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Inhaltsverzeichnis
ZU DIESEM HEFT

LINDA HOGAN, JOÃO VILA-CHÃ UND AGBONKHIANMEGHE OROBATOR
Wir Menschen und der Aufruf, unser gemeinsames Haus zu beschützen
THEMA: Ökologie und Theologie der Natur
BARTHOLOMÄUS, ÖKUMENISCHER PATRIARCH
Ekklesiologie als Ökologie: Orthodoxe Einsichten

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

In den letzten dreißig Jahren hat das Ökumenische Patriarchat eine Vorreiterrolle in der Betonung der geistlichen und ethischen Dimensionen des ökologischen Problems und bei der Förderung des ökologischen Bewusstseins gespielt. Darin liegt nicht nur eine Reaktion auf die aktuelle ökologische Krise, sondern zuallererst eine Ausweitung wertvoller umweltfreundlicher Prinzipien und Handlungsweisen in der orthodoxen Kirche, und zwar insbesondere ihrer eucharistischen Weltsicht und ihres asketischen Ethos. So war und ist denn auch das Leben der Kirche im Kern angewandte Ökologie, wie vom Großen und Heiligen Konzil der Orthodoxen Kirche (Kreta 2016) hervorgehoben worden ist. Diese theologische Perspektive der Orthodoxie fördert nicht nur die Aufdeckung verborgener Dimensionen der ökologischen Krise, sondern legt auch neue Möglichkeiten zur Lösung dieses Problems offen. Auf dieser Grundlage bildet die Einheit aus dem Schutz der Umwelt und der Achtung der Menschenwürde den Kern einer Kultur der Solidarität, die ein zeitgemäßes Ethos angesichts der »modernen Sünden« darstellt. Unser Engagement für die Solidarität mit der Schöpfung und mit allen Menschen liegt in denselben kirchlichen und theologischen Prinzipien begründet. Wie wir mit Seiner Heiligkeit Papst Franziskus in unserer gemeinsamen Erklärung am 1. September 2017, dem »Weltgebetstag für die Schöpfung«, erklärt haben, sind ökologische und soziale Probleme miteinander verknüpft und müssen gemeinsam angegangen werden.

OTTMAR EDENHOFER
Der Kampf für die globalen Gemeinschaftsgüter

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Um die Atmosphäre vor einer Übernutzung zu schützen und so die globale Erwärmung zu begrenzen, bedarf es internationaler Kooperation. Grundlage dafür ist das Bewusstsein, dass es sich bei der Atmosphäre sowie Ozeanen und Wäldern als Kohlendioxid-Senken um globale Gemeinschaftsgüter handelt. Sie sollten daher als solche anerkannt werden – so fordert es auch der Papst in seiner Umweltenzyklika Laudato Si. Das wirksamste Instrument der Klimapolitik sind ausreichend hohe, auf internationaler Ebene abgestimmte CO2-Preise. Sie bewahren die Ärmsten nicht nur vor den Folgen des gefährlichen Klimawandels, sondern schaffen zugleich dringend benötigte Einnahmen für die Bekämpfung von Armut – etwa durch öffentliche Investitionen in die Infrastruktur.

DIANNE BERGANT CSA
Imago Dei: Bild oder Gott?

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Im Laufe der Jahrhunderte ist die biblische Metapher der Imago Dei (des Bildes Gottes) in verschiedener Weise verstanden worden. In Laudato Si’ betont Papst Franziskus, dass der Anthropozentrismus, der zahlreiche dieser Deutungen kennzeichnet, die autonome und unbegrenzte Kontrolle über die übrige Natur proklamieren, »despotisch, fehlgeleitet oder maßlos« ist. In einer Linie mit dieser Position wird in diesem Beitrag versucht, die Imago Dei, wie sie in der ersten Schöpfungserzählung der Genesis anzutreffen ist, vor dem Hintergrund der altisraelitischen Tradition des Königtums zu verstehen. In dieser Tradition wird königliche Herrschaft als stellvertretende und begrenzte Verantwortung für die Welt in Verbindung mit einer Rechenschaftspflicht gegenüber Gott angesehen. Das Menschenpaar ist ein »Bild« Gottes, ohne jedoch selbst göttliche Züge zu tragen.

Lesen Sie diesen vollständigen, ungekürzten BeitragLEONARDO BOFF UND MARK HATHAWAY
Ökologie und die Theologie der Natur

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Die Gefahr des Ökozids ist eine ethische Herausforderung, die die Menschen dazu aufruft, unsere Beziehung zur Natur zu überdenken, die göttliche Weisheit, die sich in der Schöpfung zeigt, wahrzunehmen und zusammen mit den anderen Lebewesen schöpferisch zu handeln. Dieser Artikel geht der Frage nach, auf welche Weise Gott in der Schöpfung gegenwärtig ist, und er verbindet Jesu Verkündigung des Gottesreichs mit der göttlichen Weisheit in der Schöpfung. Neuere Erkenntnisse der postmodernen Wissenschaften werden herangezogen, um die beherrschenden Themen und die grundlegende Intentionalität, die sich im werdenden Kosmos entfalten, besser zu verstehen. Zuletzt wird angedeutet, dass die Menschen selbst ökologische Weisheit entwickeln können, wenn sie sich für die Alterität anderer Lebewesen öffnen und respektvoll und kreativ mit ihnen zusammenarbeiten, um Heilung, Regeneration und integrale Befreiung der Erdgemeinschaft zu erlangen.

CELIA DEANE-DRUMMOND
Natur, Sophia und Geist. Eine Interpretation der Schöpfung und Neuschöpfung unter dem Aspekt der Weisheit von Kreuz und Auferstehung

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Dieser Beitrag befasst sich mit dem aus Sicht der Naturwissenschaften gegenwärtig fragilen Zustand der Natur und setzt diesen in Beziehung zu theologischen Vorstellungen von Weisheit, Sophia, die in antiken wie zeitgenössischen Schriften als Mittlerin zwischen der göttlichen Sophia und der kreatürlichen Sophia oder, auf Hebräisch, Chokmah verstanden wird. Als Eigenschaft aller drei Personen der Dreifaltigkeit eröffnet die göttliche Sophia eine Möglichkeit, die Zukunft der Schöpfung auf eine Weise zu betrachten und die Hoffnung auf eine Weise zu deuten, die vom Kreuz und von der Auferstehung Jesu, der Weisheit Gottes, ausgeht.

LUIZ CARLOS SUSIN
Franziskus von Assisi – Sine proprium und Bruder der Geschöpfe

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Der heilige Franziskus von Assisi ist aus Gründen, die sich konsequent aus dem Evangelium ergeben, Patron der Umweltschützer und Beschützer der Tiere. Wenn man dies von romantischen Gefühlen befreit, dann heißt das: Was bei ihm eine geschwisterliche Beziehung zu den Tieren und allen Geschöpfen möglich machte, war nicht, wie seine Biografen nahelegen, der hierarchisch orientierte Gehorsam des wiedererlangten Paradieses, sondern die radikale Enteignung und Verfügbarkeit für die Geschwisterlichkeit ohne Hierarchien. Davon zeugen seine eigenen Schriften.

ROBERTO TOMICHÁ CHARUPÁ
Das ökologisch-nomadische Zusammenleben der amerindischen Völker. Eine prophetische, symbolische und mystische Erzählung

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Die verschiedenen und unterschiedlichen Ursprungsvölker Abya Yalas haben seit Jahrtausenden in alltäglicher wechselseitiger Beziehung der Reziprozität und des voneinander Lernens gelebt. Ausgehend von einer tief empfundenen, gelebten Spiritualität, die in mythischen und rituellen, in stetem Wandel begriffenen Symbolen ihren Ausdruck findet, wie etwa der Mutter Erde, verstanden sie es, schwierige Situationen zu meistern und stets für das echte Leben in Fülle zu kämpfen. Es handelt sich um eine nomadische, gemeinschaftliche und resiliente Weisheit, welche die amerindische Ökotheologie wieder zur Geltung bringen und in Kategorien des Westens vermitteln will, um die theologische Vielfalt zu bereichern.

PAMPACKAL THOMAS MATHEW
Indigenes Wissen und ökologische Belange – eine Fallstudie aus Indien

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Überall in der Welt befinden sich Urbevölkerungen in einer kritischen Situation, weil sie zwischen einer Ideologie der Entwicklung und ihrer indigenen Weisheit zerrieben zu werden drohen. Der vorliegende Beitrag erforscht das Ringen einer Fischergemeinde an der südindischen Küste und stellt zentrale Elemente ihres indigenen Wissens und die Perspektiven heraus, die dieses Wissen der Gegenwartswelt in Zeiten der ökologischen Krise eröffnet.

WILFRED SUMANI SJ
Der Klimawandel und seine Folgen für die menschliche Existenz. Eine Perspektive aus dem globalen Süden

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Der Klimawandel hat ungünstige Auswirkungen auf die Existenzgrundlagen der Menschen im globalen Süden. Dürre, unregelmäßige Klimaschwankungen und Überschwemmungen führen zu niedrigen Erträgen in der Landwirtschaft, zu Todesopfern, Sachschäden und massiven Wanderungsbewegungen aus den besonders betroffenen Gebieten. Leider haben nur wenige Regierungen der Entwicklungsländer Maßnahmen getroffen, die den Menschen helfen, sich auf die klimatischen Veränderungen einzustellen. Die Entwicklungsländer brauchen einen zweistufigen Ansatz, um dem Klimawandel zu begegnen: Kurzfristig müssen Technologien eingesetzt werden, die den Menschen helfen, auf die konkreten Probleme des Klimawandels zu reagieren. Langfristig aber braucht es konzertierte Anstrengungen, um die Schöpfung wieder in den ursprünglichen »Zustand der Gnade« zurückzuversetzen, in dem sie sich befand, bevor anthropogene Eingriffe das Antlitz der Erde deformierten.

CLAUDIO HUMMES
Der Schutz des Amazonasgebietes und seiner ursprünglichen Völker

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Dieser Beitrag widmet sich dem Schutz des Amazonasgebietes und seiner Ureinwohner als einer großen Herausforderung unserer Epoche und unserer Zeit. Der Autor stellt eine enge Verbindung her zwischen der gegenwärtigen Krise, deren Ausdruck der Klimawandel und die Zerstörung von Ökosystemen weltweit, insbesondere der Artenvielfalt, ist, und dem schon lange bestehenden historischen Problem der Behauptung und Verteidigung der grundlegenden Menschenrechte der überlebenden ursprünglichen Völker des Amazonasgebietes.

FR. EDWARD OBI MSP
Bergbau und Ressourcengewinnung in Nigeria: Soziale Gerechtigkeit und unternehmerische Verantwortung

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Die christliche Verteidigung von menschlicher Entwicklung und sozialer Gerechtigkeit wird von den Werten des Evangeliums getrieben. In Nigeria erfordert die Arbeit für den Frieden Vorstellungs- und Widerstandskraft sowie Vertrauen, wie die Arbeit des bischöflichen Forums und anderer christlicher Nichtregierungsorganisationen beweist.

ISIS IBRAHIM
Sorge tragen für das gemeinsame Haus. Eine Tagungsreihe zur Schöpfungstheologie aus interkultureller und interreligiöser Perspektive

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Die religiösen Vorstellungen der Menschen im heterogenen Kulturraum Lateinamerikas sind durch autochthone wie auch durch importierte Kosmologien geprägt. Die schöpfungstheologischen Perspektiven der indigenen, afrolateinamerikanischen, jüdischen und christlichen Traditionen dieses Kontinents, die auf einem Symposion in Salta, Argentinien, vorgestellt wurden, werden in diesem Beitrag zueinander in Beziehung gesetzt. Dabei wird deutlich, dass die Heilsuniversalität des Schöpfungsglaubens sich in konkreten lokalen Kontexten manifestiert bzw. sich immer wieder in solchen verortet. In ökologischer Hinsicht bietet insbesondere die indigene Spiritualität der Andenregion Ressourcen zur Bereicherung eines postkolonialen Christentums, welches mit anderen kulturellen und religiösen Traditionen in einen synergetischen Prozess zur Bewahrung der Erde als Lebensraum zu treten sucht.

JUAN PABLO ESPINOSA ARCE
Für eine lebensfreundliche religiöse Pädagogik. Die Inspiration von Laudato Si’

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

Die ganzheitliche Ökologie, wie sie Papst Franziskus in Laudato siʼ darlegt, nimmt eine klare erzieherische Perspektive ein. Angesichts der aktuellen Herausforderungen ist es das Ziel dieses Beitrags, Perspektiven hinsichtlich dessen aufzuzeigen, wie sich eine lebensfreundliche religiöse Pädagogik selbst verstehen könnte, das heißt eine Pädagogik, die das Leben liebt und nachhaltige Beziehungen der Menschen untereinander und der Menschen mit der Schöpfung fördert. Die Erziehung, die das Evangelium vermittelt und das Antlitz des Schöpfergottes erkennen lässt, wird es in letzter Instanz möglich machen, eine neue Rationalität und eine menschlichere, der Vielfalt der Schöpfung gegenüber respektvollere Logik zu denken.

FELIX PRINZ ZU LÖWENSTEIN
Die globale Ernährung und Laudato Si’

Kurzbeschreibung dieses Beitrags

In seiner Enzyklika „Laudato Si“ geht es Papst Franziskus um die natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen und um den Eigenwert der Schöpfung, sowie um die Art, wie wir von ihr für unsere Bedürfnisse Gebrauch machen. Die Landwirtschaft erzeugt zwar unser täglich Brot, tut dies aber zunehmend zulasten ihrer eigenen Produktionsgrundlagen. Die Ursache dafür, dass wir das „Gemeinsame Haus“ aller Menschen unbewohnbar machen, sind Gier und Verantwortungslosigkeit, aber auch, dass unsere Volkswirtschaften demjenigen die größten wirtschaftlichen Chancen einräumen, der den größten Teil seiner Produktionskosten auf die Umwelt, die Armen und die Lebenschancen künftiger Generationen ablädt. Offensichtlich sind die Mechanismen des Marktes nicht in der Lage, für einen gerechten Umgang mit Allgemeingütern zu sorgen. Zunehmend wird die entscheidende Größenordnung diese Kostenexternalisierung sichtbar. Der Papst fordert Konsequenzen ein. Wir müssen mit Hilfe der Erfahrung der Menschen und der Kreativität der Wissenschaft nachhaltige, ökologisch verträgliche Produktionsmethoden entwickeln und anwenden. Aber wir müssen auch unseren Lebensstil so gestalten, dass die Ressourcen der Erde gerecht verwendet werden.

THEOLOGISCHES FORUM
LINDA HOGAN
Brücken für die Zukunft bauen: Sarajevo 2018
 
REZENSIONEN
Leonardo Boff/Mark Hathaway: Befreite Schöpfung. Kosmologie – Ökologie – Spiritualität
Andreas Benk: Schöpfung – eine Vision von Gerechtigkeit. Was niemals war, doch möglich ist

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