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Leseprobe 2
Paul de Bruyne / Yves de Maeseneer
Geheime und heilige Orte
Die Rolle der Kunst im Prozess der Versöhnung
Auf welche Weise und weshalb kann die Kunst für den Prozess der Versöhnung von Bedeutung sein? Häufig wird der Kunst das Potenzial nachgesagt, neue Formen hervorzubringen, unsere Vorstellungskraft zu erweitern oder sogar Zeit und Raum umzugestalten. Die Kunst erschafft eine Zeit und einen Raum des Erinnerns, des Klagens, des Vergebens, des Heilens und ermöglicht den Blick in eine neue Zukunft. In diesem Artikel beginnen wir mit der Untersuchung eines konkreten Beispiels, welche Rolle das Theater in der Zeit nach Beendigung eines Krieges spielen kann. Diese Untersuchung ist aus dem Zusammentreffen der Perspektiven der beiden Verfasser erwachsen: eines Theaterdirektors und Bühnenautors sowie eines Theologen.

I. We Carried Your Secrets (2009): I. Theater im Dienst der Versöhnung


Der Konflikt in Nordirland (der britischen Provinz Ulster auf der irischen Insel) besitzt eine komplexe Vorgeschichte. Der „Konflikt” hat zwischen 1968 und 1998 mehr als dreitausend Menschen das Leben gekostet. Vereinfacht gesagt gibt es in diesem Konflikt drei verfeindete Parteien: die katholischen Nationalisten, die protestantischen Unionisten und – eigentlich über den beiden Konfliktparteien stehend – die nordirischen Polizeikräfte und die britische Armee. Der „Konflikt” wurde mit dem Karfreitagsabkommen 1998 beigelegt.

Natürlich hat dieser Friedensvertrag nicht automatisch zur Versöhnung zwischen den Konfliktparteien geführt. Das durch den Konflikt verursachte Leid, der Schmerz über den Verlust von Freunden und Verwandten, die Enttäuschung über den politischen Kompromiss oder kurz gesagt das Nachkriegstrauma dauern bis heute an. Viele vor allem jüngere Menschen wünschen sich Versöhnung, aber es ist fraglich, auf welche Weise sie erreicht werden kann. In den Augen derer, die für Politik und Kultur verantwortlich sind, bestand ein möglicher Weg zur Erreichung dieses Ziels darin, ein Stück wie We Carried Your Secrets („Wir trugen eure Geheimnisse”, 2009) zu schreiben und aufzuführen. An diesem Stück waren Mitglieder aller Konfliktparteien beteiligt: Nationalisten, Unionisten, Polizisten sowie junge Menschen, die lediglich die Geschichte des Kampfes kennen, jedoch mit seinen Folgen leben müssen. Letztere müssen die Bürde der Geheimnisse vergangener Generationen tragen, und oft brechen sie unter dieser Last zusammen. Die amerikanische Theaterdirektorin Teya Sepinuck wurde aufgrund ihrer Arbeit in den USA, in der sie den Stummen der Gesellschaft wie Flüchtlingen, Opfern und Tätern häuslicher Gewalt, Obdachlosen, Gefangenen usw. eine Stimme verliehen hatte, ins nordirische Londonderry eingeladen. Indem sie den Aussagen aller beteiligten Parteien eine künstlerische Plattform bot, leistete ihr 1986 begonnenes Projekt Theatre of Witness („Zeugen-Theater”) in unterschiedlichen Zusammenhängen einen Beitrag zum Heilungs- und Versöhnungsprozess, zum Prozess der Humanisierung der Unterdrückten und ihrer Unterdrücker. Bei Sepinucks Methode werden private, ausführliche Interviews mit Menschen geführt, die unmittelbar am Konflikt beteiligt waren. In Nordirland führte sie über vierzig solcher Interviews. Unter den Interviewten wählt Sepinuck einige (in diesem Fall sieben) Menschen aus, die sich auf den langen Weg machen, eine Theateraufführung zu gestalten. Dies ist ein heikler Prozess, weil sich die Mitwirkenden in diesem Rahmen dazu entschließen, ihren „Feinden” einige ihrer geheimsten Erlebnisse mitzuteilen, obwohl sie diese Traumata noch nicht einmal Freunden, Verwandten und manchmal auch sich selbst eingestanden haben. [...]


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