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Leseprobe 1 DOI: 10.14623/con.2015.5.545-556
Pierangelo Sequeri
Spiritualität des Schweigens
Die vielen Aspekte der Beziehung zwischen dem Beten und dem Schweigen durchziehen die gesamte Geschichte der christlichen Spiritualität. Bei der Behandlung dieses Themas können wir übrigens aus einer weiträumigen und geradezu universalen Tradition der menschlichen Geistigkeit schöpfen, die ihren Ort im Mythos und in der Geschichte der religiösen Ausdrucksformen hat, die aber auch den verschiedenen Formen der Ethik und des philosophischen Denkens nicht fremd ist. Die begrenzte Zielsetzung dieses Beitrags ist es, sich anregen zu lassen durch zwei Wendepunkte in der Geschichte der öffentlich-kirchlichen Spielart dieser Themenstellung, um dann nach ihrer aktuellen Bedeutung im Kontext des heutigen »urbanen« und »globalen« Christentums zu fragen. Bei den zwei Wendepunkten handelt es sich um die folgenden: Zunächst geht es um die Lösung des Konfliktes zwischen der musikalischen Form des Lobpreises einerseits und der geistlichen Qualität des innerlichen Geschehens andererseits, wie sie im Rahmen einer Theologie des Musikalischen in der Frühzeit des Christentums zu finden ist. Sodann geht es zweitens um den Wendepunkt, der im Zusammenhang mit dem nachtridentinischen Disput über die Beziehung zwischen dem ohne laute Worte geschehenden Beten und dem gesprochenen Gebet ein wichtiges Thema in der Konfrontation mit der Reformation ist. Ziel ist dabei die Suche nach einer Versöhnung zwischen dem reinen Glauben und dem sinnlich wahrnehmbar gefeierten Sakrament.

I. Die philosophische Spiritualität der Antike: Die Vollendung des Schweigens

Im späthellenistischen Denken, das die Kultur beherrscht, in der sich die Spiritualität des Christentums bildet, läuft die religiöse Frömmigkeit darauf hinaus, in einem Geschehen aufzugehen, das sich zutiefst im Inneren des Menschen vollzieht. Die Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit geht vom Wort in den Lobpreis über und vom Lobpreis hinüber ins Schweigen. Der vom Wesen des Logos vorgezeichnete Weg, dessen Ziel die intime Vereinigung mit dem Göttlichen ist, verläuft in ebendieser Folge bis hin zum vollkommenen Schweigen der Seele.

Der geistliche Gesang ist von Urzeit her gewiss das entscheidende Medium des Übergangs vom Gebetswort in das Opfer des Lobes. In der hellenistischen Kultur aber ist diese Ritualisierung des Wortes im Hymnus, welche die Umformung des Wortes in Schwingung und Atemhauch des Geistes bewirkt, dazu bestimmt, sich sogar dadurch zu vollenden, dass sie ihre Hörbarkeit verliert. Der vollkommenste Hymnus als pura et universa laus ist jener, der sich im Innersten des Menschen als unhörbarer jubilus vollzieht. Der vollkommene Lobpreis vollzieht sich schließlich und endlich in reinem Schweigen, in einem kontemplativen und anbetenden Schweigen. Eine eindrucksvolle Synthese dieses Denkens in einer Kreisbewegung ist den einer »mystischen Hymnodie« gewidmeten Schlusszeilen des Corpus Hermeticum zu entnehmen, die Gott als den Herrn der Schöpfung feiern, als die Quelle aller Erkenntnis und aller nur wünschenswerten Freude. Die wahre Weisheit des Lobpreises ist es, sich in einer Gebärde der Selbstaufgabe dem Lobpreis zu überlassen, den der Logos selbst in uns anstimmt: »Dein Logos lobpreise dich durch mich hindurch. Empfange von mir den ganzen Logos, eine logikè thysía, ein vom Logos gewirktes Opfer. Empfange von allen eine logikè thysía

Das Leben des spirituellen Menschen muss sich als ein an Gott emporgesandter Hymnus entfalten. Gott selber aber ist es, der in ihm den Hymnus singt. Dass der spirituelle Gottesdienst zu seiner Vollendung gelangt ist, kommt darin zum Ausdruck, dass er in das Schweigen mündet. Im Bewusstsein, dass im Namen der in der biblischen Tradition tief verankerten Praxis des – vokal oder instrumental – hörbaren jubilus mit Einwänden gegen den bloß schweigend dargebrachten Lobpreis zu rechnen war, hat schon Philo von Alexandria, der zur Symbolgestalt für die Versöhnung der jüdischen und der hellenistischen Tradition geworden ist, zwar das laut gesprochene Gebet verteidigt, aber doch den Vorrang des lautlosen Lobpreises proklamiert: »Man kann nicht so, wie die Masse der Menschen es tut, Gott Dank sagen mit Hilfe von materiellen Gütern, mit ihm geweihten Geschenken oder Opfergaben […]. Besser ist es, dies mit Lobliedern und Hymnen zu tun, ohne aber die üblicherweise hörbaren Stimmen vernehmbar zu machen. Besser ist es, die Musik des unsichtbaren Geistes erklingen zu lassen.«

II. Die Kirchenväter: Die Spiritualität des Gottesdienstes und die Vokalität der Liturgie

Obwohl das Christentum verständlicherweise von der Orientierung dieser Spiritualität des im Inneren des Herzens vollzogenen Gottesdienstes angezogen war, lässt es jedenfalls erkennen, dass es an einer grundlegenden Unterscheidung zwischen der physischen Überwindung der Riten des blutigen Opferkultes und der Verleiblichung des mit hörbarer Stimme dargebrachten Lobpreises festhalten will. Während die Überwindung des ersten Elementes ihm unbestreitbar notwendig erscheint, bereitet ihm die radikale Opposition gegen das zweite Element größere Probleme: »Wir wollen den Schöpfer dieses Universums ehren und sagen, dass er es nicht nötig hat, dass wir ihm Blut- und Trankopfer und Weihrauch darbringen, wie es uns einst gelehrt wurde, und dass wir ihn nun nach Kräften loben wollen mit unserem Gebet und mit Danksagung für alles, was wir von ihm empfangen, denn wir wissen, dass die einzige seiner würdige Ehrerweisung nicht darin besteht, das im Feuer zu zerstören, was uns von ihm für unseren Lebensunterhalt zukommt, sondern dass sie darin besteht, all dies zu teilen unter uns und allen, die dessen bedürfen. Wir wissen, dass wir ihm unseren Dank erweisen können, indem wir unseren Lobpreis und unsere Hymnen zu ihm aufsteigen lassen, zum Dank dafür, dass wir von ihm geschaffen wurden und dass uns mit den Früchten dieser Erde, die uns der Wechsel der Jahreszeiten bringt, alles geschenkt wird, was unserem Wohlergehen dient.«

Darbringung des Lobpreises der Geschöpfe und das Ankommen beim kontemplativen Schweigen, das als eine spirituelle Schwingung und nicht bloß als bloß träge Leere zu verstehen ist: Diese Vorstellung liefert das scharf geschnittene Profil der Religionsphilosophie und der Mysterienfrömmigkeit des Hellenismus. Diese Vorstellung erscheint gewiss ein empfänglicher Schoß zu sein, in dem die Rolle der Musik für das Gebet und die geisterfüllte christliche Liturgie neue Bedeutung erlangen kann. [...]


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