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Leseprobe 3
Daniel Franklin Pilario
Nach dem Ende
(Post-)Apokalyptische Reflexionen vom „Ground Zero”
I. Am „Ground Zero”

Am 8. November 2013 erfasste der Taifun Haiyan, auf den Philippinen Yolanda genannt, die Visayas-Inseln auf der Seite des Pazifischen Ozeans und tötete mindestens 6166 Menschen, während 28.626 verletzt wurden und 1785 als vermisst gemeldet wurden. 3,9 Millionen verloren ihre Wohnung; die meisten von ihnen leben jetzt in Evakuierungszentren und Notunterkünften. Das psychischemotionale Trauma lässt sich indessen nicht in Zahlen ausdrücken. Die Nachrichtenagenturen und sozialen Netzwerke beschrieben Haiyan als „apokalyptischen Super-Taifun”, „Monstersturm”, „Yolanda-Katastrope”, „Ende der Welt” von einem Ausmaß, wie es die Welt in ihrer jüngeren Geschichte noch nicht gesehen hat. Doch schon am Tag eins nach der „Apokalypse”, während manche noch nach ihren Toten suchten oder mit Nahrungssuche beschäftigt waren, gingen andere daran, aufzuräumen und das Leben wieder in geordnete Bahnen zu bringen. Aufgefundene Holzklötze wurden als Pfosten errichtet, ein beschädigtes Blechdach kam wieder an seinen Platz, eine zerfledderte Flagge wurde wie als trotzige Geste erneut gehisst. Das Leben geht weiter – auch nach dem „Ende der Welt”.

Es war nicht das erste Mal, dass diese Inseln von „apokalyptischen Stürmen” heimgesucht wurden. Die Philippinen erleben jedes Jahr acht bis neun Taifune. Eine australische Zeitung vom 12. Januar 1898 hatte als Schlagzeile: „Taifun und Flutwelle auf den Philippinen – 7000 Tote”. Das schwere Unglück vom 12. Oktober im Jahr davor zerstörte dieselbe Stadt, Tacloban, bis auf die Grundfesten: 6000 Einheimische und 400 Europäer verloren ihr Leben. Das Meerwasser gelangte eine Meile weit ins Land hinein, das Gefängnis lag in Ruinen, und die Insassen entflohen. „Tausende Einheimische durchstreifen die verwüstete Provinz auf der Suche nach Lebensmitteln und medizinischer Betreuung. In vielen Fällen sind die Leichen verstümmelt, als seien sie in einer Schlacht gefallen, mit dem Ausdruck schwerster Qualen im Gesicht.” Die Geschichte wiederholte sich. Vierzehn Jahre später (1912) berichtete der Washington Herald von einem weiteren verheerenden Taifun, der dieselben Inseln traf: „Der Taifun raste über die Visayas und soll Tacloban, die Hauptstadt der Insel Leyte, praktisch völlig zerstört haben. Ebenso soll er enormen Schaden und Verluste an Menschenleben über Capiz, die Hauptstadt der Provinz Capiz, gebracht haben.” 15.000 Menschen wurden damals als tot oder vermisst gemeldet. Wie es damals war, ist es auch heute: Das Leben muss weitergehen. Und was für Samar und Leyte gilt, gilt auch für den Rest der Philippinen, wo sich verheerende Desaster häufen, seien es Taifune oder Erdbeben, Überflutungen oder Erdrutsche. Immer gibt es ein Leben nach der „Apokalypse”.

II. Den Ort der Apokalypse bestimmen

James Berger unterscheidet drei Bedeutungen des Wortes „Apokalypse”. Die erste bezieht sich auf unsere „Fantasien vom Weltende”, wie sie etwa im Buch der Offenbarung beschrieben werden, in den millenarischen Bewegungen des Mittelalters oder in Hollywood-Filmen über das atomare Harmagedon. Die zweite deutet auf tatsächliche Katastrophen hin, „die Ähnlichkeit mit dem fantasierten Weltuntergang haben”. Die Menschen halten diese tatsächlichen Ereignisse für reale Enden, Brüche oder definitive Dreh- und Angelpunkte, die das, was vorher war, von dem, was danach geschieht, scheiden. Der Holocaust oder Hiroshima sind augenfällige Beispiele dafür, und die Geschichte wird in dieser Perspektive so verstanden, dass sie zu diesen Ereignissen hinführt oder von ihnen ausgeht. Die dritte Bedeutung von „Apokalypse” bezieht sich ebenfalls auf die „interpretativ erklärende Funktion” dieser Ereignisse. Ein neues Weltverständnis entsteht daraus, oder ein neuer Wirklichkeitssinn wird offenbart, aufgedeckt, enthüllt – was uns zu den etymologischen Wurzeln von „Apokalypse” zurückführt. „Die Apokalypse”, so fasst Berger zusammen, „ist also das Ende oder ähnelt dem Ende oder erklärt das Ende.” Der „Ground Zero” des Taifuns Haiyan kann demnach als Apokalypse in der zweiten Bedeutung des Wortes betrachtet werden. In der schweren Zeit danach schlagen sich die Menschen mit der dritten Bedeutung herum: „Was will uns diese Katastrophe sagen?” [...]


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