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Leseprobe 3
Ramón Cao Martínez
„Das verborgene Geheimnis meiner vollkommenen Identität”
Ein Blick auf die Heiligkeit ausgehend von den Schriften und dem Leben Thomas Mertons
In einer Frühlingsnacht des Jahres 1939 fragte Robert Lax, ein enger Freund Thomas Mertons, den erst vor Kurzem Bekehrten direkt: „Was möchtest du eigentlich werden?” Tom gab zur Antwort: „Ich weiß es nicht. Ich glaube, ich möchte ein guter Katholik werden.” Doch da es ihm nicht gelang zu erklären, was er darunter verstand, gab ihm Bob zu verstehen, dass seine Antwort hätte lauten müssen: „Ich will ein Heiliger werden.” Tom erwiderte konsterniert: „Wie kann ich nach deiner Meinung ein Heiliger werden?” – „Indem du es willst”, sagte Lax einfach. Angesichts des Widerstrebens Mertons fügte sein Freund hinzu: „Wer ein Heiliger werden will, muss es notwendigerweise wollen. Glaubst du nicht, dass Gott dich zu dem machen wird, wofür er dich geschaffen hat, wenn du darin einwilligst?” Lax sagte, das Einzige, was ein Mensch benötige, um ein Heiliger zu werden, sei, dass er es werden wolle.

Diese letzten Worte bringen in Kurzform das zum Ausdruck, was das Leben Mertons und sein Dasein als spiritueller Lehrmeister fortan ausmachen sollten: einen Versuch, seine wahre Identität, sein wahres, von Gott gewolltes Ich zu entdecken und einen entschlossenen Willen, es so vollkommen wie möglich zu verwirklichen – und auch das Engagement, den anderen zu dieser Entdeckung und Verwirklichung zu verhelfen.

Heilige aus Gips oder aus Fleisch und Blut?

Während Merton seinen eigenen Weg der absoluten Hingabe an Gott zu finden versuchte (Eintritt in einen Orden?, Sozialarbeit in Harlem?) und dabei dem berühmtesten Aphorismus Léon Bloys zustimmte („Die einzige Traurigkeit besteht darin, nicht heilig zu sein”), widmete er sich einiger Lektüre, die ihn dem Phänomen der Heiligkeit näherbrachte. Er las die Biografien von Jeanne d‘Arc, Franz von Assisi, vom heiligen Benedikt und von Giovanni Bosco; vor allem aber las er die stark von Erfahrung gesättigten Texte von Augustinus, Ignatius von Loyola, Teresa von Ávila und Johannes vom Kreuz. Bald entdeckte er, dass in diesen Personen etwas mehr zu finden war, als die traditionellen Hagiografien und die Volksfrömmigkeit erkennen ließen. Die Profile und Formate von Heiligkeit sowie die Wege, die zu ihr führten, waren so verschieden und zahlreich wie die Menschen, aus denen die Menschheit besteht. Merton schreibt: „Es ist ein wundervolles Erlebnis, einen neuen Heiligen zu entdecken [...] Kein Heiliger gleicht dem andern, aber alle gleichen Gott. Jeder gleicht Ihm auf seine eigene Weise. Hätte Adam nicht gesündigt, so wäre das ganze Menschengeschlecht eine Folge von wundervoll verschiedenen, herrlichen Ebenbildern Gottes: Jeder der Millionen Menschen hätte einen neuen, erstaunlichen Beweis für die Herrlichkeiten und Vollkommenheiten Gottes geliefert. Jeder wäre in seiner eigenen, besonderen Heiligkeit erstrahlt, die ihm von Ewigkeit her, als vollkommenste, unvergleichliche, übernatürliche Vollendung seiner menschlichen Persönlichkeit bestimmt waren.”

Die Entdeckung der heiligen Thérèse von Lisieux übte einen überaus starken Einfluss auf ihn aus. Er bezeichnete sie als ein großes Geschenk und zugleich als eine der größten und begrüßenswertesten Demütigungen seines Lebens. Zunächst war er darüber konsterniert, dass ein junges Mädchen aus einem bürgerlichen Milieu des 19. Jahrhunderts von mittelmäßigem geistigen Horizont und einer Zuckergussästhetik ohne sich selbst zu verleugnen zur Heiligkeit gelangen konnte. Und dann erstaunte es ihn, dass er selbst – mit seiner künstlerischen Ader, als Bohemien mit antibürgerlicher Haltung – die psychologischen Widerstände überwinden konnte, die eine Gestalt mit solchen Charakterzügen bei ihm hervorrufen musste, und dass er sogar zu einem ihrer glühenden Verehrer wurde. Möglicherweise haben Merton einige der Urteile Søren Kierkegaards beeinflusst, von dessen Entdeckung er sich in jenen Tagen beeindrucken ließ. So etwa die Vorstellung des Dänen, derzufolge die größten Heiligen wahrscheinlich den Anschein erwecken, die dümmsten Bürger zu sein. [...]


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