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Leseprobe 3 DOI: 10.14623/con.2016.2.234-238
Julie Clague
Irische Familien stimmen für Ehegleichstellung
»Big Tent«-Katholizismus votiert gegen Roms enges Tor
»Oder ist einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet, oder eine Schlange, wenn er um einen Fisch bittet? […] Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.« (Mt 7, 9–10.12)

Am 22. Mai 2015 hat Irland als erstes Land der Welt per Volksreferendum die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert. 62,1 Prozent der Teilnehmer votierten zugunsten der 34. Änderung der irischen Verfassung, die folgendermaßen lautet: »Eine Ehe kann rechtmäßig von zwei Personen ohne Unterschied ihres Geschlechts geschlossen werden.« 37,9 Prozent stimmten dagegen.

Die Beteiligung war hoch: Beinahe zwei Millionen gaben ihre Stimme ab – das entspricht 60,5 Prozent aller Wahlberechtigten. Alle politischen Parteien sprachen sich zugunsten eines »Ja«-Votums aus und ernteten damit landesweit breite Unterstützung. Nur einer der 43 irischen Wahlbezirke stimmte nicht mit Ja. Die Gesetzesänderung wurde von allen Gesellschaftsgruppen, in städtischen ebenso wie in ländlichen Gebieten, von jüngeren und älteren Wählern und von Katholiken wie Nichtkatholiken befürwortet. Alle irischen Bürger haben nun das verfassungsmäßige Recht, zu heiraten und den besonderen Schutz zu genießen, den die Verfassung der Institution Ehe garantiert.

Da sich 84 Prozent der irischen Bevölkerung als Katholiken bezeichnen, kann das Referendum nicht als ein Sieg säkularer Werte betrachtet werden. Das Votum spiegelt zu einem großen Teil die Werte der irischen Katholiken wider, die mehrheitlich keinen Widerspruch zwischen ihrer katholischen Identität und der Unterstützung der gleichgeschlechtlichen Ehe sahen. Die irische Amtskirche hatte dazu aufgerufen, mit Nein zu stimmen. Dennoch war das Ergebnis des Referendums kein Votum gegen die katholische Kirche, sondern ein Votum für eine bestimmte Art von Kirche: eine Kirche der Inklusion und Zugehörigkeit; eine Kirche der offenen Türen, nicht der verschlossenen Herzen.3 Vor allem aber war es ein Votum von Familien für Familien, für die Inklusion von Schwulen und Lesben als voll akzeptierten und sichtbaren Mitgliedern ihrer Familien und als voll akzeptierten und sichtbaren Mitgliedern der irischen Nation. Mütter und Väter stimmten für ihre Kinder, Schwestern und Brüder für ihre Geschwister, Töchter und Söhne für ihre Eltern. Als das Ergebnis des Referendums bekanntgegeben wurde, gab es Szenen des Jubels in Dublins Straßen, und die Community kam zusammen, um zu feiern: Familien und Freunde trafen sich mit Lesben und Schwulen zu einer freudigen Kundgebung der Liebe, Unterstützung und Solidarität.

Das Prinzip der menschlichen Gleichheit und seine logische Folge, nämlich die soziale Inklusion, sind notwendige Voraussetzungen für das gerechte Funktionieren des gesellschaftlichen und politischen Lebens in liberalen Demokratien. In den vergangenen Jahrzehnten hat Irland ein politisches Projekt auf den Weg gebracht, um das Versprechen der Verfassung einzulösen, »die Würde und Freiheit des Einzelnen« zu fördern (Präambel), und um die darin formulierte Erklärung wahrzumachen, dass »alle Bürger als menschliche Personen vor dem Gesetz als gleich gelten sollen« (Artikel 40,1). Das Ehe-Referendum war ein Teil dieses Projekts. Im November 2015 ergab eine von der Republik Irland in Auftrag gegebene Umfrage, dass 67 Prozent der Erwachsenen sehr oder ziemlich gut damit umgehen könnten, wenn ein Familienmitglied eine Person desselben Geschlechts heiraten würde (21 Prozent gaben an, dass sie sehr oder ziemlich schlecht damit umgehen könnten), womit die hochgradige nationale Akzeptanz der Ehegleichstellung erwiesen war.

Das Gleichheitsprinzip spielte in der »Ja«-Kampagne und in der theologischen Sichtweise der darin engagierten Katholiken eine entscheidende Rolle. Die katholischen Unterstützer der »Ja«-Kampagne traten für eine »Big-Tent«-Nation und eine »Big Tent«-Kirche ein, die aufgrund der gleichen Würde aller die Vielfalt bejaht. Die irische Senatorin Katherine Zappone sagte, sie stimme für »eine Republik der Gleichen«. Zappone hatte 2004 gemeinsam mit ihrer Frau und Mittheologin Ann Louise Gilligan vor Gericht gegen die diskriminierende Behandlung gleichgeschlechtlicher Paare im irischen Gesetz geklagt und so dem Ehereferendum den Boden bereitet. Nach dem Votum fasste die ehemalige irische Präsidentin Mary McAleese, die die Kampagne unterstützt hatte, um ihrem schwulen Sohn das Recht auf Heirat zu erkämpfen, das Ergebnis folgendermaßen zusammen: »Wir sprechen in Irland nicht mehr über die gleichgeschlechtliche Ehe. Wir sprechen einfach über die Ehe unserer Bürger.«

Die »Ja«-Kampagne hatte Erfolg, weil Irlands Verständnis von Gleichheit kein abstraktes Ideal, sondern eine auf Erfahrung gründende, erprobte und bewährte Praxis ist. Geschlechtergleichheit ist in Irland beispielsweise unstrittig. Frauen spielen im gesellschaftlichen und politischen Leben eine vollkommen gleichberechtigte Rolle. Die gesellschaftliche Akzeptanz der Homosexualität ist in den vergangenen Jahren breiter geworden. 1993 wurde gelebte Homosexualität entkriminalisiert, und 2010 wurden zivile Partnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare eingeführt. Dieser Wandel von gesellschaftlicher Intoleranz zu gesellschaftlicher Akzeptanz der Homosexualität wurde durch die zunehmende Normalisierung und die größere Sichtbarkeit von Schwulen und Lesben im irischen Leben ermöglicht. Irland stellte fest, dass Gleichheit in der Praxis funktioniert: Sie erschüttert die gesellschaftliche Ordnung nicht etwa, sondern schafft im Gegenteil Zusammenhalt.

»Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit und viele gehen auf ihm. Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dahin ist schmal und nur wenige finden ihn.« (Mt 7,13f) [...]


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