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Leseprobe 2
Luiz Carlos Susin
Heiligkeit und Marginalisierung
Nachdem Jesus das Gleichnis von den zwei Söhnen erzählt hatte – von dem einen, der sagte, dass er den Willen des Vaters tun werde, und es dann doch nicht tat, und von dem anderen, der sagte, er werde seinen Willen nicht erfüllen, es aber dann tat –, schließt Jesus mit einer für jegliche formalistische Religion aller Zeiten skandalösen Behauptung: „Wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner und Huren gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt nicht an ihn geglaubt. Die Zöllner und Huren haben an ihn geglaubt. Ihr hingegen habt dies gesehen und habt nicht einmal neu darüber nachgedacht, an ihn zu glauben.” (Mt 21,31b–32) Wenn wir uns an die Kriterien der Frohbotschaft Jesu halten, dann entscheiden das Reich Gottes und das Eingehen in dasselbe über die christliche Heiligkeit. Und genau hierin besteht der Skandal: Jesus gesteht den Huren mehr Heiligkeit zu als den religiösen Führern, von denen man das beste Beispiel in dieser Hinsicht erwarten sollte. Und darum geht es in diesem Beitrag: Ich beginne mit der Beschreibung einiger Fälle von „heiligen Huren” des Volkskatholizismus, identifiziere diese Heiligkeit inmitten der Promiskuität und der Gewalt unserer Tage und schreite von da aus fort zu einer umfassenderen Reflexion über den Zusammenhang zwischen Heiligkeit und Ausgrenzung, was den Skandal und die Verrücktheit im Herzen des Glaubens und der christlichen Erfahrung von Heiligkeit mit einbezieht (vgl. 1 Kor 1).

I. Die „heiligen Huren” Südbrasiliens

Eine sozialanthropologische Studie, die sich besonders mit dem Phänomen des „Euhemerismus” oder der mythischen Erhöhung von Menschen aus Fleisch und Blut in den Rang der Heiligkeit beschäftigt, bildet den Ausgangspunkt für Überlegungen zum Zusammenhang von Heiligkeit und Marginalisierung. Es geht um drei Fälle volkstümlicher Verehrung im Bundesstaat Rio Grande do Sul im äußersten Süden Brasiliens, der eine gemeinsame Grenze mit Uruguay und Argentinien hat. Der Autor wählte als Titel seiner anthropologischen Studie einen ungewöhnlichen Ausdruck: Die heiligen Huren. Vom Gesichtspunkt der Verehrung aus untersucht er die Fälle von drei Frauen, die genau genommen weder Heilige noch Huren sind, sondern eine Mischung beider Lebensformen repräsentieren und sich so außerhalb der institutionalisierten Normen stellen, dass ihr Leben von der Gesellschaft nicht als richtig angesehen wird; doch es handelt sich in gewissem Sinne um gelebte Heiligkeit, die aufgrund der Güte, der Hilfe für die Armen und Bedrängten noch während des Lebens und aufgrund von Wundern und Gnadenerweisen nach dem Tod anerkannt wird.

Hierzu ein wenig Hintergrundinformation: An der Grenze zwischen Rio Grande do Sul und Argentinien liegt die Stadt São Borja, die aus einer Jesuitenmission hervorgegangen ist. Hier wird Maria do Carmo ausdrucksstark verehrt. In der Stadt São Gabriel im Zentrum des Bundesstaates bewahrt die Verehrung die Erinnerung an Maria Isabel, die auch einfach a guapa („die Schöne”) genannt wird, weil sie höchstwahrscheinlich aus Uruguay stammt und deshalb den spanischen Rufnamen aufgrund der Tatsache erhielt, dass sie schön war. Die dritte der Frauen kann man in der Hauptstadt des Bundesstaates finden, in Porto Alegre, und zwar in einer Favela (das heißt einem Elendsviertel), die ihren Namen trägt: Maria da Conceição, die lange Zeit auch aufgrund des gewaltsamen Todes, den sie erlitten hat, Maria Degolada genannt wurde. Diese Favela befindet sich ironischerweise im Stadtteil, der Parthenon genannt wird.

Was haben die Geschichten der drei Frauen gemeinsam? Sie lebten Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts in derselben Region, die sich durch eine starke militärische Präsenz auszeichnete. Abgesehen davon, dass sie alle drei Maria hießen, was innerhalb einer christlichen Kultur auf die Mutter Jesu verweist, lebten alle drei, wenn sie nicht im engeren Sinne Huren waren, promisk und waren die Liebhaberinnen von Angehörigen des Militärs. Zwei waren Chefinnen von Bordellen und zeichneten sich durch eine fast mütterliche Fürsorge für die „Mädchen” ihrer Bordelle aus. Ihren Einfluss und ihre finanziellen Mittel verwandten sie für Kinder, Arme und Bedürftige. Alle drei wurden, abgesehen davon, dass sie gute Menschen waren, als sehr schön befunden, was verhängnisvolle Eifersüchteleien hervorrief. Sie starben jung und eines gewaltsamen Todes von ausgesuchter Grausamkeit, durch ein Messer oder eine Feuerwaffe, von Hand ihrer Liebhaber oder der Frau eines Liebhabers in einem Anfall von Eifersucht. Ihr Tod wurde von den ärmsten Bevölkerungsschichten als Unrecht empfunden, das zum Himmel schreit. [...]


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