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Zu diesem Heft DOI: 10.14623/con.2015.5.513-516
Diego Irarrázaval / Andrés Torres Queiruga / Mile Babić / Felix Wilfred
Theologie in Stille
Wir können uns das Schweigen wie ein Einatmen und analog das Sprechen wie ein Ausatmen vorstellen. Ein solches Schweigen ereignet sich inmitten von Dialogen der Menschlichkeit. Andererseits lässt sich nicht leugnen, dass uns tagtäglich Lärm und Missklänge bedrücken.

Um sich dem Phänomen des Schweigens und der Stille anzunähern, ist es erforderlich, sich spirituellen, kirchlichen, ethischen, affektiven, politischen und philosophischen Aspekten zuzuwenden. Unsere postmoderne Wirklichkeit wird beherrscht von Getöse, das es einerseits den Massen ermöglicht, darin einzustimmen und so am Geschehen teilzuhaben, das aber andererseits oft dazu missbraucht wird, Menschen zu vereinnahmen oder zum Verstummen zu bringen. Hinsichtlich des akademischen Bereichs stellt sich die Frage, warum bestimmte Kommunikationsmuster vorherrschen, während die mystische Weisheit des Gottesvolkes nur marginal beachtet wird. Stellen nicht gewisse menschliche Haltungen der Stille vor Gott (z. B. in Asien) eine Wertschätzung des Glaubens an den inkarnierten Logos dar? Jeder Leser und jede Leserin dieser internationalen Zeitschrift wird ihre Fragen im Blick auf das Thema haben und dessen Lichtund Schattenseiten sehen. Wir sind überzeugt, dass es sich lohnt, diese miteinander zu teilen.

In der christlichen Tradition ist die Liebe Gottes sowohl eine immerwährende und fortwirkende Art der Kommunikation als auch durch das endgültige Wort, den Logos Jesus Christus, bestimmt. Ihren Sinn und ihre Bestimmung findet die Kommunikation im »liebenden Kampf« (Karl Jaspers) und damit in dem Bemühen, die menschliche Unfähigkeit und den menschlichen Widerstand zu überwinden. Darin begründet ist die Offenbarungsgeschichte in ihrer multireligiösen Vielfalt sowie in ihren Höhen und Tiefen (die biblischen eingeschlossen). Das »Schweigen Gottes« kann auch als eine Konsequenz menschlicher Endlichkeit betrachtet werden, d. h. angesichts der unendlichen göttlichen Differenz keine Klarheit zu finden.

Diese Ausgabe von CONCILIUM wirft drei Schlaglichter auf die Gegenwart mit dem Ziel, Einblicke in anerkannte Praktiken der Stille zu geben. So wird im Folgenden sowohl die christliche Mystik thematisiert (am Beispiel von Erfahrungen in Taizé und Gnadenthal sowie des benediktinischen Erbes und des südamerikanischen Laientums) als auch die tausendjährige asiatische Praxis (in hinduistischer, buddhistischer und anderer Form). Ihre Gebetspraktiken gedeihen in partikularen Kontexten, ermuntern jedoch auch weitere spirituelle Suchbewegungen in anderen Regionen der Welt.

Ein Denken in Stille bringt Ernsthaftigkeit und Freiheit mit sich. Ein solches Denken bleibt der Selbstmitteilung Gottes und seiner Erlösungsgeschichte treu (dies zeigen die Artikel von François Cassingena-Trévedy, Frère John aus Taizé und Sebastian Painadath SJ). Weltweit lässt sich ein solches Denken in der Dialogarbeit verorten, die an der Seite der zum Schweigen gebrachten Völker, die die Wahrheit ersehnen, ihren Anfang nimmt. Es ist insofern notwendig, die Klage Ijobs, aber auch die Worte der Propheten, die Zeugnisse Jesu und die Kommunikationsbeziehungen von gestern und heute neu aufzugreifen (wie die Autoren Jürgen Ebach, Michael Amaladoss SJ, Rosa Ramos und Jutta Koslowski anmerken).

Die monastischen und ökumenischen Lebensweisen (z. B. in Taizé und Gnadenthal) legen Wert auf die »innere Stille«. Sie ist zur Nahrung für viele Generationen und verschiedene Glaubenstraditionen geworden. In Asien kultiviert man eine Innerlichkeit, die mit körperlichen, weisheitlichen und mystischen Praktiken Hand in Hand geht (wie Sebastian Painadath und Michael Amaladoss betonen). Ziel ist es, in die absolute Stille einzustimmen. Auch in der Kunst, der Poesie und der Liturgie sowie inmitten vielfältiger Schöpfungsbeziehungen finden sich tiefe Potenziale der Stille (siehe dazu Pierangelo Sequeri, Dževad Karahasan, Rosa Ramos, Sebastian Painadath und Jutta Koslowski).

Dank der Beiträge aus verschiedenen Disziplinen und einer spirituellen wie theologischen Gelehrtheit sprudeln auch in widersprüchlichen Kontexten Quellen der Weisheit. Es wird so z. B. auch die unaufhörliche Kommunikation mit dem inkarnierten Gott zu erforschen sein, der sich mit den Letzten, die die Ersten sein werden, identifiziert hat.

Eine zentrale Aufgabe der Theologie ist es, »Liebe« und »Stille« miteinander zu verbinden. Erst dann ist es möglich, sich zu dem radikal »anderen« Gott, zum Nächsten als dem »Anderen« sowie zu jedem Teil des Universums in Beziehung zu setzen. Werner Jeanrond betont in dieser Hinsicht, dass die Liebe zum »Anderen« sowohl eine aktive als auch eine passive Stille mit sich bringt. Darüber hinaus bekräftigt Jeanrond die Notwendigkeit, die Stille der Zum-Schweigen-Gebrachten – die der Frau, des Armen, der Kinder, der Missbrauchsopfer, sprich all derer, die unter kolonialer, sexueller, politischer und ökonomischer Unterdrückung leiden – zu überwinden. Es ist in dieser Hinsicht sowohl falsch, die Liebe auf ein Gefühl zu reduzieren als auch das Still-Sein ausschließlich als eine private Angelegenheit dazustellen.

Diese verschiedenen Erlebnisse und ihre Inhalte verlangen auf verschiedenen Ebenen nach einer genauen Wahrnehmung: in der Spiritualität, der Musik, der Literatur, der Philosophie (siehe die Ausführungen von Dževad Karahasan, Pierangelo Sequeri, François Cassingena-Trévedy und Rosa Ramos). Es bedarf aber auch einer Konfrontation mit der lärmenden Welt der Gegenwart, mit ihrem obsessiven Hedonismus und ihrer Wegwerfkultur, mit ihrer exaltierten Hinwendung zu einer eigentümlichen Form von »Glück«. Allerdings entstehen aus der Stille auch solidarische Handlungen mit den Leidenden. Kontemplation bedeutet nicht Stillstand. Sie führt vielmehr dazu, ein feines Gehör für Gott und die Musik seiner Schöpfung zu entwickeln sowie gleichzeitig aufmerksam für die Klagerufe und Ausdrucksformen der Freude zu werden, die die Menschen an verschiedenen Orten der Welt in Bewegung versetzen. Dank der Stille ist es uns möglich, auf die »Zeichen der Zeit« zu hören und sie zu interpretieren.

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