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Leseprobe 3 DOI: 10.14623/con.2015.2.214-227
Jennifer E. Beste
Sehnsucht nach Mehr
Die »Abschlepp«-Kultur in den Colleges und die christliche Rückgewinnung des vollen Menschseins
In diesem Beitrag geht es um theologische und ethische Reflexionen auf Probleme, die sich bei College-Studierenden durch die »Abschlepp«-Kultur für die Entwicklung eines »vollen Menschseins« ergeben. In der Forschungsliteratur wird meist ein Unterschied zwischen Sex- oder »Fickfreunden« und dem Abschleppen gemacht, weil bei Ersteren auch Zuneigung oder Freundschaft zwischen zwei Menschen eine Rolle spielt. Das Abschleppen ist demgegenüber explizit nicht mit irgendeiner Emotion oder Beziehung verbunden. Untersuchungen zufolge nimmt das Abschleppen – verstanden als sexuelle Aktivität ohne Verpflichtung oder emotionale Bindung – unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der westlichen Welt zu. Das trifft möglicherweise auch auf einige nichtwestliche Länder zu (wobei schlicht zu wenig geforscht wird, als dass sich diese Annahme hinreichend belegen ließe), und zwar vor allem auf diejenigen, in denen es erlaubt ist, Material mit eindeutig sexuellem Inhalt in den Massenmedien zu zeigen (vgl. Chia – Lee 2008, Omori u. a. 2011, Yip u. a. 2013, Palen u. a. 2006). Untersuchungen zufolge berichten 60–80 Prozent der nordamerikanischen College-Studierenden davon, abgeschleppt zu werden oder selbst jemanden abzuschleppen (Garcia u. a. 2012). Meine These lautet hierzu, dass die Abschlepp-Kultur nicht den Bedürfnissen von College-Studierenden entspricht und ihre Fähigkeit zu glücklichem und erfülltem Leben einschränkt. Im ersten Teil dieses Artikels beziehe ich mich auf Beobachtungen und Analysen von Studierenden. Im zweiten Teil vergleiche ich die »Lebensweise« der Partygänger mit Christi »Lebensweise«, wie sie von Johann Baptist Metz in seinem Buch Armut im Geiste skizziert wurde. Metz’ theologische Darstellung von Christus als wahrem Menschen ermöglicht ein tieferes Verständnis von Jesu Versuchung in der Wüste (Mt 4,1–11) und auch die Entlarvung der Dynamik ähnlicher Versuchungen, mit denen die Studierenden durch die Abschlepp-Kultur konfrontiert sind. Durch Metz’ Ansatz lässt sich auch verstehen, warum die Erwartungen junger Menschen an die Abschlepp-Kultur sich so gravierend von ihren tatsächlichen Erfahrungen unterscheiden. Am wichtigsten ist hierbei vielleicht, dass wir zu neuen Einsichten gelangen und uns besser entscheiden können, wie wir unsere Sexualität, unsere Beziehungen und unser gesamtes Leben wirklich leben wollen.

Das gespaltene Selbst und die soziale Realität von College-Partys

Die folgende Darstellung von College-Partys basiert auf einer von mir durchgeführten qualitativen Analyse von 126 ethnographischen Berichten von Studierenden aus den Jahren 2010 bis 2012. Zu Beginn meines Ethikseminars und vor der Beschäftigung mit Theorien über Sexualität und Gender zogen die Studierenden als nüchterne Feldforschende in sieben US-Staaten aus, um Gleichaltrige an privaten und staatlichen Universitäten acht bis zehn Stunden lang auf Partys zu beobachten und zu untersuchen. Dabei ließ sich durchgängig beobachten, dass die College-Kultur bei den Studierenden, die gerne wissenschaftlich und gesellschaftlich erfolgreich sein möchten, zu einer tiefen Identitätsspaltung führt. Tagsüber präsentieren sie sich als verantwortungsvolle junge Erwachsene, die die Anforderungen in den Seminaren, im Job und bei den außeruniversitären Aktivitäten gut meistern können. Doch wenn die Partynächte beginnen, legen sich viele eine andere Persönlichkeit zu, die von einem sozialen Skript geprägt ist, das Spaß und Entspannung bei Saufgelagen und beim Abschleppen findet:

»Die Leute verlieren sich in der Party-Szene; sie pfeifen auf alle Werte und Normen, an denen sie und andere sich orientieren, wenn sie nüchtern sind und in der realen Welt leben; sie betreten die Party-Welt und handeln so gedankenlos, wie sie es im normalen Alltag nie tun würden.« – Katherine

Die Feldforschenden haben beobachtet, dass die meisten Studierenden auf den Partys bereits betrunken eintreffen, denn »niemand möchte nüchtern auf eine Party gehen«. Nachdem sie getrunken und sich unterhalten haben, tanzen die Studierenden meist, reiben sich in erotischer Weise aneinander oder zeigen anderweitig eindeutig sexuelles Verhalten öffentlich zur Schau; sie gehen für einen Quickie ins Schlaf- oder Badezimmer und/oder verlassen die Party und gehen in die Wohnung des Mannes. Den Feldforschenden lag viel am unterschiedlichen Auftreten und Verhalten von Männern und Frauen während der Partys. Sie beobachteten, dass sich die Frauen sehr sexy kleiden, sexuelle Gesten vollführen – sie reiben sich erotisch an einem Mann oder führen einen »Lapdance« über dem Schoß eines Mannes aus –, und dass sie sich den Forderungen der Männer nach sexuellen Gefälligkeiten beugen:

»Anscheinend fühlen Frauen sich verpflichtet, denen gegenüber, die sich für sie interessieren, irgendwelche sexuellen Gesten zu machen.« – Mike

»Diese Frauen verkaufen gewissermaßen Sex. Sie benutzen ihren Körper, um zu bekommen, was sie wollen, fast wie eine Art Währung.« – Brian

Dass Frauen aktiv die Rolle verführerischer Sexobjekte übernehmen und sexuelle Dienste gegen männliche Aufmerksamkeit und soziale Bestätigung tauschen, entspricht den Ergebnissen von breiter angelegter sozialwissenschaftlicher Forschung (s. Oppliger 2008, Freitas 2008). Dagegen werden die männlichen College-Studierenden so beschrieben, dass sie in ihrer Interaktion mit Frauen häufig Selbstvertrauen, Kontrolle und Dominanz zeigen und oft gerade mit den Frauen flirten, die am meisten getrunken haben: »Es ist unfair, aber die Studenten nehmen genau die Frauen ins Visier, die anscheinend am meisten getrunken haben, weil sie bei ihnen auf der Suche nach wahllosem Sex leichtes Spiel haben.« (Jim) [...]


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