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Zu diesem Heft DOI: 10.14623/con.2015.3.273-280
Daniel Franklin Pilario / Lisa Sowle Cahill / Maria Clara Lucchetti Bingemer / Sarojini Nadar
Die Kirche der Armen und die Globalisierung
»Die Armen. Die Armen stehen im Mittelpunkt des Evangeliums, sind das Herzstück des Evangeliums. Wenn wir die Armen aus dem Evangelium herausnehmen, können wir die gesamte Botschaft Jesu Christi nicht verstehen.« Dies hob Papst Franziskus in seinem spontanen, gebrochenen Englisch während einer Messe mit Bischöfen, Priestern und Ordensleuten in der Kathedrale von Manila am 16. Januar 2015 hervor. Und wie um seine Aussage unter Beweis zu stellen, entschied er sich am nächsten Tag, trotz eines Sturms zur Insel Leyte zu fliegen: zum sogenannten »Ground Zero« des Taifuns Haiyan. Auf einer provisorischen Bühne, die von starken Winden gepeitscht wurde und keinen Schutz vor dem Regen bot, feierte er die Eucharistie mit mehr als 200.000 Menschen, die schon vom Gewitter der vorigen Nacht durchweicht waren, weil sie früh hergekommen waren, um ihn zu treffen. Trotz des dünnen gelben Regencapes, das er wie die anderen in der Menge trug, war er genauso nass wie sie. Er entschloss sich, nicht seine englische Predigt vorzulesen, sondern aus seinem Herzen zu sprechen, auf Spanisch, mit der Hilfe eines Übersetzers: »Und – wenn ich euch etwas Persönliches mitteilen darf – als ich von Rom aus diese Katastrophe sah, habe ich gespürt, dass ich hier sein musste. An jenem Tag, in jenen Tagen habe ich entschieden, die Reise hierher zu unternehmen. Ich wollte kommen, um bei euch zu sein ... Ein bisschen spät, werdet ihr mir sagen; das ist wahr, doch hier bin ich.« Diese leidenschaftliche Geste der Solidarität wärmte die Herzen aller Versammelten – die meisten von ihnen waren Überlebende und hatten in dem Taifun vor etwas mehr als einem Jahr, dem stärksten der jüngeren Geschichte, Familienangehörige und Besitz verloren.

Wenn es etwas gibt, das den pastoralen Ansatz von Papst Franziskus charakterisiert, dann sind es diese leidenschaftlichen Gesten, die die Solidarität in und mit der Kirche der Armen konkret werden lassen; dazu gehört unter anderem seine offenbar spontane Wahl des Namens »Franziskus«, als Kardinal Hummes aus São Paulo ihn daran erinnerte, »an die Armen zu denken«, dazu gehört auch der beispiellose Akt, jugendlichen Straftätern – unter ihnen einer muslimischen Frau – im römischen Jugendgefängnis Casal del Marmo bei der traditionellen Gründonnerstagsliturgie die Füße zu waschen, und dazu gehört sein Besuch auf Lampedusa, wo auf einem Transparent zu lesen war: »Willkommen bei den ultimi !« (Das italienische Wort bezeichnet »die Entlegensten« und »die Geringsten «.) Und die Liste solcher Gesten wird immer länger.

Diese kühnen Gesten des Papstes sind gepaart mit machtvollen Worten. Formulierungen, die sich auf maßgebliche Gesellschaftsanalysen beziehen, sind zu populären Schlagwörtern geworden, sehr zum Ärger der wirtschaftlichen und politischen Rechten: die Wirtschaft des Ausschlusses, die Globalisierung der Gleichgültigkeit, die Wegwerf-Kultur, die Wirtschaft, die tötet, der Skandal der Armut, der Fetischismus des Geldes, die Kultur der Verschwendung usw. Die scharfen Worte gegen die kirchliche Selbstbezüglichkeit werden von den Medien so bereitwillig aufgegriffen, wie sie die »Eminenzen« auf Trab halten: spirituelle Verweltlichung, der Glaube, unsterblich und unersetzlich zu sein, geistige und geistliche Versteinerung, existenzielle Schizophrenie, steriler Pessimismus, spirituelle Austrocknung, Rivalität, Klatsch und Prahlerei. Mit diesen Worten gingen auch einige erste entschiedene Handlungen einher: die Reform der Vatikanbank, die Reform der Römischen Kurie, die Dezentralisierung der Macht usw.

Ist der sogenannte »Franziskus-Effekt« eher ein Stil als etwas Substantielles? Es wird noch Zeit brauchen, um hier eine Antwort zu geben, weil der Papst seine Vision auf der praktischen Ebene nur Schritt für Schritt umsetzen kann. Doch seine Vision von der Kirche ist klar und volksnah: »Ach, wie sehr möchte ich eine arme Kirche und eine Kirche für die Armen!« – »Mir ist eine ›verbeulte‹ Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist.« Und sein Aufruf ist ebenso direkt wie einfach: »Geht an die Ränder!« – »Macht Wirbel!«

Der Diskurs über die »Kirche der Armen« ist nicht neu; er hat eine lange Geschichte. Was die gegenwärtige Wiederbelebung durch Franziskus wie etwas Neues erscheinen lässt, ist die Tatsache, dass die »Option für die Armen« in den letzten Jahrzehnten in den Schatten geriet, domestiziert und diszipliniert wurde. Das Ansinnen Kardinal Ratzingers, damals Präfekt der Glaubenskongregation, Gustavo Gutiérrez 1983 mittels eines Briefs an die peruanischen Bischöfe zum Schweigen zu bringen, ist bekannt. Gutiérrez ist nie offiziell verurteilt worden, doch ein Jahr später veröffentlichte der Vatikan Libertatis Nuntius, worin dieselben Anklagen gegen einige Strömungen der Befreiungstheologie wie ein Echo wiederholt wurden. Andere Befreiungstheologen erlitten dasselbe Schicksal – Leonardo Boff, Pedro Casaldáliga, Tissa Balasuriya und viele weitere. Zuletzt erhielt im Jahr 2006 Jon Sobrino eine Notifikation der Glaubenskongregation exakt wegen seines Gebrauchs des Ausdrucks »Kirche der Armen« in seinen Büchern zur Christologie. [...]


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