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Leseprobe 3
Ina Praetorius
Die Ökonomie der Geburtlichkeit
Eine postpatriarchalische Perspektive
„Allererst nun ein Haus und das Weib und den pflügenden Ochsen“ (Hesiod).

Diese Zeile aus einem Gedicht des Hesiod zitiert Aristoteles im ersten Buch seiner Politik. Der Dichter und der Philosoph sind sich einig darüber, dass der freie Mann drei Dinge besitzen muss, um ein Leben jenseits der Tätigkeiten führen zu können, die Aristoteles als „ökonomisch” und gleichzeitig als „niedrig” definiert: Der Mann braucht Grundbesitz mit einem Haus (Oikos), eine Ehefrau, die ihm den Nachwuchs großzieht, und Arbeitstiere, zu denen auch die Sklavinnen und Sklaven zählen. In Ultrakurzform bildet der Vers aus dem achten vorchristlichen Jahrhundert die zweigeteilte Weltordnung ab, die in der griechischen Antike konstruiert und bis heute, aller Menschenrechtsrhetorik zum Trotz, nicht nachhaltig außer Kraft gesetzt wurde:

„Die Hausverwaltung ist eine Monarchie – denn jedes Haus wird von einem Einzigen regiert –, die Staatsverwaltung ist dagegen eine Herrschaft über Freie und Gleichgestellte.“

Hat sich der Polisbürger die Herrschaft über einen Oikos angeeignet, so kann er sich zusammen mit Seinesgleichen „höheren” Tätigkeiten zuwenden: zunächst der Politik und der Theoriebildung. Politik bedeutet hier im Wesentlichen die effiziente Organisation von Herrschaft, Theorie die Absicherung dieser Herrschaft durch ein gedankliches Konstrukt, das die entstehende mehrdimensionale Hierarchie legitimiert, indem es die unterschiedlichen Aspekte der Zweiteilung zueinander in Beziehung setzt und für natur- bzw. gottgegeben erklärt:

„Denn die Seele regiert über den Körper in der Weise eines Herrn und der Geist über das Streben in der Weise eines Staatsmannes [...] Desgleichen ist das Verhältnis des Männlichen zum Weiblichen von Natur so, dass das eine besser, das andere geringer ist, und das eine regiert und das andere regiert wird [...] Es ist also klar, dass es von Natur Freie und Sklaven gibt [...]“

Auch die Begründer des modernen Nationalstaates und des Kapitalismus im europäischen 18. Jahrhundert waren noch überzeugt, die Gattung Mensch bestehe naturgemäß aus freien und abhängigen, sprechenden und besprochenen Exemplaren. Der Wahlspruch der Französischen Revolution hieß „Freiheit, Gleichheit Brüderlichkeit”. Olympe de Gouges hatte mit ihrer „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin” keinen Erfolg. Sie wurde geköpft. Die Vorstellung, dass auch die abhängigen Produzentinnen der männlich-bürgerlichen Freiheit – Ehefrauen, Mütter, Hausangestellte, Bäuerinnen, Kolonien etc. – Mitspracherechte beanspruchen könnten, lag – und liegt teilweise bis heute – außerhalb des Denkhorizonts gewöhnlicher Revolutionäre.

Heute ist zwar in den meisten Verfassungen festgeschrieben, dass Menschenwürde und Menschenrechte unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe etc. allen Angehörigen der menschlichen Gattung zukommen. Und immer mehr Frauen und andere ehemals Unterworfene machen, was man „Karriere” nennt. Aber die zweigeteilte Weltordnung nimmt, statt zu verschwinden, vorerst neue Formen an: In den reichen Industriestaaten verrichten jetzt unterbezahlte Migrantinnen aus Osteuropa, Südostasien, Südamerika und Afrika die Sex- und Care-Arbeit, die ehemals von nichterwerbstätigen Ehefrauen gratis erbracht wurde. Die Natur (von lat. nasci/geboren werden) gilt noch immer weitgehend als stumme Materie (von gr. meter/Mutter), die „der Mensch” (welcher?) grenzenlos auszubeuten berechtigt scheint. Die römisch-katholische Kirche hält hartnäckig daran fest, dass das Priesteramt dem höheren, gottnahen Geschlecht vorbehalten bleibt. Et cetera.

In diesem Text werde ich, ausgehend von der grundlegenden anthropologischen Frage, wer wir eigentlich als Menschen sind, eine andere Ökonomie skizzieren: die Ökonomie der Geburtlichkeit. Sie siedelt sich diesseits der verfehlten zweigeteilten Metaphysik an und führt vermeintlich voneinander unabhängige dringliche ethisch-politische Fragen in einem einzigen Diskurs zusammen: die Geschlechterfrage, die soziale, die ökologische und die Friedensfrage. [...]


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