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Zu diesem Heft DOI: 10.14623/con.2018.3.237-239
Carlos Mendoza-Álvarez / Po-Ho Huang
Weisheit der Völker – Theologie des Volkes
Vor mehr als einem halben Jahrhundert leitete das Zweite Vatikanische Konzil einen ungeheuren pastoralen Wandel ein, und dieser hatte bedeutsame erkenntnistheoretische Folgen für das Selbstverständnis der gesamten Kirche. Es handelte sich um eine Aktualisierung (aggiornamento), die in den Ortskirchen für einen Prozess des Hörens auf die Zeichen der Zeit warb, um die Spuren Gottes in der Geschichte genauer auszumachen, verbunden mit dem Ziel der Inkulturation des Wortes Gottes, ohne die dieser Prozess nicht möglich wäre. Damit wurde auch die bedeutende Rolle anerkannt, die christliche Gemeinden an den Peripherien der Welt spielen. Insgesamt war es ein umfassendes Projekt der kirchlichen Erneuerung – einige nennen es Reform –, das noch nicht abgeschlossen ist.

Inspiriert von der Vision der zentralen Bedeutung des Volkes Gottes in Lumen Gentium sowie vom prophetischen Impuls in Gaudium et Spes – den innovativen Konstitutionen eines neuen Kirchenverständnisses – begann die römisch-katholische Kirche tatsächlich den Dialog mit anderen Kulturen, Denkarten und Lebensweisen. Und sie versuchte, über das koloniale Selbstverständnis des Christentums hinauszukommen, das mit seinem apologetischen Einschlag die Kirche seit der Moderne (von der Bewegung der Gegenreformation im 16. Jahrhundert bis zur Modernismuskrise im 19. Jahrhundert) bestimmt hatte.

Infolgedessen berücksichtigten die Kirchen in Lateinamerika, Asien und Afrika auch zunehmend die Weisheit der Völker. Diese Weisheit ist nicht nur als ein Same des Wortes zu verstehen, sondern kann zu einer echten mystagogischen Erfahrung werden, die die göttliche Offenbarung fruchtbar und kreativ empfängt und neue Bedeutungen der Radikalität des Jesus von Nazaret entdeckt, der von der Kirche als Messias und Sohn Gottes bekannt wird. Auf dem fruchtbaren Feld des kulturellen Pluralismus, der als unabdingbares Postulat zur Erlangung der Universalität des christlichen Glaubens anerkannt wurde, war deshalb die Einsicht in die kontextuelle Bedingtheit aller Theologie (auch der europäischen, die damit aufhörte, eine hegemoniale Theologie von höherem Rang zu sein) ein wesentlicher Schritt hin zur Reife der Katholizität des Glaubens an den Gott des Lebens und an den Vorrang des Reiches Gottes, das der Nazarener angekündigt und der Heilige Geist, der die neue Schöpfung belebt, vollendet hat.

Die Volkstheologien, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufblühten – von der Theologie der Befreiung in Lateinamerika und der Karibik bis hin zur Dalit-Theologie in Indien und zahlreichen anderen Ansätzen, die die Armen dieser Welt in den Mittelpunkt stellten –, stehen nun vor der Herausforderung, einander gegenseitig anzuerkennen in ihrer Option für die Ausgeschlossenen und die Opfer der weltweiten Gewalt. Aber diese Theologien müssen auch ihre Unterschiede hinsichtlich ihrer Gesprächspartner, ihrer theoretischen Vermittlungen und soziokulturellen, politischen und pastoralen Optionen thematisieren, die sich im Leben der christlichen Gruppen beim Kampf gegen Leiden, Gewalt und geschichtliche Übel in unserer Zeit manifestieren.

Dieses Heft von CONCILIUM widmet sich – getreu dem Geist dieser Zeitschrift, die ja aus dem konziliaren Geist hervorgegangen ist – dem Hören auf die Stimmen der Weisheit und auf die Theologien des Volkes, die sich im globalen Dorf zu Wort melden. Diese Theologien sind geboren in Zeiten der Unsicherheit aufgrund der zunehmenden Gewalt, die vom globalisierten Kapitalismus hervorgerufen wird, unter – äußerer und innerer – Mittäterschaft von Patriarchat und Kolonialismus, basierend auf einem sakrifiziellen Verständnis von Geschichte. Gerade Letzteres macht den Wegwerfcharakter der Welt für die Logik der Effizienz und des Pragmatismus unsichtbar, weshalb sie ihr Leben zugunsten von Fortschritt und Wohlstand opfern. Doch die Theologien, die vor allem aus der Hoffnung der Völker inmitten so vieler Schmerzen geboren werden, werden zu wahren prophetischen Akten des Widerstands gegen die Sünde der Welt. Und sie werden zu Akten der eschatologischen Vorstellungskraft, die aus den Wunden des Gekreuzigten und denen der gekreuzigten Völker dieser Welt erwächst.

Die Überlegungen von Serena Noceti, Nancy Pineda-Madrid, Cesar Kuzma und Luiz Carlos Susin zeigen uns das neue theologische Panorama dessen, was heute unter den »Armen« verstanden wird. Hier hat sich fünfzig Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil viel getan, vor allem in der Zeit der kirchlichen Erneuerung während des Pontifikats von Papst Franziskus. Wo Menschen und christliche Gemeinden in der Gnade des gekreuzigten Auferstandenen leben, gewinnen wir neue Perspektiven auf die unterschiedlichen Gesichter der Exklusion.

Die theologischen Reflexionen von Michael Amaladoss, Rafael Luciani, Wati Lonchar und Margot Bremer geben uns inspirierende Einblicke in die Auseinandersetzung mit Menschen, die aus indigenen oder urbanen Kosmovisionen und einem entsprechenden soziokulturellen Ethos leben. Mit anderen Worten: Diese Reflexionen kommen von den Rändern der Herrschaftsgeschichte; sie begreifen Verletzbarkeit und Machtlosigkeit als theologische Orte, die alle Versuche der Beherrschung und Opferung der Schwachen untergraben.

Konkret kommen diese Weisheit und Theologien des Volkes, die hier beschrieben werden, in drei Zeugnissen christlicher Gruppen zum Ausdruck, die »gemeinsam mit den Opfern der weltweiten Gewalt unterwegs sind«. Sie sind in dieser Ausgabe im Theologischen Forum zu finden. Karl Gaspar beschreibt den Fall der Filipinos, denen ihr Land geraubt wurde; der lutherische Bischof Dave Brauer-Rieke schreibt über die Lage der Einwanderer in den Vereinigten Staaten, und Marlene Perera berichtet von den Opfern ideologischer Gewalt auf Sri Lanka und den Bemühungen zum Wiederaufbau von Interessensgemeinschaften.

Die Weisheiten und Theologien des Volkes stehen im Mittelpunkt des kirchlichen Lebens, und zugleich sind sie ein Herzstück der kritischen Reflexion in Zeiten weltweiter Gewalt. Wir hoffen, dass diese Beiträge aus der pastoralen Praxis und aus der kritischen Reflexion für das christlich-theologische Denken auf den verschiedenen Breitengraden der Erde eine Quelle der Innovation sein können. Es erscheint uns dringend geboten, die Gegenwart Gottes in der Geschichte als ein Geschenk universaler Liebe wahrzunehmen und neu über sie nachzudenken. Sie ruft uns eindringlich zu persönlicher und gemeinschaftlicher Umkehr und will uns dazu bewegen, uns an der gemeinsamen Mission des fleischgewordenen Wortes zu beteiligen, damit alle Menschen »das Leben haben und es in Fülle haben« (Joh 10,10).

Aus dem Englischen übersetzt von Norbert Reck

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