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Leseprobe 3
Luiz Carlos Susin
„Aus der Verderbnis des Besten entsteht das Schlimmste”
Eine entscheidende Frage für die Kirche
„Geistliche Weltlichkeit” ist der Ausdruck, den Papst Franziskus bei verschiedenen Gelegenheiten benutzt hat, um den katastrophalen Prozess der Verderbnis und Auflösung zu bezeichnen, dem sich die Kirche ausgesetzt sieht. Der Ausdruck stammt von Henri de Lubac. Er greift ihn in seinem Buch Die Kirche. Eine Betrachtung auf, das der Papst in seinem Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium, 93, zitiert. Doch ausführlicher noch zitiert er daraus in seinem Buch Korruption und Sünde. Abschnitte daraus leiten dieses Heft von CONCILIUM ein. Um besser zu begreifen, worum es geht, ist es nützlich, die gesamte Fußnote zu zitieren, worin der damalige Erzbischof von Buenos Aires Henri de Lubac wiedergibt:

Die „geistliche Weltlichkeit“ [Anscar Vonier] ist „die ärgste Gefahr für jene Kirche, die wir sind, die perfideste Versuchung, die tückisch nach jedem Sieg über die andern neu erwacht, ja sich eben aus diesen Siegen ernährt“ (de Lubac, aaO., 339). De Lubac beschreibt sie folgendermaßen: „,Wir verstehen darunter die anscheinende Abkehr von der andern Weltlichkeit, wobei aber das sittliche, ja geistliche Leitbild nicht die Glorie des Herrn, sondern der Mensch und seine Vervollkommnung wäre. Radikale Anthropozentrik: das ist das Wesen der geistlichen Weltlichkeit. Sie wäre dann unverzeihlich geworden, wenn (falls es möglich wäre) ein Mensch alle geistliche Vollkommenheit besäße, aber ohne sie auf Gott zu beziehen‘ [vgl. M.-J. Lory]. Sollte je diese geistliche Weltlichkeit sich in der Kirche einnisten und ihr innerstes Prinzip unterwühlen, dann wäre sie viel verhängnisvoller als jede bloß sittliche Verweltlichung. Verderblicher auch als der scheußliche Aussatz, der in gewissen Geschichtszeiten das Antlitz der Braut so entstellt hat, da sich ,im Namen der Religion das Ärgernis im Heiligtum installierte und, von einem freigeistigen Papst repräsentiert, das Antlitz Christi unter Schmuckbehang, Schminke und Schönheitspflästerchen begrub‘ [Anscar Vonier]. Keiner von uns ist vor solchem Unheil gänzlich gefeit. Ein subtiler Humanismus kann sich auf tausend Wegen einschleichen: Gottes Widersacher und heimlich auch des Menschen Feind“ (ebd.).

Ziel dieses Beitrags ist es, das Verständnis dieser erschreckenden Möglichkeit zu vertiefen, die mit dem geistlichen Leben und dem Leben der Kirche gegeben ist. Die wiedergegebene Fußnote unterstreicht den Punkt, auf den es dem Papst in diesem Text letztlich ankommt, die Verderbnis des Religiösen. Der Papst erinnert in diesem Text an das lateinische Sprichwort corruptio optimi, pessima. Ivan Illich, auf den ich in diesem Beitrag immer wieder zurückkommen werde, übersetzt hintergründig: „Das [sic!] Verderbnis des Besten ist das Schlimmste.”5 Es wird aber nicht nur selbst zum Schlimmsten, sondern zum Schoß, der noch schlimmere Dinge gebiert. Illich untersucht den Gehalt dieses Sprichworts und wendet es auf die Geschichte des Christentums, insbesondere der Kirche, an. In ihr nehmen das Mysterium iniquitatis, von dem Paulus spricht, und der Antichrist der Johannesbriefe, der Urheber der Verführung, des Betrugs und des Abfalls, leibliche Gestalt an. Das Schlimmste, das aus dem Schoß des Christentums hervorgegangen ist, welches immer offener als Christenheit herrscht, ist seiner Analyse zufolge der Kapitalismus mit seinen monetaristischen und finanziellen Merkmalen, der alles, sogar die Transzendenz und das Unendliche, in den globalen Markt verwandelt. Er lenkt die menschlichen Energien, einschließlich der religiösen, auf die Akkumulation von Reichtum hin, die nicht zum Gemeinwohl wird. Oder wie es Papst Franziskus ausgedrückt und auf den Punkt gebracht hat: Er ist die „Vergötterung des Geldes” (Evangelii Gaudium, 55–57). Zwei entscheidende Herausforderungen ergeben sich angesichts dessen für die Kirche:

a) Sie selbst muss zur ungeschuldeten Gnade und zur Einfachheit des Evangeliums und des Lebensbeispiels Jesu zurückfinden und dabei auf das Faszinierende des Antichrist, auf die geistliche Weltlichkeit, verzichten;

b) Sie muss sich in prophetischem und riskantem Zeugnis selbst aufs Spiel setzen, um einen Gegenentwurf zum aktuellen Zustand antievangelischer und antichristlicher Gegebenheiten, die im Lauf ihrer Geschichte als Antichrist entstanden sind, darzustellen und ihnen gegenüber Alternativen zu eröffnen. Wer so handelt, der wird von jenem Teil, welcher heute innerhalb und außerhalb der Kirche den Antichrist verkörpert, verfolgt und in irgendeiner Form dem Martyrium zugeführt werden. [...]


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