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Leseprobe 2
Marie-Theres Wacker
Geist Gottes im öffentlichen Raum der christlichen Gemeinden – Inspirationen aus der hebräischen Bibel
Buchstäblich von der ersten bis zur letzten Seite durchzieht das Motiv des Geistes Gottes die Bibel. Das gilt für den christlichen wie auch für die jüdischen Kanon. Die jüdische Bibel spannt den Bogen von der Schöpfungsgeschichte mit ihrem Bild des Geistes Gottes über den Urwassern (Gen 1,2) bis zum Edikt des Perserkönigs Kyros, der, von Gottesgeist erweckt, dem jüdischen Volk die Rückkehr aus Babylonien nach Jerusalem erlaubt (2 Chr 36,22f). Die christliche Bibel beginnt ihrerseits mit der Schöpfungsgeschichte und endet mit der Vision der Apokalypse des Johannes vom Neuen Jerusalem und dem einladenden Ruf eines eigenartigen himmlischen Paares, des Geistes (Gottes) und der Braut (Jerusalem): „Komm!” (Apk 22,17). Bereits über diese erste Wahrnehmung zur biblischen Präsenz des Geistes kommt in den Blick, dass „große” Themen des Glaubens mit „großen” Themen aktueller öffentlicher Debatten untrennbar verbunden sind. Einigen dieser Verknüpfungen mit ihren Implikationen für gegenwärtige Fragekonstellationen soll im Folgenden an den Schriften der hebräischen Bibel nachgegangen werden.

Schöpferischer Hauch


Bevor die Bibel von Gottes schöpferischem Wort spricht, das Urlicht in die Dunkelheit bringt und in weiteren Schöpfungs-Worten das Feste vom Flüssigen scheidet, sodass die Grundordnungen des Kosmos entstehen (Gen 1,3–10), zeichnet sie das Bild eines Zustandes des Noch-Nicht, einer Vor-Welt: „Die Erde war tohu-wa-bohu, Finsternis lag über der Urflut, und ruach elohim schwebte über den Wassern.” (Gen 1,2) Die traditionelle christliche Deutung erkannte in ruach elohim einen Hinweis auf den „Geist Gottes”, den Heiligen Geist, sodass bereits die Schöpfung der Welt als Werk des trinitarischen Gottes, der im Geist und durch das Wort (= Christus) schafft, aufgefasst werden konnte. Die historischkritische Exegese hat dem entgegen gehalten, dass es sich in Gen 1,2 um eine typisch altorientalische Chaosschilderung handele, in der Gottes Geist motivlich fehl am Platze sei, und hat für die Übersetzung mit „Gottessturm” im Sinne eines starken Windes optiert. Neuere Kommentare suchen zwischen dogmatisch-theologischer und historisch-kritischer Perspektive zu vermitteln, indem sie genauer auf das Textgewebe achten, und sehen in Gen 1,2 den „Hauch Gottes” angesprochen: Gottes Wort, das sich schöpferisch äußern wird, ist von Anfang an gegenwärtig in Gottes Atem. Diese Auslegung hat für sich, dass sie für die spätere christliche wie jüdische Rezeption offen ist und gleichzeitig den priesterschriftlichen Autoren von Gen 1 bereits eine tiefgründige Theologie der Schöpfung zutraut.

Alle drei Übersetzungen aber nehmen Bedeutungen des hebräischen Wortes ruach auf, das den „Wind” (z.B. Gen 2,8 oder Koh 1,14.17 u.ö.), den „Atem” (z.B. 1 Kön 10,5), aber auch „Geister” unterschiedlicher Art bezeichnen kann. Gemeinsam ist diesen Bedeutungen das Moment des Bewegten und Bewegenden. Auch das Bild des „Gotteshauchs” über den Wassern der Urflut ist mit einer Bewegung verbunden, am ehesten mit dem vibrierenden Flügelschlag eines Vogels (vgl. in Dtn 32,11 das Bild des Adlers oder Geiers mit dem gleichen Verb rhp/„flattern” wie Gen 1,2). Wenn in anderen Zusammenhängen von den „Flügeln des Windes” (knpy ruach) die Rede ist, auf denen der Gott Israels wie ein altorientalischer Wettergott dahinfliegt (Ps 18,11; 104,3), so deutet sich hier möglicherweise eine Traditionsspur an, in der sich das Bild des Heiligen Geistes als Taube (so schon Mk 1,10/Mt 3,16/Lk 3,22) entwickeln konnte. Solche Anleihen der theologischen Metaphorik bei der Welt der Tiere und den Kräften der Natur entsprechen den kosmischen Dimensionen, die Gen 1, aber auch die genannten Psalmen aufspannen, und geben einer Theologie zu denken, der, zumal im Gespräch mit nicht-monotheistischen Religionen, die Fokussierung auf die anthropomorph-personalen Gottesmetaphern des Christentums als unnötige Beschränkung der offeneren eigenen, bereits biblischen Tradition erscheinen. [...]


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