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Zu diesem Heft DOI: Doi 10.14623/con.2018.4.357-360
Thierry-Marie Courau / Stefanie Knauss / Enrico Galavotti
Kirche der Zukunft
Über die Veränderung der Kirche nachzudenken, damit diese ihrer Sendung immer besser entsprechen kann, ist eine Tätigkeit, die aus der Wesensverfassung der Kirche selbst hervorgeht. Am Ende des letzten Konzils betrachtete Karl Rahner dies als eine Pflicht und eine Chance gleichermaßen. Unsere Gegenwart ist von einer tiefen, weltweiten kulturellen Krise gezeichnet, in der es darum geht, die aktuellen technischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erschütterungen, die Rufe nach neuen Strukturen der Machtausübung und der Teilhabe an den Entscheidungen, die mit der Globalisierung, der Verteilung der Ressourcen, der Umwelt usw. verbundenen Bewegungen der Bevölkerung klar erkennen zu lernen. Die Kirche selbst kann sich nicht darauf beschränken, sich weiter als ein starres, auf endgültige Weise feststehendes System zu reproduzieren. Sie muss unablässig in dem, der sie begründet, und im Gespräch mit den Welten, denen sie sich verdankt, die Mittel ihrer Erneuerung zu finden versuchen, um ihrer Aufgabe gerecht zu werden, universales Heilssakrament zu sein.

Dieses Heft umfasst vier Themenkreise: 1. Warum und wie kann man die Frage nach der Kirche der Zukunft stellen? 2. Wie fassen die Kontinente des »Südens« diese Frage auf? 3. Welche bedeutenden Themenfelder gibt es, von denen her die Zukunft bedacht werden muss? 4. Auf der Suche nach einem Schlussstein. Diese Reflexion hat keineswegs den Anspruch, erschöpfend zu sein oder den Bau zum Abschluss zu bringen. Sie stellt eine Skizze und eine Einladung dar, in aller Freiheit darüber hinauszugehen.

Die ersten beiden Beiträge versuchen, den Rahmen des Nachdenkens über die Kirche der Zukunft auf einer theologischen sowie auch auf einer historischen und soziologischen Ebene abzustecken. Christoph Theobald, Professor für Fundamentaltheologie und Dogmatik an den Jesuitenfakultäten in Paris, leitet dieses Heft ein, indem er nach der Legitimität fragt, die zukünftige Gestalt der Kirche entwerfen zu wollen. Er gibt eine Antwort auf diese Frage und begibt sich auf die Spur des Zweiten Vatikanischen Konzils. Auf diese Weise zeigt er einen Weg auf, auf dem sich ein Prozess der Bekehrung der Kirche in vier Momenten abzeichnet, wobei der Heilige Geist der Hauptakteur ist. So werden die theologischen Kriterien deutlich, die auf weltweiter Ebene damit einhergehen müssen: die Pastoralität, die Reform am Maßstab des Evangeliums, der ökumenische und missionarische Charakter, die charismatischen und hierarchischen Gaben, deren Bezugsrahmen das Hören auf die Gläubigen ist.

Der Kirchenhistoriker Massimo Faggioli, Professor an der Universität Villanova (Philadelphia, USA), führt ausgehend von den vom Zweiten Vatikanischen Konzil und in letzter Zeit von Papst Franziskus gesetzten ersten Schritten eine historisch-soziologische Analyse der Tendenzen durch, die für die Kirche der Zukunft bedeutsam sein können. Er fragt nach dem, was unsere Zeit bewegt, und nach dessen möglicher Bedeutung für einen Übergang, und zwar ausgehend von der Vielfalt der Kulturen, der für Welt und Kirche tragischen Ereignisse, des gesellschaftlichen Verfalls, der Abkehr von den Institutionen, der Frage nach dem Weiheamt, nach der Rolle der Frau, der Volkskultur und der neo-traditionalistischen Reaktion.

Ein zweiter Schwerpunkt wendet sich der Aufgabe zu, einige Schnittstellen aus der Perspektive der drei Kontinente des sogenannten »Südens« aus (Asien, Lateinamerika, Afrika) genauer in den Blick zu nehmen. Der philippinische Soziologe und junge Forscher an der Universität Ateneo in Manila (Philippinen), Jayeel Cornelio, geht von der Betrachtung der Kirche als eines weltweiten Phänomens aus. Er zeigt zunächst, dass die landläufige Behauptung, das neue Zentrum der Kirche liege im »Süden« des Planeten, differenzierter zu betrachten ist. Dann legt er den Akzent auf zwei Herausforderungen: auf die junge Generation und auf die Ungleichheiten, die einen starken Einfluss auf die aktuelle Situation und die Zukunft des Planeten haben. Die Art und Weise, wie die Kirche darauf antwortet, wird die Gestalt, die sie annehmen wird, zutiefst bestimmen.

Virginia Azcuy, Theologieprofessorin an der katholischen Universität von Buenos Aires (Argentinien) mit Forschungstätigkeit an der katholischen Universität Chiles, entschließt sich dazu, ihren Ausgangspunkt beim aktuellen, komplexen und ambivalenten Zustand der Kirche zu nehmen, um ein Bild ihrer Zukunft zu entwerfen. Sie betont die die Institution prägende Spannung zwischen dem, was sie verwirklichen kann, und ihrer Sehnsucht, zu ihren Fülle zu gelangen. Dies verlangt ihr die Konfrontation mit dem Scheitern und ihren Grenze ab. Um die Eigenschaften der Kirche der Zukunft genauer ins Auge zu fassen, schlägt die Wissenschaftlerin vor, eine praktische Ekklesiologie ausgehend von vier Herausforderungen zu entwerfen: der geringen Glaubwürdigkeit, der klerikalen Verzerrungen, der männlichen Vorurteile und der spirituellen Verweltlichung.

Der nigerianische Experte für afrikanischen Katholizismus und Professor an der Universität De Paul (Chicago, USA), Stan Chu Ilo, denkt über die Kirche der Zukunft in Afrika im Lichte der Ekklesiologie von Papst Franziskus nach. Er fragt nach einem weltweiten Katholizismus, in welchem die afrikanischen Kirchen eine bedeutende Rolle hinsichtlich der Herausbildung der Identität und der Sendung der Weltkirche zu spielen beginnen. Er legt die theologischen Grundlagen für eine Marschroute der Kirche Afrikas, die sich als eine arme und barmherzige Kirche engagieren wird müssen, um die tragischen und unakzeptablen Geschichtsverläufe des Kontinents in eschatologische Früchte des Reiches Gottes zu verwandeln.

Nach den geografischen Blickwinkeln, in denen die Theologie auf die Soziologie trifft, fasst ein dritter Themenkreis die Problematik der Kirche der Zukunft ausgehend von unterschiedlichen Disziplinen ins Auge. Mike van Treek Nilsson, ein junger chilenischer Bibelwissenschaftler, fragt, was die Bibel zum Leben der Gesellschaften und zu einer Erneuerung der Kirche beitragen kann, wenn man sich ihr mittels einer Exegese nähert, die sich ihrer symbolischen Einbildungskraft bewusst ist. Ein weisheitlicher, literarischer und humanistischer Zugang zur Bibel ermöglicht es, das biblische Material zu erschließen und es mit anderen Erfahrungen Gottes zu konfrontieren, Gespräche mit anderen Universen zu beginnen. Dabei geht es darum, im Interesse der Vertiefung menschlicher Begegnungen und der Anerkennung des Handelns Gottes in ihnen jegliche Art von Fundamentalismus und einer Instrumentalisierung der Bibel zu vermeiden.

Die italienische Theologin Serena Noceti, eine Spezialistin für Ekklesiologie und Katechese, versucht herauszuarbeiten, wie sehr es in einer Zeit des Aufbruchs einer eurozentrischen Kirche, der sich Papst Franziskus verdankt, notwendig und möglich ist, strukturelle Veränderungen der Kirche zu denken. Es geht darum, die Rollen und Funktionen, die Machtpositionen und die Ausübung der Macht, die innerkirchlichen Kommunikationsmodelle neu zu bestimmen. Prophetische Initiativen in Teil- und Ortskirchen können Experimente ermöglichen, von denen die Weltkirche in ihrer Sendung, das Evangelium zu verkünden und dabei das kulturelle Empfinden völlig zu respektieren, profitieren kann.

Die Frage der Digitalisierung ist für das missionarische Handeln der Kirche der Zukunft von ganz besonderem Interesse. Daniella Zsupan-Jerome, Professorin für Liturgiewissenschaften und Pastoraltheologie in New Orleans (USA), plädiert für eine proaktive Präsenz der Kirche in der Welt der digitalen Kommunikationstechnologien und in der von ihnen geschaffenen Kultur. Dies macht es erforderlich, drei damit zusammenhängenden soziokulturellen Aspekten besondere Aufmerksamkeit zu schenken: dem Vertrauen, der Möglichkeit echter Begegnung, der völlig auf den Kopf gestellten Begriffe von Autorität. Sie betont im Hinblick auf diese drei Dimensionen das Wirken des Heiligen Geistes und versucht auf diese Weise pneumatologische Grundlagen zu erarbeiten, um eine Kirche zu denken, die gern und in prophetischer Weise innerhalb dieser digitalen Kultur vom Evangelium Zeugnis gibt.

Schließlich bildet Thierry-Marie Courau1 aus all den Elementen dieser Reflexion und als Antwort darauf den Schlussstein. Er schlägt vor, dass ein entscheidendes Element den Geist und die Reform der Kirche durchdringen muss, um sie für die Anforderungen der Zukunft bereitzumachen: das des Zuhörens, das sich im Handeln entfaltet. So wie der Dia-log muss auch dieser Begriff das Vokabular und die Lehren der Theologie zusammenfassend in sich vereinen und zum Gegenstand spezieller theologischer Forschung werden, denn es geht um nichts weniger als eine Frage der Möglichkeit der Verwirklichung des Heils innerhalb des konkreten, alltäglichen Lebens von Einzelnen und Gemeinschaften, das die Gesellschaften zu verändern in der Lage ist. Es verwirklicht sich – und hierzu lädt die Theologie des Volkes von Papst Franziskus ein – mittels der Augen und der Ohren der Ärmsten und versetzt die Kirche auf diese Weise in die Lage, unter dem Antrieb des Geistes die metanoia zu vollziehen.

Das Theologische Forum dieses Heftes widmet sich der Rolle der Theologie bei der Jahresversammlung der American Academy of Religion (USA), einer Reflexion über theologische Publikationen in Westeuropa und dem fünfzigjährigen Jubiläum von Humanae vitae.

Aus dem Französischen übersetzt von Bruno Kern

Anmerkungen

1 Thierry-Marie Courau ist Theologieprofessor am Institut Catholique in Paris und wurde vor Kurzem zum Präsidenten des Herausgeberkreises unserer Zeitschrift gewählt. Er folgt damit dem indischen Theologen Felix Wilfred nach, der dieses Amt mit großer Klugheit, Klarsicht und Großzügigkeit mehr als elf Jahre lang ausgeübt hat. Ihm sei dafür wärmstens gedankt.

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