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Leseprobe 2
Alberto Melloni
Roncalli und „sein” Konzil
Angelo Giuseppe Roncalli, Jahrgang 1881, der aus dem Gebiet stammte, in dem dreihundert Jahre vorher der heilige Carl Borromaeus als Erzbischof von Mailand und als Visitator gewirkt hatte, ist ein vollkommenes Produkt alles dessen, was sich das Konzil von Trient im Blick auf die Aufgaben des reformierten und reformerisch tätigen Priesters und Bischofs erträumt hatte. Gegenüber diesem Bereich der Tradition, den andere noch mit der Tradition an sich identifizieren, hat Roncalli keinerlei Komplexe, weder im Sinne einer übertriebenen Ehrfurcht noch einer Angst machenden Unruhe, wie sie den intellektuellen Lebensweg von Männern wie Yves Congar, Karl Rahner, Marie-Dominique Chenu und anderen großen Theologen des II. Vaticanums bestimmt.

Homo tridentinus?

Für ihn ist sein Lebensweg der Zugang zu einer Kultur, die ihn mit all dem verbindet, was auch die anderen suchten, die diese Kultur jedoch als Hindernis für ihre Suche empfanden. Deshalb liebt Roncalli seine Arbeit als Priester und als Bischof: mit einer absoluten Entschiedenheit, die nicht daran interessiert ist, Karriere zu machen, und mit einer absoluten moralischen Lauterkeit. Für diesen Priester und Bischof bedeutet die Realisierung des tridentinischen Traums, dass er diese Aufgabe auf eine ganz neue Weise, in einer neuen Form zu erfüllen sucht. Er tut dies bei allen diesem Konzil eigenen historischen Gründen doch entsprechend seinen eigenen Lebensbedingungen, entsprechend der ihm gestellten Aufgabe, und all dies, wie dieser tridentinische Priester es mit absolut unmittelbarer Gewissheit und Einfachheit empfindet: Frei von den Komplexen dessen, für den die harte Wahrheit sich im Kampf gegen die Moderne und nur in diesem Kampf Geltung verschafft, bemüht sich Roncalli um ein radikales Vertrauen auf das Menschliche, wie es ist. Denn es ist das Menschliche, wie es ist, das nach Erlösung ruft, und in der Geschichte der Menschenwelt werden die ersten Vorzeichen der Erlösung bereits sichtbar.

Auf diese Weise hört Roncalli das Wort des Evangeliums, die Weisheit des Thomas von Kempen, die Reden der Prediger, die Allegorien der Kirchenväter; auf diese Weise liest er die Beschreibung des Ritus der Bischofsweihe. Was allen anderen als bloß fragmentarische und äußerliche Phänomene ohne inneren Zusammenhang erscheinen könnte, fügt sich für ihn ein in ein Ensemble von verpflichtenden Weisungen, denen er treu bleiben muss, auch wenn es um den Dienst als Papst geht, denn als Papst übernimmt er auf sehr direkte und konkrete Weise die Amtspflichten des Bischofs von Rom. Wieder einmal macht er bruchlos weiter, ohne auch nur ein Wort darüber zu verlieren, und er ist sich nicht einmal ausdrücklich bewusst, dass hier etwas anders geworden wäre. Wenn es ihm gefällt, mit dem Volk zu feiern, wenn er die Pfarrgemeinden besucht, wenn er das wohlüberlegte Gespräch mit seinem Klerus führt, dann verhält sich Roncalli wie ein echter tridentinischer Bischof, der auf diese Weise das Kartenspiel einer seit Jahrhunderten unveränderten Hierarchologie neu mischt, welche die Definition des Papsttums als des Amtes des Bischofs von Rom fast als eine Form beleidigender Verkürzung seines Amtes betrachtet hätte.

Nicht nur das: Der tridentinische Bischof Roncalli weiß, dass der Maßstab zur Bestimmung seiner Aufgabe nicht eine abstrakte Stellenbeschreibung ist, sondern die grundsätzliche Ausrichtung an der salus animarum, am Heil der Seelen. Und wenn in Bulgarien, in der Türkei und in Griechenland, in Frankreich und dann besonders nachdrücklich in Venedig seine Weise des Predigens, das doch das praecipuum episcoporum munus ist, Gegenstand unablässiger Aufmerksamkeit ist, dann wird in Rom gerade dieser Bereich der Seelsorge – ohne dass er dafür einen privilegierten Zugang zur modernen Exegese oder gar zu einer auf der Höhe der Zeit stehenden Pastoraltheologie hätte – zum Instrument, mit Hilfe dessen die Gläubigen, die ihm zuhören, seine tiefsten Anliegen verstehen. Eine Photographie aus dem Jahr 1960, aufgenommen in der Fastenzeit beim Stationsgottesdienst in Santa Sabina, gibt perfekt den Typ der spontanen Antworten wieder, mit denen das römische Volk auf diesen Mann reagierte, der den Dienst als Bischof nicht gering schätzte: „Viva il vescovo di Roma / Es lebe der Bischof von Rom“ sagte ein großes Spruchband, beschrieben mit den eckigen großen Buchstaben, wie sie bei Fahrradrennen oder bei Demonstrationen der Gewerkschaften verwendet wurden. Eine Aussage von größter ekklesiologischer Bedeutung, weil sie mit vollem Recht denkt, dass Johannes XXIII. diese Definition nicht als Beschränkung seiner universalen Vollmacht betrachtet, sondern als eine Beschreibung ihres tiefsten Fundamentes einer Beziehung der Vaterschaft und der Brüderlichkeit, auf die er dann bei seiner „Mondscheinrede” in der Nacht vom 11. Oktober 1962 im Gruß an die Gläubigen zu sprechen kommt. [...]


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