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Leseprobe 2 DOI: 10.14623/con.2015.2.201-213
Annemie Dillen
»Tremendum et fascinosum«: Erfahrungen junger Eltern als Herausforderung für die Theologie
Einleitung: Die Erfahrung von Elternschaft theologisch ernst nehmen

Frauen bekommen immer später Kinder, und der Prozentsatz derjenigen, die Kinder bekommen, wenn sie älter als 35 Jahre sind, nimmt zu, das lehren mich die Statistiken für die Region, in der ich wohne und arbeite, nämlich Flandern in Belgien. Das ändert aber nichts daran, dass auch sehr viele Leute, die jünger als 35 Jahre sind, Kinder bekommen. Und das gilt gewiss auch weltweit. Ein Kind oder deren mehrere zu bekommen, das ist für viele eine tiefgreifende Erfahrung. Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft sind Themen, die innerhalb der medizinischen, der psychologischen und der pädagogischen Literatur viel Aufmerksamkeit finden; auf theologischem Gebiet aber wird relativ wenig darüber geschrieben, außer im Blick auf die religiöse Erziehung oder auf bioethische Fragen, bei denen es vor allem um den Schutz des ungeborenen Kindes geht. In diesem Beitrag biete ich einen Überblick über neuere theologische Untersuchungen zu den Themen Schwangerschaft, Geburt und erste Zeit der Elternschaft. Die Hauptfrage dabei lautet, wie die Erfahrung der Elternschaft aus theologischer und pastoraler Sicht vollkommen ernst genommen werden kann.

Dabei lauern mindestens zwei Gefahren. Die erste Gefahr ist, dass dieses Thema unterbewertet wird. Viele meinen, Eltern zu werden sei in den meisten Fällen ein natürlicher Prozess, und daher bedürfe dies aus theologischer Sicht keiner besonderen Aufmerksamkeit. Es sei dies ein sehr persönliches und für jeden anders verlaufendes Geschehen. Warum also sollte sich die Theologie dann damit befassen? Wenn die medizinischen und die allgemeinmenschlichen Wissenschaften sich damit beschäftigen, dann scheint dies schon zu genügen. Diese Sicht aber läuft Gefahr, die existenzielle und spirituelle Tiefe der mit Elternschaft verbundenen Erfahrungen und das Suchen nach der rechten Sicht, nach der Wertung der Rahmenbedingungen und der angemessenen Begleitung junger Eltern zu vernachlässigen.

Eine zweite Gefahr ist zu nennen: Wenn Theologie und Pastoral der Elternschaft doch deutlich Aufmerksamkeit schenken, dann geschieht dies auf eine eher reduktionistische Weise. Wenn nämlich eher idealisierende und eindeutig theologische Betrachtungsweisen oder pastorale Aktionen in den Vordergrund gerückt werden, dann besteht die Gefahr, dass die vielfältig komplizierte Wirklichkeit der Erfahrung von Elternschaft, das Verlangen danach oder das Ausbleiben dieser Erfahrung übersehen wird.

Die Frage, die wir mit diesem Beitrag beantworten wollen, lautet: Was kann der Inhalt einer angemessenen theologischen und pastoralen Befassung mit Elternschaft sein, die nicht den erwähnten Gefahren erliegt und die vor allem von der Erfahrung junger Menschen ausgeht? Dabei machen wir Gebrauch von dem klassischen Dreischritt »sehen, urteilen, handeln« oder »wahrnehmen, bewerten, anregen«. Wir verweilen bei menschlichen Erfahrungen und gehen der Frage nach, in welcher Weise ausdrückliche Formen theologischen Redens ins Gespräch mit diesen Erfahrungen kommen können, und dann untersuchen wir, wie dies konkret praktiziert werden kann.

Wahrnehmen: Existenzielles und spirituelles Erleben von Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft

In der Welt der Medizin sind neuerdings einige Untersuchungen rund um die existenziellen und spirituellen Erfahrungen von Müttern während der Schwangerschaft und anlässlich der Geburt durchgeführt worden. Vätern wird dabei viel weniger Aufmerksamkeit zuteil. Besondere Aufmerksamkeit richtet sich auf spezielle Zielgruppen, auf komplizierte und ärztlich begleitete Schwangerschaften oder auf Eltern, die ein Kind verlieren. Schwangerschaft und Geburt sind offenbar überall in der Welt verbunden mit spirituellen Erfahrungen, die allerdings aufgrund der jeweiligen Kultur stark voneinander unterschieden sind. Die ärztliche Begleitung von Schwangerschaft und Geburt lässt zumindest in Europa wenig Raum, um sich mit der existenziellen und spirituellen Erfahrung der Schwangerschaft zu befassen (Jesse u. a. 2007, Cockx 2013). Medizinische Fragen bezüglich der Gesundheit des Kindes und der Mutter haben eine zentrale Stellung in der Begleitung der Schwangerschaft. Mehr und mehr Aufmerksamkeit wird auch ethischen Fragen gewidmet, zum Beispiel Fragen im Zusammenhang mit der pränatalen Durchleuchtung oder der Frage, wie weit man in der hochspezialisierten perinatalen, das heißt der kurz vor und nach der Geburt zu leistenden Versorgung gehen kann und muss. Es gibt aber noch viel mehr, was hier ins Spiel kommt, auch bei Schwangerschaften, die ohne große Probleme verlaufen (siehe z. B. Prinds 2014): Eltern ringen mit der Frage, was es eigentlich bedeutet, Mutter oder Vater zu werden, und ob sie wohl der damit verbundenen Verantwortung gerecht werden können. Oft fühlen sie sich auch sehr dankbar für das neue Leben. Sie ringen mit dem Problem, einerseits alles kontrollieren zu wollen und in der Hoffnung zu leben, »dass alles gut geht«, und andererseits loslassen zu müssen, es nicht unter Kontrolle zu haben und sich der spirituellen Aufgabe zu stellen, sich zu ergeben und Vertrauen zu haben (Dillen – Cockx 2013). [...]


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