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Zu diesem Heft DOI: 10.14623/con.2016.1.1-4
Maria Clara Lucchetti Bingemer / Luiz Carlos Susin
Das Zweite Vatikanische Konzil und CONCILIUM: ein doppeltes Jubiläum
Das Zweite Vatikanische Konzil, das vor 50 Jahren seinen Abschluss fand, fühlte sich für die katholische Kirche wie ein belebender und wohltuender Wind an. Die Erneuerung, die das Konzil für die Welt und die Kirche wollte, ging um den ganzen Erdkreis und zeigte, dass Glaube in Freiheit wachsen und gedeihen kann. Das Konzil besteht darauf, dass die Kirche berufen ist, sich der irdischen Wirklichkeit zuzuwenden und »Expertin der Menschlichkeit« (Paul VI.) zu sein, indem sie die Schönheit der guten Nachricht von Jesus ans Licht bringt.

Aus der Einsicht, dass eine radikal erneuerte Kirche auch einer erneuerten Theologie bedürfe, entstanden neue kirchliche und theologische Initiativen, und in ihrem Gefolge kamen neue Themen und Ausdrucksformen auf. Die Zeitschrift CONCILIUM, deren erste Ausgabe im Januar 1965, also im Jahr des Konzilsabschlusses, veröffentlicht wurde, kann gut und gerne als ein qualitativ hochwertiger Ausdruck der theologischen Erneuerung gelten.

Wir feiern deshalb ein doppeltes Jubiläum: auf der einen Seite das des Konzils und all dessen, was es für das kirchliche Leben, die Pastoral und die Liturgie bedeutet hat, und auf der anderen Seite das der Zeitschrift CONCILIUM. Sie wurde damals von berühmten europäischen Theologen gegründet und sah ihre Aufgabe darin, für Kirche und Gesellschaft ein Forum echter konziliarer Theologie zu sein. Der Einfluss der Themen von CONCILIUM auf die theologischen Fakultäten und Institute, die Pastoral und die vielfältigen christlichen Gemeinschaften ist bis heute unverkennbar. Die theologischen Reflexionen der Zeitschrift erwarben sich auch im Rahmen aktueller Diskussionen und Debatten hohen Respekt.

Um das 50-jährige Bestehen von CONCILIUM zu begehen, fand im Mai 2015 ein internationales Symposium an der Päpstlichen Universität in Rio de Janeiro, Brasilien, statt und versammelte mehr als 400 Personen aus dem universitären Umfeld, aber auch aus verschiedenen Orten Brasiliens und anderen, zumeist lateinamerikanischen Ländern. In den Titel der Veranstaltung gingen Schlüsselbegriffe der Pastoralkonstitution Gaudium et Spes ein: »Wege der Befreiung: Freude und Hoffnung für die Zukunft«.

Mit diesem Titel wollte das Herausgeberteam von CONCILIUM zum Ausdruck bringen, dass es ihm nicht darum gehe, lediglich eines vergangenen Ereignisses zu gedenken; vielmehr sollte das innovatorische und gemeinschaftsstiftende Potenzial des Konzils hervorgehoben und mit einer Ausrichtung auf die Zukunft verbunden werden. Heute und jetzt gilt es zu fragen, wie dieses Ereignis uns weiterhin nach vorne schauen, aufmerksam auf die Ängste und Sorgen der neuen Generationen hören und in Treue zum Glauben kreativ darauf antworten lässt.

Insofern ist dem salvadorianischen Theologen Jon Sobrino zuzustimmen, der in seinem Artikel in dieser Ausgabe schreibt: Es gibt Vergangenheiten, die die Geschichte »begraben« und »einkerkern«. Es gibt aber auch Vergangenheiten, die die Geschichte »freisetzen« und als »Triebfedern« dienen, sodass wir inspiriert in die Zukunft gehen können. Wie schon das Symposium von Rio de Janeiro wollen nun auch die dort vorgetragenen Reflexionen, die die Leserinnen und Leser nun in ihren Händen halten, einen Zugang zu letzterer Form der Vergangenheit vermitteln. Die vor 50 Jahren gegründete Zeitschrift CONCILIUM trägt immer noch Früchte, und – das ist das wichtigste – sie ist nicht in der Vergangenheit stehen geblieben, sondern folgt weiterhin der Dynamik von damals, indem sie sich den Rhythmen und Kadenzen gegenwärtiger und kommender Herausforderungen an Kirche und Gesellschaft stellt.

Bereits die schlichte Tatsache, dass das Jubiläum in Brasilien stattfand, verweist auf eine mit dem Konzilsjubiläum zuammenfallende Neuerung. Nachdem die katholische Kirche jahrhundertelang von europäischen Päpsten regiert worden ist, wird sie heute von einem Hirten aus Argentinien, aus Südamerika, geführt, der – um es mit den Worten Franziskus’ aus seiner ersten Ansprache auf dem Sitz Petri zu sagen – vom »Ende der Welt« kommt. Das Charakteristische einer solchen Theologie, die ursprünglich aus der nördlichen Hemisphäre stammt, ihre Mitte und Reichweite jedoch von Europa Richtung Süden verschoben und erweitert hat, wird durch den Ort, den CONCILIUM zur Feier seines Jubiläums gewählt hat, repräsentiert.

Doch nicht nur am Festakt zeigt sich das Charakteristische der Theologie von CONCILIUM. Der Theologe Luiz Carlos Susin aus Porto Alegre, Brasilien, wird in seinem Beitrag von den sogenannten »Epistemologien des Südens« sprechen, die in verschiedenen Wissensbereichen ihre Wurzeln haben und gerade in solchen Theologien Anwendung finden, die außerhalb von Europa entstanden sind; dazu zählen u. a. Befreiungstheologien wie die Black Theology oder die feministische Theologie. Susin erinnert daran, dass diese den sonst häufig versteckten oder gar verdrängten (Entstehungs-)Kontexten der Theologie auf besondere Art und Weise Rechnung tragen, indem sie sich den sozialen Kontexten, in denen Theologie entwickelt wird und in denen sie Früchte tragen soll, zuwenden.

Weil die Theologie von CONCILIUM Wurzeln im Süden der Welt hat, ist sie dazu aufgerufen, Zeugnis von der Pluralität zu geben, die heute in jeder Reflexion impliziert ist. Der französische Theologe Thierry Marie Courau unterstreicht in seinem Beitrag: Auf dem Weg zur Einheit der Theologie gibt es viele Wege. Dennoch gilt es nicht aufzuhören, nach der Art und Weise der Einheit zu fragen, auch wenn die Pluralität und Diversität sich trotz aller Bemühungen immer wieder als unbezwingbar erweisen.

Die Reflexionen des Symposiums, die wir hiermit veröffentlichen, werden zeigen, dass die Theologie, die von der Zeitschrift gefördert wird, in den 50 Jahren ihrer Existenz stets die Veränderungen in den jeweiligen Epochen und Kulturen sowie das Aufkommen neuer Paradigmen begleitet hat und somit unausweichlich zu einer Erneuerung des Glaubensverstands geführt hat. Andrés Torres Queiruga macht auf die Tatsache aufmerksam, dass diese Erneuerungen jedoch niemals spannungsfrei verlaufen sind, sondern dass sie sich mit Widerständen auseinandersetzen mussten, die die aufkommenden Fortschritte bremsen wollten. Allerdings überwiegen die Widerstände nicht, und heute entdeckt die Theologie sowohl innerhalb der Kirchen als auch jenseits ihrer institutionellen Grenzen den fruchtbaren Dialog mit anderen religiösen Traditionen.

Aus diesem Grund sollte man ohne Scham auch aus anderen Quellen und Traditionen theologische Inspiration schöpfen, so der Präsident von CONCILIUM, Felix Wilfred, der in seinem Artikel daran erinnert, dass Jesus sich 500 Jahre nach Buddha mit der leidenden Menschheit identifiziert hat. Beeindruckend sei, dass Jesus im Gegensatz zum Buddha das Schweigen gebrochen habe. Er habe den Mund aufgemacht, um von Gott zu sprechen, genauer gesagt: von einem Gott, der Vater und Mutter ist und der zutiefst im Leben der Menschen und in ihrem Leiden verwurzelt ist. Es gelte, das Prinzip des Konzils umzusetzen, das die Kirche dazu aufruft, »Expertin der Menschlichkeit« zu sein, indem sie sich die Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute zu eigen macht. Die Theologie müsse dies verwirklichen und nach einer immer größeren Einheit streben.

Die Beiträge, die sich mit verschiedenen ethischen Dimensionen beschäftigen – aus hermeneutischer (Johan Verstraeten) und feministischer Sicht (Lisa Cahill), aus der Perspektive der Armen (Paulo Fernando Carneiro de Andrade) –, können nicht genug betonen, dass die Aufgabe der Theologie in der Zukunft darin bestehe, Dienerin der Gerechtigkeit zu sein. Deshalb wird heute von der Zeitschrift CONCILIUM verlangt, mit offenen Augen den Horizont von morgen zu beobachten und heute vielleicht noch mehr als bisher die Gerechtigkeit voranzutreiben. Es heißt, unermüdlich an die gute Nachricht zu erinnern, die den Armen vorrangig verkündet ist, und eine bewohnbare Welt zu errichten, indem wir unermüdlich am gemeinsamen Haus, das unsere Erde ist, arbeiten und gegen die Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen kämpfen, die zur Verelendung statt zur erwünschten Humanisierung führen, die die notwendige Bedingung dafür ist, dass es ein Leben in Fülle geben kann.

Getreu dem Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde im Rahmen des Symposiums zum 50-jährigen Bestehen von CONCILIUM die Kreativität und Methode der französischen Katholischen Aktion besonders hervorgehoben, die in der Vergangenheit zahlreiche Theologien, u. a. auch die lateinamerikanische Befreiungstheologie, inspiriert hat. Der philippinische Theologe Daniel Pilario postuliert, dass diese Methode für den asiatischen Kontext immer noch aktuell sei, und er stellt fest, dass die Theologie, wie wir sie heute kennen, ohne diesen Einfluss buchstäblich tot wäre.

Die eindringlichen Hinweise anderer Beiträge, inklusive der Artikel aus dem Theologischen Forum, konkretisieren die »kreative Frömmigkeit«, zu der CONCILIUM sich bis heute gerufen fühlt. Sie verweisen auf die Entwicklung der historisch-kritischen Exegese und der Schriftlektüre – eine große Errungenschaft der Ökumene, die nicht vernachlässigt werden sollte –, den Reichtum der Volksreligiosität und der indigenen Völker, die Bedeutung der Laien als Protagonisten des kirchlichen Lebens und des Theologietreibens sowie die Herausforderung durch die Jugend und ihrer Fragen und die vielfältigen »Unterbrechungen« in der Geschichte, die bereitwillig ertragen werden sollten, damit die Theologie den großen Fragen und Anfragen von heute und morgen begegnen kann.

Als christlich-theologische und katholische Zeitschrift feiert CONCILIUM sein 50-jähriges Jubiläum in einer Situation, in der die Kirche sich kreativ zeigt und dem Neuen öffnet, das buchstäblich durch das Hauptportal einströmt – angeführt durch die von Papst Franziskus propagierte Öffnung und Erneuerung. Die Zeit der Freude und Hoffnung ist da, in der wir unsere Lungen bis zum Äußersten mit der reinen Luft der Freiheit füllen können. Wir dürfen eine Freiheit erleben, die ohne Furcht auskommt und keine Schwierigkeiten scheut – auch in einer Welt, in der Gewalt und Intoleranz eher zu- denn abzunehmen scheinen. Aus dem Gefühl einer solchen Freiheit des Vertrauens heraus ist es möglich, zu singen und zu feiern. Die schönen und fröhlichen Liturgien des Symposiums, bei denen afrikanische, karibische und genuin brasilianische Rhythmen erklangen, die Gesänge, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums mitrissen, bezeugten eine offene und aufmerksame Theologie, die bereit ist, sich anfragen und von Fragen und Sorgen »unterbrechen« zu lassen, sollten sie noch so beunruhigend und provokativ sein.

Aus dem Portugiesischen übersetzt von Miriam Leidinger

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