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Leseprobe 2
Michel Beaudin
Die verkannte Opferlogik des neoliberalen Kapitalismus und seine unmögliche theologische Legitimation
Franz J. Hinkelammert gewidmet

Mein Interesse an der Opferthematik wurde durch die Ökonomie geweckt, und zwar insbesondere durch zwei Beobachtungen, die ich Anfang der 1980er Jahre gemacht habe, als ich im Rahmen der Erziehung zur Solidarität mit den Bevölkerungen des Südens arbeitete. Zunächst fiel mir auf, dass die Agrar- und Ernährungssituation dieser Länder sich proportional zu ihrer Integration in den Weltmarkt verschlechtert hatte. Das brachte mich auf den Gedanken, dass der Logik des neoliberalen Kapitalismus, der dort infolge von außen auferlegter Strukturanpassungen bereits wütete, ein Opfercharakter innewohnt.

Außerdem stellte ich fest, dass die Fakten und Zahlen der Ungerechtigkeit immer weniger mobilisierende Empörung auslösten und dass, allgemeiner gesprochen, es dem neuen Kapitalismus gelang, trotz seiner so offensichtlich verheerenden Auswirkungen jede andere strukturelle Alternative im Keim zu ersticken. Er musste also, so dachte ich bei mir, von geheimen und machtvollen Kräften getragen sein, die sich den gängigen, allzu sehr auf die operative Dimension des Systems ausgerichteten Methoden der kritischen Analyse entzogen. Diese Situation erforderte andere, nicht-ökonomische „Blickwinkel”.

Als ich mich daraufhin aufmachte, den neoliberalen „Nebel” zu erkunden, stieß ich auf das Denken von Karl Polanyi, von René Girard und seinen Freunden, die seine Hypothesen über die kapitalistische Ökonomie auf den Prüfstand stellten, und schließlich – für meine weitere gedankliche Entwicklung besonders wichtig – auf den Wirtschaftstheoretiker und Theologen Franz J. Hinkelammert und seine Überlegungen zum Verhältnis zwischen Theologie und Ökonomie und zur Verwurzelung des Kapitalismus in einer Tradition, die das Christentum unter dem Aspekt des Opfers interpretiert.

Seither beschäftige ich mich mit einem Neoliberalismus, der auch die Gesellschaften des Nordens heimgesucht und nicht einmal dort seine Versprechen gehalten hat. Er hat die Ungleichheiten verschärft, die Unsicherheit vergrößert und Hoffnungslosigkeit gesät. Überall scheint er zu weit gegangen zu sein und unverletzliche Grenzen überschritten zu haben, was ihn vielleicht zu Fall bringen könnte. Das Menschliche fühlt sich überrollt, im Innersten erschüttert. Es hat eine vielfältige, radikale, heimtückische und giftige Bedrohung heraufbeschworen, die mit geschlossenem Visier weiter auf dem Vormarsch ist und irreparable Zerstörung anrichten könnte. Dieser Schatten, der sich auf unsere Welt legt, neigt wie ein Nervengas dazu, jedwede Reaktion zu lähmen – außer der Gefühllosigkeit, des individualistischen „Rette sich wer kann”, der Flucht und, zuweilen noch schlimmer, der Verachtung für die „Verlierer”. Deshalb ist es so wichtig, einen „erhöhten Punkt” zu finden, einen Standpunkt, von dem aus wir uns wieder über die drohende Entmenschlichung und ihre Normalisierung empören und Halt finden können, um uns neu und anders zu konstruieren.

Angesichts dieses Unbehagens, das unserer Gegenwart aus allen Poren bricht, möchte ich mich der Frage der Opferlogik in der Ökonomie zunächst von der anthropologischen Seite her nähern. Das Opfer nämlich existiert nicht isoliert oder im luftleeren Raum, sondern als Bestandteil einer strukturierten Dynamik. Auf derselben gedanklichen Linie werde ich sodann eine andere Konfiguration untersuchen: eine „Soteriologie”, die die zeitgenössische Ökonomie strukturiert. Und schließlich werde ich die erzielten Resultate aus „religionslogischer” Sicht noch einmal aufgreifen und eine Opferlogik aufdecken, die – im Schoß des Neoliberalismus aus einer ganz unerwarteten Kombination dreier Denkansätze entstanden – allgegenwärtig und dennoch unerkannt am Werk ist. Sie ist ein Schlüssel zum Subtext jener paradoxen Dynamik, die unsere heutige Welt antreibt. [...]


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