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Leseprobe 3
Luc Reychler / Jacques Haers
Versöhnung: Was lehrt uns die Konfliktforschung über Versöhnung?
In menschlichen Gesellschaften sind Konflikte ein Anzeichen dafür, dass Spannungen in Gewalt umgeschlagen sind. Wie können wir dies verhindern, ohne zugleich das kreative und konstruktive Potential gesellschaftlicher Spannungen zu vergeuden? Und was ist zu tun, wenn die Gewalt zyklisch wiederkehrt und von Mal zu Mal zunimmt? Ist es möglich, aus dem entstandenen Leid zu lernen und das Zusammenleben nachhaltig wiederherzustellen? Wie interagieren die verschiedenen Akteure? Sind es Gegenspieler, die einander in zähem Wettstreit gewaltsam zu beherrschen suchen? Oder werden sie zu Protagonisten eines gemeinsamen Ringens um ein würdiges und nachhaltiges Zusammenleben? Kann Unterschiedlichkeit zu einer Chance und Bereicherung für alle werden, oder ruft sie zerstörerische Ängste vor dem Anderen hervor und zwingt die Menschen in die Defensive und damit letztlich in eine verhärtete, exklusive – und ebendeshalb gefährliche – Auffassung von der eigenen Identität? Der Appell, wieder harmonischere Beziehungen aufzubauen und den Mechanismus einer sich aufschaukelnden Gewalt zu unterbinden, ist gerade dann dringend notwendig, wenn Unterschiede in Gewalttaten umgeschlagen sind: Ist ein nachhaltiger Friede möglich? Hier kommt der Einsatz für Versöhnung im Sinne erneuerter konstruktiver und gemeinschaftlicher Beziehungen, von denen alle profitieren, zum Tragen: Darin konkretisiert sich der Wunsch, die Gewalt zu überwinden und neue Wege zur Schaffung von Gemeinschaft zu erforschen, damit die Leiden der Vergangenheit auf konstruktive Weise bewältigt und realistische Garantien für ein friedliches Zusammenleben geleistet werden.

Religionen lehren Versöhnung, und die Konfliktforschung kann von ihnen lernen. Aber sind die Religionen selbst überhaupt zur Versöhnung fähig? Ist es nicht vielmehr so, dass gerade die Religionen allzu oft Gewalt provozieren und schüren, weil sie im Schmelztiegel der Vielfalt verhärtete defensive Identitäten geltend machen? Freilich wird nicht jeder die Religion so negativ bewerten. Friedensforscher wie John-Paul Lederach oder R. Scott Appleby unterstreichen die konstruktive Rolle der Religionen bei der Konflikttransformation. William T. Cavanaugh zufolge basiert der Begriff der „religiösen Gewalt” auf dem Missverständnis, „die Religion sei ein übergeschichtlicher und kulturenübergreifender Bestandteil des menschlichen Lebens, der sich klar von ,weltlichen’ Merkmalen wie Politik und Ökonomie unterscheide und eine besonders gefährliche Tendenz in sich trage, Gewalt zu begünstigen”. Ist dies nicht in Wirklichkeit ein Mythos, mit dem die Gesellschaften ihre heimliche Agenda bemänteln wollen, um ihre eigene weltliche, soziale, politische und wirtschaftliche Gewalttätigkeit zu verbergen?

Viele historische und aktuelle Beispiele lehren uns, dass die Religion in gewaltsamen Konflikten sehr unterschiedliche Rollen spielen kann. Sie kann sie schüren, indem sie gegensätzliche Identitäten zementiert, oder Perspektiven der Konflikttransformation eröffnen, indem sie Mittel und Wege zu ihrer friedlichen Lösung aufzeigt. Die offiziellen Vertreter der Religionen spielen hier eine ebenso entscheidende Rolle wie die Bemühungen und Initiativen an der Basis. Zudem werfen gewaltsame Konflikte Fragen nach Leben und Tod auf. Sie lösen religiöse Empfindungen aus und spornen die Konfliktparteien ebenso wie die Friedenshelfer an, Ressourcen zu mobilisieren, um die traumatischen Folgen gewaltsamer Konflikte zu überwinden und kreative Mittel der Friedenskonsolidierung zu erproben. Religion stellt – zum Besseren oder zum Schlechteren hin – in Konfliktsituationen einen wichtigen Faktor dar. Die Frage ist, wie die religiösen Ressourcen genutzt werden und wie die Religionen mit der Unterschiedlichkeit umgehen. Werden die Anderen als bedrohliche Rivalen oder als überraschende Offenbarungsweisen des Göttlichen wahrgenommen? [...]


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