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Leseprobe 2
Elsa Tamez
Die führende Rolle der Frauen im Neuen Testament
Die Führungsrolle von Frauen und Männern in den Anfängen des Christentums lässt die Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern erkennen. In der Vergangenheit hat man die führende Rolle der Männer aufgrund der Tatsache hervorgehoben, dass diese in den Texten stärker vorkommen. Man kennt sie mit Namen und weiß um ihre Taten. Die Frauen hingegen tauchen weniger oft auf, und nur wenige werden namentlich erwähnt. Darüber hinaus finden sich in einigen Briefen Aussagen, die sich gegen eine Führungsrolle der Frau wenden (vgl. 1 Tim 2,11f; 1 Kor 14,34f), und die Haustafeln, die der Frau einen untergeordneten Platz zuweisen (vgl. Eph 5,21–33; 1 Petr 3,1–7). Dennoch gibt es eine große Zahl führender Frauen zu Beginn des Christentums, und zwar mehr, als wir uns vorstellen können. Doch um eine solche Behauptung aufstellen zu können, muss unsere Bibellektüre gründlich sein und sich der „Hermeneutik des Verdachts” bedienen, wie man dies in Lateinamerika zu nennen pflegt, oder der „Exegese des Schweigens”, wie Carla Ricci dies nennt.

Ein Schlüssel zum besseren Verständnis der führenden Rolle der Frauen im Neuen Testament besteht darin, ihre Teilnahme während der verschiedenen Perioden des Anfangs des Christentums zu beobachten. Dies ermöglicht es nicht nur, sie innerhalb einer jeden Periode sichtbar zu machen, sondern auch zu verstehen, warum die Frauen in einigen Texten als Führungsgestalten akzeptiert und in anderen bewusst als solche ausgegrenzt werden.

Traditionellerweise hat man drei Phasen unterschieden2: die Phase der Jesusbewegung, die Jesu Wirken in Galiläa und Jerusalem umfasst; die apostolische Zeit, das heißt die Zeit der Verbreitung des Evangeliums durch die Apostel bis zum Krieg gegen die Römer (30–70 n. Chr.); die nachapostolische Zeit (70–110 n. Chr.), in der die Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu, des Christus, die Synagogen verließen und Gemeinden gründeten und in der am Ende des ersten Jahrhunderts der Institutionalisierungsprozess begann. In diesem Beitrag werden wir die Führungsrolle der Frauen in jedem dieser Zeitabschnitte analysieren. Dies wird uns eine Vorstellung von ihrer Macht in einer Zeit vermitteln, in der Führungsaufgaben von der römischen Kultur einzig und allein dem männlichen Geschlecht vorbehalten waren.

Die Ereignisse des ersten Zeitabschnitts lesen wir in den vier Evangelien, die des zweiten in den sieben echten Paulusbriefen und in der Apostelgeschichte, die des dritten in den übrigen Schriften des Neuen Testaments. Bevor wir uns einem jeden Zeitabschnitt gesondert zuwenden, ist es wichtig, zwischen den Ereignissen an sich und den Texten zu unterscheiden, die diese Ereignisse festhalten, da ja mit Ausnahme der sieben echten Paulusbriefe und der Spruchquelle Q alle Schriften in der nachapostolischen Zeit um 68 bis 110 verfasst worden sind. Aus der Zeit Jesu haben wir kein einziges schriftliches Dokument. Die Evangelien, die sein Leben erzählen, wurden zwischen 68 und 100 n. Chr. verfasst.

So müssen wir uns, wenn wir ein Buch wie etwa das Johannesevangelium oder die Apostelgeschichte lesen, vor Augen halten, dass sie, auch wenn sie über Ereignisse zur Zeit Jesu (Johannes) oder der apostolischen Zeit (Apostelgeschichte) erzählen, im Kontext der nachapostolischen Zeit geschrieben worden sind. Das ist wichtig, denn in diesen dritten Zeitabschnitt bis zu seinem Ende fällt die starke Tendenz der Ausgrenzung der Frauen und deren Widerstand dagegen.

I. Führende Frauen zur Zeit der Jesusbewegung

Die Quelle für das Studium dieses Zeitabschnittes sind die Evangelien. Zur Zeit Jesu gab es eine starke Präsenz von Frauen als Teil der Jesusbewegung. Die Tatsache, dass nur wenige namentlich erwähnt sind, deutet nicht unbedingt darauf hin, dass Frauen in Führungsrollen innerhalb der Jesusbewegung nur wenig vertreten waren. Dies wäre die Schlussfolgerung einer oberflächlichen Lektüre. Da die Texte in einer androzentrischen Sprache verfasst sind, verbergen sie die Präsenz der Frauen. Deshalb muss man – abgesehen davon, dass es wichtig ist, die Frauen sichtbar zu machen, wenn von den Menschen allgemein in männlicher Form gesprochen wird (sie, andere, der Mensch ...) – jedes Mal, wenn der Name oder das Tun einer Frau erwähnt wird, sehr genau hinsehen und diese Tatsache hoch bewerten. Dies bedeutet, dass das Ereignis im Zusammenhang mit dieser Frau oder diesen Frauen so bedeutsam war, dass sich der Autor gezwungen sah, es aufzunehmen. [...]


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