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Leseprobe 1 DOI: 10.14623/con.2016.1.5-15
Felix Wilfred
Die Rolle der Theologie im Kampf für eine gerechtere und inklusivere Welt
Das ganze Leben ist eine Reise, und mit der Befreiung ist es ebenso. Gleichheit und Inklusion sind die beiden Seiten der Befreiung; und sie sind der Gradmesser, an dem wir erkennen können, wie weit wir es schon auf dem Weg zur Freiheit gebracht haben – je größer Gleichheit und Inklusion sind, umso näher sind wir der Befreiung. Das Fehlen von Gleichheit und Inklusion bedeutet, dass in der Welt Gewalt und Gegensätze zunehmen. Jede »große Erzählung« entwirft ein Gesamtkonzept der Befreiung und ist auf eine Zielvorstellung ideologisch gefärbter Revolutions-, Evolutions- und anderer Strategien ausgerichtet.

In der globalisierten Welt durchziehen und kontrollieren der Neoliberalismus und der fortgeschrittene Kapitalismus als »master narrative« alle Lebensbereiche, und zwar sowohl auf praktischer als auch auf ideologischer Ebene. Aus ihrem Würgegriff müssen Menschheit und Natur nach und nach befreit werden. Dies lässt sich wohl nicht dadurch erreichen, dass ein alternatives »großes Narrativ« der Befreiung entworfen wird, sondern nur durch beständigen und auf breiter Front geführten Kampf für Gleichheit und Inklusion, und indem die Gegensätze dieser Ideologie der tatsächlich gelebten Realität vor Ort gegenübergestellt werden. Zudem mag unserer conditio humana ein Zustand versagt bleiben, in dem Gerechtigkeit, Gleichheit und Inklusion vollständig verwirklicht sind. Erreichen lässt sich vielleicht nur die Veränderung eines Zustandes mit weniger Gerechtigkeit hin zu einer Situation größerer Gerechtigkeit sowie größerer Gleichheit und Inklusion. Auf diesem Weg des Kampfes und der Befreiung, auf den sich Frauen und Männer aus allen Ländern gemeinsam voller Hoffnung machen müssen, können die Religionen und Theologien mit all ihren Ressourcen eine wichtige Rolle spielen.

Die Rolle der Theologie bewegt sich in einem Kontext des Kampfes für Gleichheit und Inklusion, der von Mitgefühl und Solidarität inspiriert ist. Eine authentische Theologie in den Fußstapfen Jesu wird die drängenden Fragen bezüglich der Menschheit und der Natur ansprechen, und sie wird diese Anliegen mit der Frage nach Gott verknüpfen, denn die Menschheit, Gott und das Universum bilden ein einziges, untrennbar miteinander verbundenes Mysterium. In Zukunft wird die Aufgabe unserer Zeitschrift CONCILIUM darin bestehen, sich von einem solchen Geist und einer solchen mystischen Vision inspirieren zu lassen.

Die Fakten für sich sprechen lassen


Eine Milliarde Menschen im globalen Süden leben in extremer Armut und müssen darum kämpfen, dass ihre grundlegendsten Bedürfnisse im Leben gedeckt sind: Nahrung, sauberes Wasser, ein Dach über dem Kopf, Zugang zu medizinischer Grundversorgung und grundlegende Schulbildung. Es gibt im armen globalen Süden mehr als 800 Millionen Menschen, zumeist Kinder und alte Menschen, die unterernährt sind. Ungefähr ein Drittel der Todesfälle weltweit, also circa 18 Millionen Tote, gehen auf das Konto von Hunger und von Krankheiten, die durch Mangelernährung bedingt sind. Die Wirtschaft wächst, doch die Armut wird nicht weniger. Dieser Zustand ist für viele Länder des Südens charakteristisch. Die Ungleichheit wird noch durch Ausgrenzung verschärft; es werden ethnische, religiöse und sprachliche Minderheiten ausgegrenzt sowie Stammesvölker und indigene Völker. Die Spannungen entladen sich in Kriegen. Die endlose Tragödie der Migranten, die das Meer überqueren, ist eine »moralische und politische Schande«. Die Migrationskrise kann Panik hervorrufen, aber sie ist auch ein Weckruf, welches Ausmaß an Ungleichheit und Ausgrenzung in unserer Welt zur Zeit herrscht. Der Kampf gegen Ungleichheit und Ausgrenzung ist ein globaler Kampf; er ist ein Kampf des Nordens und des Südens, und er braucht viele solidarische, unterstützende und intervenierende Kräfte.

Formen von Ungleichheit und Ausgrenzung

In der Vergangenheit wurden Sklaven schlecht behandelt und diskriminiert, aber als produktive Kraft des Wohlstands wurden sie ebenso gebraucht wie die Vasallen in der Feudalgesellschaft oder das Lumpenproletariat in der Industriegesellschaft. Heute ist es alarmierend, dass die Armen als überflüssig angesehen werden; sie werden ausgegrenzt, und man gibt ihnen zu verstehen, dass sie nicht gebraucht werden. Das ist die schlimmste Demütigung, die man einem Menschen antun kann. Es wird nicht mehr nach den Ursachen für die strukturellen Probleme der Armut und das Anwachsen der Ungleichheit gefragt. Und es kommt noch schlimmer: Die Armen als Opfer der Situation werden für ihr Schicksal selbst verantwortlich gemacht. Die Marktwirtschaft ist zum sprichwörtlichen Elefanten im Porzellanladen geworden, der großen Schaden anrichtet und selbst die Natur niedertrampelt.

Nicht minder dramatisch ist es, dass die Marktwirtschaft als hegemoniale Kraft auch zur Quelle moderner Formen sozialer, kultureller und politischer Ausgrenzung und Diskriminierung geworden ist. Durch sie werden schwache Gruppen wie indigene Menschen, Stammesvölker, Migranten, Flüchtlinge, staatenlose Menschen, Zwangsarbeiter, »Mestizen«, landlose Landarbeiter, »Empörte«, Minderheiten, Behinderte, Schwule und Lesben, Transgender- und intersexuelle Menschen etc. an den Rand gedrängt.

Die Kosten von Ungleichheit und Ausgrenzung

Ungleichheit und Ausgrenzung haben einen hohen Preis, denn sie sind die Ursachen für Mangelernährung, chronischen Hunger, Obdachlosigkeit und das Fehlen einer medizinischen Minimalversorgung. Die Opfer von Ungleichheit werden ihrer Handlungsfähigkeit und ihres Selbstseins beraubt. Durch die Ungleichheit werden die Wahlmöglichkeiten begrenzt und Alternativen eingeschränkt, die jemand bei der Gestaltung des eigenen und des gemeinschaftlichen Lebens besitzt. Zudem werden die diskriminierten und ausgegrenzten Menschen durch die Ungleichheit auch noch gedemütigt. Pierre Bourdieu hat zu Recht darauf hingewiesen, dass es »womöglich keinen schlimmeren Verlust, keine schlimmere Entbehrung gibt als das, was die Verlierer im symbolischen Kampf um Anerkennung zu erleiden haben, nämlich dass es ihnen verwehrt wird, als gesellschaftlich anerkannte soziale Wesen zu gelten, kurzum: dass sie ihres Menschseins verlustig gehen«. Materielle Armut, wie sie in den Evangelien geschildert wird, ist die Folge der Ausgrenzung aus der Gemeinschaft und der Gesellschaft. [...]


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