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Leseprobe 3
Daniel Franklin Pilario / Luiz Carlos Susin / Diego Irarrázaval
Passionsrituale, Gewalt und Mitleiden
I. Einleitung

Opferrituale gehören seit den frühesten Gesellschaften zu den Religionen. Die beiden Hauptformen dieser Rituale sind die Darbringung des Wertvollsten (zum Beispiel für Heilige im Volkskatholizismus) und Blutopfer. In Sammlergesellschaften sind die Opfergaben Speise und Trank, die meist den Göttern dargeboten und von den Gläubigen miteinander genossen werden. Die Darbringung dessen, was als besonders wertvoll angesehen wird (materielle Güter, geistige und körperliche Energie usw.), kommt im Christentum und anderen Religionen vor. In manchen Weltgegenden sind die blutigen Opferrituale, die ihren Höhepunkt in der Karwoche haben, dramatischer und spektakulärer, zumal sie noch von den Medien zusätzlich sensationslüstern dargestellt werden. Die Passionsrituale nehmen verschiedene Formen an: lange Prozessionen, Rutschen auf den Knien, Selbstgeißelung, ja sogar „Kreuzigung” – diese Praktiken stellen eine seltsame Mischung von Gebräuchen der iberischen Halbinsel in der Barockzeit und indigenen Ausdrucksformen von Frömmigkeit und Verehrung dar.

Es gibt keine klare Schablone für das Verständnis dieser Praktiken in den Gesellschaftswissenschaften.Nimmt man das Risiko in Kauf, allzu sehr zu vereinfachen, kann man jedoch vier Haupttendenzen des Verständnisses von Ritualen unterscheiden: als Repräsentation, in ihrer gesellschaftlichen Funktion, als Mystifizierung und als Transformation.

Ungeachtet ihrer theoretischen Differenzen stimmen frühere Evolutionsanthropologen und in jüngerer Zeit Semiotiker wie Geertz terminologisch darin überein, dass Rituale Repräsentationen verborgener kultureller Sinngehalte sind. Um einen berühmten Ausdruck zu gebrauchen: Rituale werden als „Schlüssel zur Kultur” betrachtet. Ursprüngliche religiöse Rituale sind Codes, von denen her sich unzureichend artikulierte Glaubenssysteme (James Frazer) entdecken lassen, „Speicher-Systeme” machtvoller Symbole, die eine bestimme Weltanschauung vermitteln (Edmund Leach), oder „Netze von Zeichen”, die unserer Deutung harren (Clifford Geertz). Diese intellektualistisch-symbolische Sichtweise betrachtet rituelle Handlungen als Neuinszenierung der Weltanschauung eines Volkes, von Werten oder einem Sinn, wie man sie entweder in alten Mythen oder im zeitgenössischen Ethos findet.

Doch Riten symbolisieren nicht einfach passiv die Welt. Sie erfüllen auch aktiv eine gewisse gesellschaftliche Funktion. Die funktionalistisch-strukturalistische Schule betrachtet Religion und Rituale als Mechanismen dauerhaft bestehender gesellschaftlicher Solidarität und Integration. Ihre Inszenierung schafft gemeinschaftliche Identitäten und stärkt das „kollektive Gewissen” (Emile Durkheim). Dies trifft auf höhere religiöse Erfahrungen zu, aber gleichermaßen auf alltägliche rituelle Interaktion wie Sex oder das verbreitetste Ritual des Essens und Trinkens, das die emotionale Energie hervorbringt, welche für den sozialen Zusammenhalt und das feste soziale Gefüge notwendig ist (Randall Collins). Rituale sind für das Überleben der Gesellschaft notwendige Mechanismen. Tatsächlich stellen sie auch eine konservative Kraft dar, die den Status quo auf Dauer stellt und reproduziert.

Eine Kritik, die marxistische Elemente aufnimmt, thematisiert auch philosophische, gesellschaftspolitische und ökonomische Mystifizierung (Fetischismus innerhalb der Religion). Der oft zitierte Ausdruck „Opium des Volkes” folgt der Kritik der Religion als sozialer Protestation (Thesen gegen Feuerbach). Zeitgenössische Denker marxistischer Tendenz analysieren Rituale im Gegensatz zu den Symbolisten und Funktionalisten gleichermaßen als eine sich durchgehend behauptende Ideologie, die ungeachtet der Veränderungen der politischen und ökonomischen Umstände die Zeiten überdauert (Maurice Bloch). Rituale – bei Bloch geht es konkret um die Beschneidung des Volkes der Merina in Madagaskar – stellen die „Autorität der Älteren” auf Dauer und bleiben im Übergang von einem Herrschaftssystem zum anderen in hohem Maße anpassungsfähig. Der Akt der Ritualisierung mystifiziert nicht nur die reale Situation, sondern verstärkt im Habitus der Menschen die asymmetrische Struktur der realen Welt (Pierre Bourdieu). [...]


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