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Leseprobe 3
Felix Wilfred
Verschiedenheit, Anerkennung und Koexistenz
Über Liberalismus und Säkularismus hinaus
Der vorliegende Beitrag zeigt, dass das Projekt der westlichen Moderne mit seinem Eintreten für die Autonomie und Freiheit des Einzelnen, für die Herrschaft der individuellen Rechte und für die Ideologie des politischen Liberalismus durchaus seine Grenzen hat und womöglich nicht imstande ist, angemessen mit dem kritischen und für unsere globale Welt so entscheidenden Thema der Verschiedenheit, Anerkennung und Koexistenz umzugehen. Im weiteren Verlauf legt der Autor dar, inwiefern die asiatischen und insbesondere südasiatischen Experimente mit Pluralität und Toleranz theoretische und praktische Elemente enthalten, die einen möglichen Rahmen für die Begegnung mit dem andersgearteten Anderen zur Verfügung stellen. Der Beitrag endet mit der Feststellung, dass Europa es sich im derzeitigen Kontext der unter den Vorzeichen von Migration und Fremdenfeindlichkeit erfahrenen Verschiedenheit nicht leisten kann, sich auf das Erbe der Aufklärung zu beschränken, sondern sich auf seine christlichen Wurzeln besinnen muss, um solidarisch und mitfühlend mit dem Anderen umzugehen. Der Autor schlägt einen fruchtbaren Dialog und Austausch zwischen dem christlichen, dem postmodernen und dem asiatischen Denken vor, der helfen kann, sich auf Verschiedenheit und Pluralität als die globale Herausforderung unserer Zeit einzulassen.

Vor vielen Jahren, in den 1970ern, fiel mir als Student in Italien eine Postkarte in die Hände, auf der die führenden Politiker der damaligen Zeit – Charles de Gaulle, Aldo Moro, General Franco, Willy Brandt, Leonid Breschnew und andere – als Fußballteam in Shorts und Trikots abgebildet waren. Papst Paul VI. war der Torwart, und auch er trug Shorts wie die übrigen Mitspieler. Ich erinnere mich nicht, dass sich nennenswerter Protest erhoben hätte, weil der Papst auf diese Weise dargestellt worden war. Ist das ein Zeichen für den Sieg des westlichen Säkularismus etwa im Gegensatz zu den Reaktionen auf Salman Rushdies Satanische Verse? Manche sind vielleicht stolz auf diesen westlichen Säkularismus. Doch das ginge am Kern der Sache vorbei. Nicht der Säkularismus ist der Grund dafür, dass Europa sich über eine solche Darstellung einer geheiligten Person nicht empört – der eigentliche Grund ist wahrscheinlich die prämoderne Tradition des Karnevals. Der Karneval war ein spielerischer Ulk, den man mit dem Geheiligten trieb, eine Verkehrung der bestehenden Ordnung, und sollte dazu beitragen, die Gesellschaft im Gleichgewicht zu halten. Doch wenn man glaubt, Europas karnevalistische oder säkulare Tradition verallgemeinern zu können, und erwartet, dass andere Religionen in ähnlich gelagerten Fällen ebenfalls nicht reagieren, dann ist dies ein klares Zeichen dafür, dass man nicht weiß, was Säkularismus in anderen Teilen der Welt bedeutet. Nur weil der Islam solche Darstellungen nicht erlaubt, ist er nicht weniger liberal. Und umgekehrt ist der Hinduismus nicht liberaler, weil er kein Problem damit hat, sogar seine Göttinnen nackt abzubilden. Das Einzige, was wir sagen können, ist, dass die Religionen unterschiedlich sind; und die Kulturen ebenso. Sie haben dazu beigetragen, die Identitäten von Nationen, Gruppen und Völkern zu formen. Das ist wichtig, wenn wir uns in der Frage der Verschiedenheit und Koexistenz irgendwie einig werden wollen.

Vielfalt, Toleranz und Koexistenz sind ein wesentlicher Bestandteil der Menschheitsgeschichte. Sie konfrontieren jede Epoche immer wieder aufs Neue mit Herausforderungen und Fragen, die in Angriff genommen werden müssen. Um sie zu lösen, bedarf es neuer Bezugsrahmen und Theorien. Im vorliegenden Artikel möchte ich darüber nachdenken, weshalb die Theorie des Liberalismus und seine Version des Säkularismus nur einen begrenzten Beitrag zur menschlichen Koexistenz leisten können, und aufzeigen, dass wir – vor allem im Fall Europas – nach alternativen Bezugspunkten suchen müssen. Dabei stütze ich mich auf Experimente in Asien. Ich nenne sie „Experimente”, weil es anmaßend wäre, diese Unternehmungen als ideales Vorbild hinzustellen. Vielleicht aber können diese Experimente dennoch in der einen oder anderen Hinsicht für Europa und den Rest der Welt hilfreich sein. [...]


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