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Zu diesem Heft DOI: 10.14623/con.2018.2.129-135
Michelle Becka / Felix Wilfred / Mile Babić
Menschliche Sicherheit
»Menschliche Sicherheit« geht als Begriff und Konzept zurück auf den Bericht zur Menschlichen Entwicklung von 1994, der den Titel trägt »New Dimensions of Human Security«. Ziel dieses Berichts ist es, Sicherheit als Sicherheit von Menschen zu verstehen und nicht von Staaten und Hoheitsgebieten: »Zu lange wurde das Verständnis von Sicherheit geprägt durch das Potenzial für Konflikte zwischen einzelnen Staaten. Zu lange wurde Sicherheit mit Bedrohungen für Staatsgrenzen gleichgesetzt.

Zu lange verlangten Staaten nach Waffen, um ihre Sicherheit zu schützen. Heute [jedoch] entspringt ein Gefühl von Unsicherheit für die meisten Menschen eher aus Sorgen, die das tägliche Leben betreffen, als aus der Furcht vor einem katastrophischen Weltereignis. Arbeitsplatzsicherheit, Einkommenssicherheit, Gesundheitsschutz, Schutz vor Umweltkatastrophen und Schutz vor Kriminalität – das sind die herausragenden Anliegen menschlicher Sicherheit überall auf der Welt.« »Menschliche Sicherheit« stellt nicht Staaten, sondern Personen ins Zentrum und zielt auf deren persönliche Sicherheit und individuelle Freiheit: Sie erfordert Freiheit von Furcht (»fear«) und Freiheit von Mangel (»want«). Darin steckt die wichtige Erkenntnis, dass sowohl die Furcht vor Bedrohungen, Verlust oder einer ungewissen Zukunft das Sicherheitsempfinden von Menschen beeinflusst, als auch materielle Not – mit all ihren Begleiterscheinungen.

Menschliche Sicherheit im Sinne des Berichts zur menschlichen Entwicklung umfasst sieben Dimensionen: wirtschaftliche Sicherheit, Ernährungssicherheit, Gesundheit, persönliche Sicherheit (im Sinne des Schutzes vor Gewalt und anderen Bedrohungen), Umwelt (als Schutz vor Umweltkatastrophen und -bedrohungen, wie Mangel an Trinkwasser, Desertation etc.), Gemeinschaft (den Schutz in Gemeinschaften und von Gemeinschaften umfassend) und politische Sicherheit (vgl. ebd., 24–33). Sie erfordert Schutz und die Schaffung von Bedingungen, welche die Gestaltung von Freiheitsräumen und die Entfaltung von Fähigkeiten in diesen Bereichen ermöglichen. Sie kann zudem aufgrund von Interdependenzen und globalen Auswirkungen lokaler Praktiken nur global verstanden werden und bedarf entsprechender internationaler politischer Anstrengungen.

Innerhalb der Vereinten Nationen spielt das Konzept der menschlichen Sicherheit seit 1994 eine wichtige Rolle. 2001 wird eine Kommission für die menschliche Sicherheit gegründet. Empfehlungen zum Schutz vor den Bedrohungen menschlicher Sicherheit werden formuliert, die in weiteren Gremien und Arbeitsgruppen konkretisiert und fortentwickelt werden. Im Jahr 2012 erlässt die Generalversammlung eine Resolution (66/290) zur menschlichen Sicherheit:

»a) Das Recht der Menschen in Freiheit und Würde zu leben, frei von Armut und Verzweiflung. Alle Individuen, vor allem besonders verletzliche Menschen, haben das Recht auf ein Leben, das frei ist von Furcht und frei von Not, mit der gleichen Chance, in den Genuss ihrer Rechte zu kommen und ihr menschliches Potenzial zu entwickeln.« (Übersetzung M. B.)


Auf dieser Grundlage wird menschliche Sicherheit bestimmt als personzentrierter, umfassender, kontextspezifischer und präventionsorientierter Schutz und als Empowerment von Einzelnen und Gemeinschaften. Dabei erscheint menschliche Sicherheit unlösbar verknüpft mit Frieden, Entwicklung und Menschenrechten. Die Resolution unterstreicht die primäre Verantwortung der Staaten, die aber in eine Partnerschaft und Zusammenarbeit der internationalen Staatengemeinschaft eingebettet sein soll.

Eine Neubestimmung des Sicherheitsbegriffs, wie ihn die Vereinten Nationen vorgenommen haben, war sinnvoll und notwendig, weil sie der Vielfalt und Komplexität von Sicherheitsbedürfnissen und -bedrohungen Rechnung trägt und die Person ins Zentrum stellt. Und doch scheint der sinnvolle und innerhalb der UN prominente Begriff in der Realität wenig wirksam geworden zu sein.

Beinahe 25 Jahre nach Erscheinen des Berichts möchte dieses Heft das Thema wieder aufgreifen und im Kontext der Theologie neu akzentuieren und diskutieren. Ein erneutes Nachdenken über Sicherheit erscheint erforderlich, da sich die Welt und die Beurteilung von Sicherheit – nicht nur, aber auch in Folge des 11. Septembers 2001 – in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark verändert hat. Dazu gehört auch, dass eine Unsicherheit aus den Sorgen des täglichen Lebens und eine Unsicherheit aufgrund einer durch Katastrophen bestimmten Weltlage, wie sie im oben genannten Zitat aus dem UNDP-Bericht – begründet oder nicht – unterschieden wird, kaum mehr zu trennen sind. Das wiederum scheint heute vermehrt Staaten als Legitimation zu dienen, in Kategorien der nationalen Sicherheit zu denken. Angesichts echter und vermeintlicher Bedrohungen ist die Rede von Sicherheit omnipräsent, sie dient der vordergründigen Rechtfertigung der Beschränkung von Freiheitsrechten oder der Anwendung von Gewalt. Das allerdings kann nicht der richtige Weg sein. Dass es dennoch ein berechtigtes Bedürfnis nach Sicherheit gibt, ist kaum zu leugnen.

Sicherheit bleibt ein ambivalenter und weit interpretierbarer Begriff. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem, was menschliche Sicherheit ist oder sein sollte, ist daher notwendig.

Die in dieser Ausgabe vereinten Beiträge wählen sehr unterschiedliche Zugänge zum Thema, und sie verstehen »menschliche Sicherheit« auf verschiedene Weisen. Einige Beiträge setzen sich explizit mit dem Begriffskonzept der Vereinten Nationen auseinander – in befürwortender Weiterentwicklung oder kritischer Auseinandersetzung; andere reflektieren Sicherheit eher losgelöst davon. Bei aller fruchtbaren Differenz der Beiträge zeigt sich, dass gerade nicht eine Rückkehr zu einem Konzept nationaler oder militärischer Sicherheit notwendig ist, sondern im Gegenteil eine Weiterentwicklung, inhaltliche Füllung und Profilierung des Konzepts der menschlichen Sicherheit. Die Theologie trägt dazu maßgeblich bei, weil sie das UN-Konzept um wesentliche Perspektiven erweitert und inhaltlich fundiert. Die theologische Fundierung kann dabei, wie die Beiträge dieses Heftes zeigen, sehr unterschiedliche Aspekte hervorheben, die einander aber nicht widersprechen, sondern ein komplexes und damit angemesseneres Bild von Sicherheit zeichnen – und gleichzeitig das Versprechen absoluter Sicherheit als unhaltbar entlarven.

Regina Ammicht Quinn entfaltet die Komplexität des Begriffs der Sicherheit und hebt seine Ambivalenz hervor. Sie stellt eine Dominanz der Sicherheit in den Ländern des Nordens fest und kontrastiert sie mit dem Befund gleichzeitiger Entsicherung – als Verlust von Vertrauen einerseits und äußerst unsicheren Lebensbedingungen für einige andererseits. In dieser Situation wird oft eine absolute Sicherheit versprochen, und in dem Versprechen übersteigt der Wert der Sicherheit alles andere. Eine solche absolute Sicherheit ist jedoch weder wünschenswert noch realistisch; sie tendiert zudem zu einer ungerechten Sicherheit. Gegenüber der Verabsolutierung fordert Ammicht Quinn eine kluge Begrenzung von Sicherheit und führt einen Begriff von Sicherheit ein, der nicht Securitas ist, sondern Certitudo, »die uns als Verletzbare so sicher wie möglich hält.« Der Religion kommt darin eine besondere Kompetenz zu, da sie durch die Zusicherung eines grundlegenden Angenommenseins helfen kann, mit Verunsicherung umzugehen. [...]


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