen Mensch und Natur (in allen seinen Dimensionen) in geschichtlichen Zeugnissen dargestellt wird und welche Synergien und Lehren sich aus diesen Beziehungen ergeben. Im dritten Abschnitt dieser Ausgabe soll sodann die politische und ethische Analyse anhand von Makrothemen und Ausblicken weiterentwickelt werden. Dieser abschließende Teil versammelt eine Reihe kürzerer Reflexionen über die ökologische Praxis in Kirche und Welt; sie stammen von Fürsprechern und Praktikern der ökologischen Verantwortung und Klimagerechtigkeit aus den verschiedensten Gegenden der Welt.

Ein roter Faden, der sich durch Laudato Si’ zieht, ist die Überzeugung, dass die Menschheit nicht vor mehreren verschiedenen Krisen steht, sondern vielmehr vor einer einzigen Krise, die mit den verschiedenen Problemfeldern verknüpft ist. Ottmar Edenhofers Analyse der globalen Herausforderungen des Klimawandels bekräftigt diese zentrale Überzeugung der päpstlichen Enzyklika und führt sie weiter aus. Er beginnt seine Überlegungen mit Papst Franziskus’ Beharren darauf, dass die Erdatmosphäre der ganzen Menschheitsfamilie gemeinsam gehört. Das könnte eine außerordentliche politische Wirkung entfalten. Denn tatsächlich dürfte die rechtliche Anerkennung des Gedankens, dass die Atmosphäre und das Klima globale Güter darstellen, die allen gehören, bedeutende Konsequenzen auf dem Feld des internationalen Rechts haben. Von daher rührt auch die Abneigung einiger Staaten im UN-System, sich den Unterstützern dieses Gedankens anzuschließen – gewiss aus Angst vor den rechtlichen Folgen im Falle nicht erfüllter Vereinbarungen. Der Artikel macht deutlich, wie mutig es seitens des päpstlichen Dokuments war, die Erdatmosphäre als das anzusprechen, was sie tatsächlich ist: ein wesentlicher Teil des globalen Gemeineigentums der gesamten Menschheitsfamilie. Vor allem hebt der Autor die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit bei der Lösung vieler anstehender Probleme hervor. In diesem Sinne macht er wichtige Vorschläge, wie sich die internationale Zusammenarbeit konkret den Problemen des Klimawandels in unserer Zeit stellen könnte – Problemen, die für unseren Autor untrennbar mit der vorzugsweisen Option für die Armen verbunden sind.

Der Ernst der Umweltkrise gibt immer neuen Anlass, die christlich-theologische Tradition durch eine ökologische Brille zu betrachten. Natürlich ist die christliche Beschäftigung mit der Ökologie und der Theologie der Natur nicht neu. Immer wieder haben sich im Laufe der christlichen Geschichte bedeutende theologische und kirchliche Persönlichkeiten aus Ost und West darum bemüht, die Schrift auf eine Weise zu interpretieren, die die Schöpfung lobt, und theologische, anthropologische, christologische und soteriologische Kategorien zu entwickeln, die den Eigenwert der Natur respektieren. In dieser Ausgabe von CONCILIUM thematisieren Dianne Bergant, Leonardo Boff, Mark Hathaway und Celia Deane-Drummond einige dieser grundlegenden biblischen und theologischen Fragen. Dianne Bergant denkt über die biblische Metapher der imago Dei nach und bestätigt und entfaltet das von Laudato Si’ vorgetragene Argument, der Anthropozentrismus, der die theologischen Interpretationen der imago Dei-Metapher stark geprägt hat, sei fehlgegangen und schädlich und rufe nach einer Neuinterpretation dieser Kategorie. Leonardo Boff und Mark Hathaway rufen ebenfalls zu einem neuen Nachdenken über die menschliche Beziehung zur Natur auf. Dabei gehen sie einer anderen biblischen Metapher nach, nämlich dem Reich Gottes und seinen Verbindungen zur göttlichen Weisheit, die in der Schöpfung gegenwärtig ist. Die weisheitliche Tradition der Sophia steht auch im Mittelpunkt von Celia Deane-Drummonds interdisziplinärer Reflexion über die Verletzbarkeit der Natur und die Hoffnung auf eine alternative ökologische Zukunft.

Als Schutzheiliger der Männer und Frauen, die sich dem Kampf für eine bessere Welt im ökologischen Sinne widmen, hat natürlich auch die paradigmatische Gestalt des Franziskus von Assisi einen herausragenden Platz in diesem CONCILUM-Heft. Jenseits allen simplen Romantizismus oder politischer Naivität hatte der Heilige Franziskus als jemand, der ernstlich von den Werten des Evangeliums bewegt war, für das mittelalterliche und nachmittelalterliche Naturverständnis und für den menschlichen Umgang damit eine herausragende Bedeutung. Das franziskanische Charisma hat die christliche Spiritualität mit einer vielgestaltigen ökologischen Dimension bereichert. In dieser Ausgabe preist Luiz Carlos Susin, selbst Franziskaner, den großartigen Beitrag des Heiligen aus Assisi und zeigt, dass Franziskus’ Eintreten für eine geschwisterlichere Beziehung zwischen den Menschen und allen Geschöpfen, vor allem den Tieren, nicht in erster Linie auf die Wiedergewinnung eines verlorenen Paradieses zielt, sondern eher die Konsequenz einer radikal kenotischen Haltung der Entäußerung und des Willens ist, einer neuen und radikalen Form der Geschwisterlichkeit zu dienen – einem Ideal, das mehr auf Gleichheit als auf irgendeiner hierarchischen Ordnung basiert.

Selbstverständlich verlangen auch die Herausforderungen, die Ottmar Edenhofer aufzählt, eine Antwort. Aber es muss eine Antwort sein, in der die Zusammenhänge zwischen den ökonomischen, politischen, ökologischen und kulturellen Dimensionen der Krise herausgestellt werden und in der die Perspektive der verletzbaren Einzelnen und Gemeinschaften im Mittelpunkt steht. Schließlich verlangt eine ethische Antwort nicht nur, dass man sich dem menschlichen Leiden zuwendet, das direkt und indirekt eine Folge der Umweltzerstörung ist, sondern auch, dass man darauf besteht, keine Antwortversuche auf die Krise zuzulassen, die auf Kosten der Verletzbaren gehen.

Diese Herausforderungen kommen vor allem im dritten thematischen Abschnitt dieses Hefts in den Blick, der nach theologisch-ethischen Antworten auf die Umweltkrise fragt. Roberto Tomichã aus Bolivien zeigt, wie die Weltsicht von Ureinwohnern engagierten Gruppen helfen kann, die Umweltzerstörung zu thematisieren. Pampackal Thomas Mathew führt das Wissen indigener Gemeinschaften von Fischern an der südindischen Küste an, das ebenfalls voller ökologischer Weisheit ist. Er meint, dass auch dieses Wissen eingesetzt werden kann, um den gegenwärtigen Umweltproblemen – vor allem hinsichtlich der Meere und ihrer Lebensräume – zu begegnen. Aus Nairobi, Kenia, schickt Wilfred Sumani die alarmierende Nachricht, dass der Klimawandel längst ernsthafte Auswirkungen auf das Leben der Menschen in der südlichen Hemisphäre hat. Er zeigt, dass politische und administrative Probleme schadensmindernde Antworten schwierig machen. Dessen ungeachtet schlägt er einen zweistufigen Umgang mit dem Klimawandel vor: Kurzfristig braucht es Zugänge zu technologischen Lösungen, um auf unmittelbare Bedrohungen reagieren zu können; langfristig muss es um die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands der Schöpfung gehen.

Das theologische Nachdenken über Ökologie wird heute überall auf der Welt durch wichtige ökologische Initiativen ergänzt. In diesem Heft stellen wir einige inspirierende Projekte aus aller Welt vor. So erzählt Kardinal Cláudio Hummes aus Brasilien von seiner Arbeit für den Schutz Amazoniens und der dort lebenden Völker vor den rücksichtslosen Angriffen auf eines der bedeutendsten Ökosysteme der Welt. Edward Osang Obi, der Direktor des Zentrums für soziale und unternehmerische Verantwortung in Port Harcourt, beschreibt die Aktivitäten der Kirche hinsichtlich des Bergbaus und der rohstoffgewinnenden Industrien in Nigeria. Neben der Lobbyarbeit und dem Aktivismus hat die Bildungsarbeit für ökologische Verantwortung eine Schlüsselbedeutung. Isis Ibrahim und Juan Pablo Espinosa analysieren deshalb Bildungsprogramme, an denen sie mitwirken und die genau dieses Ziel verfolgen. Ibrahims Beitrag untersucht die Lerneffekte eines multikulturellen und multireligiösen Projekts, das von Missio in Aachen unterstützt wurde, Espinosa beschreibt ein Jugendbildungsprogramm in Chile.

Der abschließende Beitrag zum thematischen Teil dieses Hefts stammt von einem Experten für Agrarwirtschaft, der sich große Sorgen über die Widersprüche und Paradoxien der Agrarindustrie macht: Felix zu Löwenstein nähert sich auf dem Wege einer genauen Lektüre der Enzyklika des Papstes dem Kern des Problems – der zunehmenden Zerstörung unseres gemeinsamen Hauses. Diese beruht, wie er zeigt, nicht einfach auf persönlicher Gier und Verantwortungslosigkeit, sondern auf einer Weltstruktur, die sicherstellt, dass diejenigen die besten Chancen in der Weltwirtschaft haben, die die Produktionskosten erfolgreich auf die Umwelt abladen, und das heißt: auf die Armen. Das stellt – im Falle der Landwirtschaft, also einer fundamentalen Dimension unseres Überlebens und Lebens auf der Erde – die Möglichkeiten und Chancen zukünftiger Generationen in Frage, sich das »tägliche Brot« zu sichern, um das wir im Vaterunser beten. Felix zu Löwenstein ruft deshalb dringend dazu auf, dafür einzutreten und Entscheidungsträger zu überzeugen, die praktische Erfahrung der Landwirte im Einklang mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu nutzen, um weltweit eine nachhaltige und umweltfreundliche Lebensmittelproduktion voranzubringen, von der wir leben können und auf die auch keine zukünftige Generation verzichten kann.

Im Theologischen Forum in diesem Heft wird von der Konferenz der Catholic Theological Ethics in the World Church berichtet, die 2018 in Sarajevo stattfand. Die Zusammenkunft von fast 500 katholischen Ethikern und Ethikerinnen aus aller Welt befasste sich mit dem Bau von Brücken in eine lebenswerte Zukunft, wobei ethische Reaktionen auf die ökologische Krise im Vordergrund standen.

Aus dem Englischen übersetzt von Norbert Reck

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