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Leseprobe 2
Wonhee Anne Joh
Trauer und der Anspruch auf Trauer
Der postkoloniale Spuk des Kreuzes
„Offene Trauer geht mit Zorn einher, und Zorn angesichts von Ungerechtigkeit oder angesichts unerträglicher Verluste hat ein enormes politisches Potenzial. [...] Ganz gleich, ob es um offene Trauer oder um Zorn geht – beides sind affektive Reaktionen, die von der Macht mit Nachdruck reguliert und manchmal auch ausdrücklich zensiert werden.”
Judith Butler, Raster des Krieges: Warum wir nicht jedes Leid beklagen

„Die Emotion ist eine bestimmte Weise, die Welt zu verstehen.”
Jean-Paul Sartre, Esquisse d’une théorie des émotions

Seit über zwei Jahrzehnten breitet sich der Begriff „postkolonial” vor allem unter US-amerikanischen Akademikern kontinuierlich aus. Die meisten postkolonialen Theoretiker reagieren allerdings mit Unbehagen und Skepsis und würden am liebsten Warnschilder aufstellen angesichts des möglichen Missverständnisses, das „post” in „postkolonial” verweise auf die Vorstellung – oder perpetuiere sie gar –, koloniale Projekte gehörten der historischen Vergangenheit an. Ich habe mich in meinen theologischen Schriften auf die postkoloniale Theorie verlegt, um zu untersuchen, auf welchen einander überschneidenden Wegen Gender, Rasse, Sexualität und Wirtschaft zu jener Gewalt und jenen Verletzungen beigetragen haben, die das Kernstück kolonialer Projekte bilden. Die postkoloniale Theorie befasst sich nicht nur mit der Ausbeutung anderer Völker und der Kolonialisierung von Land, Rohstoffen und Wissensproduktion, um nur einige Stätten der Zerstörung zu nennen, sondern auch mit den Spuren, die strukturelle und systematische Kolonialisierung im inneren, psychischen Raum derer hinterlässt, die in die Reichweite der Kolonialisten und ihrer Welt geraten. Diese aggressive und unweigerlich auf Dominanz ausgerichtete imperiale Reichweite hinterlässt zerstörte Welten. Doch auch in den Ruinen dieser Welten gibt es Zeichen von Leben. Nur wenn wir geltend machen, dass das „post” in „postkolonial” nicht den vorsätzlich falschen Anspruch impliziert, wir hätten das Koloniale mittlerweile überwunden, nur dann kann die postkoloniale Theorie einen nennenswerten Beitrag zu der noch immer unerfüllten Aufgabe der Entkolonialisierung leisten, indem sie betont, dass Zerstörung niemals vollständig ist, und so die Rahmenbedingungen schafft, um „sich Andersheit aus dem Inneren der Unterordnung vorzustellen”.

Im Gefolge früherer antikolonialer und entkolonialisierender Bewegungen, die sich seit Beginn der 50er und 60er Jahre auf internationaler Ebene herausgebildet haben, hat die postkoloniale Theorie die Sinne des postkolonialen Widerstandsgeists geschärft. In vielerlei Hinsicht versucht die postkoloniale Theorie nicht nur, die fortdauernde koloniale Spaltung zu verstehen, sondern erforscht auch die unterschiedlichen Methoden, mittels deren die koloniale Macht zirkuliert, entsteht, wiedererstarkt und sich somit selbst regeneriert. Als politischer Diskurs kritisiert und problematisiert die postkoloniale Theorie ferner die immanenten Grenzen und Mängel von Begriffen, die koloniale Projekte tragen und rechtfertigen wie Demokratie, Gerechtigkeit, Freiheit, Zivilisation, Rechte und sogar Erlösung.

Während die Theologen die postkoloniale Theorie einsetzten, um Mimikry und Hybridität zu pluralisieren, zu popularisieren, zu kritisieren oder auch zu zelebrieren, haben sie eine wichtige Dimension der postkolonialen Erfahrung, die ebenfalls in Betracht gezogen werden muss, nicht angesprochen. Diese Dimension tritt, wie ich glaube, vor allem durch eine postkoloniale Neuinterpretation des Kreuzes ins Blickfeld, und sie könnte sich erheblich auf Strukturen der Gewalt auswirken, die zyklisch immer wieder neu Gewalt generieren und regenerieren. Es ist denkbar, dass der Affekt der Kolonialisierung in einer Weise umgeht, die dem ähnelt, was Raymond Williams als „Gefühlsstruktur” beschreibt. Der vorliegende Beitrag ist ein kurzer einleitender Versuch, das, worin diese Gefühlsstruktur möglicherweise besteht, am Beispiel eines bestimmten Kreuzes zu benennen und gleichzeitig deutlich zu machen, dass diese Gefühlsstruktur sich eben nicht nur auf dieses eine Kreuz beschränkt, sondern alle Kreuze kennzeichnet, mittels deren Leid zugeteilt und in deren Ruinen Widerstand auferweckt wurde. [...]


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