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Leseprobe 2 DOI: 10.14623/con.2016.2.222-233
Darlene Fozard Weaver
Wasser ist dicker als Blut
Adoptivfamilien und die katholische Tradition
Die katholische Kirche hat eine bedeutende – wenn auch nicht makellose – Rolle darin gespielt, die Fürsorge für Waisen und andere verwundbare Kinder zu ermöglichen. Dennoch sagen die katholischen Dokumente zur Familie sehr wenig über Adoption und Adoptivfamilien. Eine solche Nichtbeachtung ist erstaunlich, da die Adoption ein wichtiges Motiv des christlichen Selbstverständnisses und der kirchlichen Gemeinschaft bildet. Der theologische Stellenwert der Adoptivfamilien wird weitgehend nicht gewürdigt. Dieses relative Schweigen untergräbt zudem die Ermahnungen vonseiten der katholischen Kirche, sich um die Waisen und verwundbare Kinder zu kümmern, und verdunkelt wichtige Fragen der sozialen Gerechtigkeit rund um die Adoption. Die Erfahrung der Adoptivfamilien stellt eine lebendige theologische, auf das Evangelium verweisende und moralische Ressource für die Kirche dar.

Adoption im größeren Zusammenhang

Im Jahr 2009 hat die Abteilung für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten des Sekretariats der Vereinten Nationen einen ersten Bericht zu dieser Frage vorbereitet und weltweit Daten zur Adoption zusammengetragen. Dem Bericht zufolge sind jedes Jahr weltweit 260.000 Adoptionen zu verzeichnen. Adoption ist relativ selten und betrifft »weniger als zwölf Kinder von 100.000 Menschen unter achtzehn Jahren« (XV). Fast die Hälfte dieser Adoptionen findet in den USA statt. Hier ist eines von 35 Kindern adoptiert. Auch China, Russland, Deutschland und Italien haben eine erhebliche Anzahl von Adoptionen zu verzeichnen (XV). Die Anforderungen, die Vorgehensweise, die Rechte und Privilegien sind je nach Land unterschiedlich.

Etwa 85 Prozent der Adoptionen weltweit finden innerhalb des Landes statt, aus dem das betroffene Kind stammt (XVI). In Ländern wie Kroatien, Portugal und Großbritannien finden mehr als 90 Prozent der Adoptionen im Herkunftsland des Kindes statt (70). Die meisten dieser Adoptionen sind Adoptionen von Stiefkindern oder innerhalb der Großfamilie (XVII). Bei Adoptionen durch Fremde gibt es bedeutende Unterschiede bezüglich des Angleichungsprozesses und der Konstellation nach der eigentlichen Adoption (XVII). In den USA ist die Adoption üblicherweise »geschlossen«, das heißt, die leiblichen und die Adoptiveltern geben jeweils keine Auskunft zu ihrer Identität, und manchmal wird dem Kind verheimlicht, dass es adoptiert ist. Zeitweilige Adoptionen sind dagegen eher »offen«. Die leiblichen Eltern können die Adoptiveltern auswählen, und man kann einander Teilinformationen oder vollständige Informationen zur Identität geben. Der Kontakt nach erfolgter Adoption kann in Form eines Briefwechsels, des Austauschs von Fotos oder wechselseitiger Besuche erfolgen. Adoptionen im eigenen Land können privat erfolgen und dann von entsprechenden Agenturen oder Anwälten vermittelt werden. Hierfür gibt es unterschiedliche Gebühren und Prozeduren, und es ist unterschiedlich, welche Kinder hierfür infrage kommen. Private Adoptionen sind teurer, und allgemein geht es hierbei um das, was man sich unter Wunschkindern vorstellt. Sie sollen insbesondere gesund und von weißer Hautfarbe sein.

Adoptionen von Kindern aus einem anderen Ursprungsland haben seit den Neunzigerjahren zugenommen (XVII). Hierbei ist es weitaus weniger wahrscheinlich, dass die Adoptiveltern und die leiblichen Eltern einander kennen. Einige Länder sind deutlich eher Ursprungsländer von Adoptivkindern, und andere hingegen – insbesondere die USA – firmieren klar als Zielländer für adoptierte Kinder (75–77). Dieses Verhältnis von Angebot und Nachfrage kann Missbrauch einschließlich Betrug und Gewalt fördern. Die Haager Konvention des Jahres 1995 zum Schutz der Kinder und zur Zusammenarbeit bei länderübergreifenden Adoptionen behält Adoptionen Staatsbürgern des Bestimmungslandes vor.

Eine unzulängliche Datenlage und mangelhafte Grundlagen für den kulturellen Vergleich beeinträchtigen unser Verständnis der sozialen Faktoren, die für eine Adoption ausschlaggebend sind (XV). Viele Faktoren betreffen die Demografie und die reale Erfahrung der Adoption wie etwa die Fruchtbarkeitsrate, die Rate von Eheschließungen, Scheidungen und Wiederverheiratung, eine Politik, die auf die Wiedervereinigung der biologischen Familien abzielt, Menschenhandel, Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und die Auswahl des Geschlechts, HIV bzw. Aids, Gesetze, die die Rechte der Eltern regeln, kulturelle Grundhaltungen hinsichtlich unehelicher Kinder, Blutsverwandtschaft, nichttraditioneller Familienstrukturen und Eheschließungen über ethnische sowie kulturelle Grenzen hinweg, die Einstellung zu Behinderungen, die Stigmatisierung von Pflegekindern, unterstützende Strukturen für alleinerziehende Eltern.

Resultate von Adoptionen

Die Resultate von Adoptionen sind im Allgemeinen gut, wobei die entsprechende Forschung durch bedeutende abweichende Faktoren bezüglich der Adoptivfamilien erschwert wird. Einige sozialwissenschaftliche Studien weisen auf für Adoptivkinder schlechtere Ergebnisse hin, eine bedeutende Anzahl von Studien belegt das Gegenteil. Eine Studie aus den USA machte deutlich, dass es Adoptivkindern typischerweise genauso gut geht wie Kindern, die von ihren leiblichen Eltern großgezogen wurden. Dem Überblick zufolge ist das Gelingen einer Adoption von Faktoren abhängig wie dem Alter des Kindes bei der Adoption (das heißt, bei Adoptionen zu einem früheren Zeitpunkt wird ein besseres Ergebnis erzielt) und Traumatisierungen vor der Adoption.

Einige adoptierte Kinder – keineswegs aber alle – wollen um ihre biologischen Familien wissen und mit ihnen Kontakt aufnehmen. Diese Sehnsucht hat nichts mit der Unzufriedenheit mit den Adoptiveltern oder dem neuen Zuhause zu tun. Studien machen deutlich, dass Adoptiveltern eine höhere Zufriedenheit mit ihrer Elternschaft und in der Ehe aufweisen als leibliche Eltern. Es gibt wenige Untersuchungen zu den Folgen für die leiblichen Eltern. In gewisser Hinsicht geht es den leiblichen Eltern ebenso gut wie Eltern, die ihre Kinder nicht hergeben. Doch die Trauer aufgrund der Tatsache, die Kinder weggegeben zu haben, kann andauern. Offene oder halboffene Adoptionsbeziehungen scheinen den leiblichen Eltern emotional und psychologisch zu helfen. Das psychische Wohl der leiblichen Eltern hängt entscheidend davon ab, wie gut Ärzte, das Pflegepersonal, Anwälte und Berater, die mit der Adoption zu tun haben, psychologisch geschult sind. [...]


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