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Leseprobe 3
Christoph Theobald
Das Zweite Vatikanische Konzil im Angesicht des Unbekannten
Das Abenteuer einer kollegialen Unterscheidung der „Zeichen der Zeit”
Fünfzig Jahre nach der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils ist es nicht mehr so einfach, sich in das Klima der Ungewissheit zurückzuversetzen, das in jenen Sommer- und Herbstmonaten des Jahres 1962 herrschte, als sich die Zukunft eines Neuanfangs für die Kirche entschied. Noch ist nichts niedergeschrieben; doch in dem „Vakuum”, das Johannes XXIII. bewusst gelassen hat – mit der Einheit der Christen und der Reform des Katholizismus hat er die Zielvorgaben für das künftige Konzil relativ offen formuliert –, drängt sich die Fülle der von den Vorbereitungskommissionen erarbeiteten und beinahe ausschließlich neoscholastisch geprägten Texte. Noch am Abend des 11. Oktober schreibt Pater Congar in sein Tagebuch: „Im Grunde hat die Scholastik in der römischen Kurie die Zügel übernommen. Das beweisen die Vorbereitungskommissionen [...]. Doch die pastorale Leitung der Diözesen ist nicht scholastisch geprägt: Und die hat jetzt das Wort.”

Wer sich heute die Unruhe und Anspannung ins Gedächtnis ruft, die zu Beginn des Konzils geherrscht haben, läuft nicht so leicht Gefahr, das II. Vaticanum auf eine Sammlung fertiger Texte zu reduzieren. Die Tatsache, dass aus dieser gesamten ersten Phase (mit Ausnahme der Ansprachen Johannes‘ XXIII. und der Botschaft der Konzilsväter an die Welt) keine amtlichen Dokumente vorliegen, verweist auf eine neue Vorgehensweise – die „pastorale Leitung” der Kirche, von der Congar spricht –, die sich erst nach und nach und nicht ohne sehr schmerzhafte Konflikte durchsetzen wird. Der kollegiale Weg, die Zeichen der Zeit zu unterscheiden und sich dabei nur einer einzigen Autorität, nämlich dem Wort Gottes, unterzuordnen, wird erst zwei oder drei Jahre später kodifiziert werden. Eingefahrene Gewohnheiten und die ungewisse Zukunft rufen nämlich besorgte Reaktionen und unterschiedliche Standpunktbehauptungen hervor; und es dauert eine Weile, bis diese aufeinander abgestimmt sind und letztendlich zu einem wirklichen Hören werden: einem Hören auf das Wort Gottes und auf das, was die Menschen der Gegenwart, Beobachter und andere, der Kirche zu sagen haben. Dieser zugleich individuelle und kollektive Prozess des Lernens und der Umkehr ist, noch ehe seine Texte überhaupt niedergeschrieben sind, die erste Botschaft des Konzils; ein konziliarer Prozess von größter Aktualität angesichts des zuweilen beunruhigenden Unbekannten, mit dem unsere heutige Epoche uns konfrontiert.

„Die Zeichen der Zeit unterscheiden”


Beginnen wir mit dieser Aufforderung Jesu (Mt 16,1–4), die Johannes XXIII. aufgreift und an das Konzil richtet. Sie durchzieht die Konzilsarbeit, angefangen bei der Einberufungsbulle vom 25. Dezember 1961 bis hin zur Pastoralkonstitution, die am 7. Dezember 1965 promulgiert wurde.

Zum ersten Mal findet sich der Auftrag, die Zeichen der Zeit zu unterscheiden, in der Bulle. Schon hier wird sie mit dem Gebot des matthäischen Jesus in Verbindung gebracht, allen Völkern das Licht des Evangeliums zu bringen (Mt 28,19), das gleich im Anschluss in eine zeitgenössische Sprache übertragen wird: „Von der Kirche wird heute verlangt, dass sie die verästelten Strukturen der heutigen Gesellschaft mit dem Leben des Evangeliums erfülle.” Dieser Aufruf werde, so Johannes XXIII., durch den „tröstliche[n] Beistand Christi” getragen (Mt 28,20), der sich „gerade dann am mächtigsten erwiesen” habe, „wenn die menschliche Gesellschaft von besonders schweren Stürmen heimgesucht wurde”. Auf eine ebensolche Situation bezieht sich nun auch die Mahnung, die „Zeichen der Zeit” zu unterscheiden, was der Papst jedoch in einer Haltung der Wachsamkeit und nicht mit der „Ängstlichkeit” derer tun will, die „nichts anderes zu sehen vermögen als eine die ganze Welt umhüllende Finsternis”. Verfällt er etwa in einen naiven Optimismus, wenn er „in all der großen Finsternis nicht wenige Anzeichen zu sehen” glaubt, „die eine bessere Zukunft der Kirche und der menschlichen Gesellschaft erhoffen lassen”? Im Gegenteil: Seine Wahrnehmung der Wirklichkeit erwächst aus seinem „Vertrauen” auf die Gegenwart Christi, der ihn erkennen lässt, dass „die menschliche Gesellschaft auf dem Wege zu einer neuen Weltordnung” sei, dass die Verkündigung des Evangeliums sich von nun an auf die Fragen und Hoffnungen und sogar auf eine größere Reife der Menschen werde stützen können und dass die Kirche angesichts der sich entwickelnden Gesellschaften bereits begonnen habe, sich zu verändern und zu erneuern. [...]


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