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Leseprobe 2
Felix Wilfred
Interreligiös Christ werden
Nicht sein, sondern werden

Lassen Sie mich zu Beginn dieses Beitrags erklären, weshalb ich lieber vom Christwerden als vom „Christsein” spreche. Der Begriff des Christseins ist zum Klischee geworden und suggeriert eine statische und bereits festgelegte Identität. Man versucht sie zu definieren und zu umschreiben und hebt dabei diejenigen Aspekte hervor, die für das Christsein typisch sein sollen. Den gedanklichen Rahmen bildet die aristotelische Logik des Definierens und Klassifizierens nach Gattung und Art: Man definiert das Wesen eines beliebigen Gegenstands, indem man die Gattung (genos), zu der es gehört, und seine Differenzen (diaphora) bestimmt. All das hat – auch dort, wo es um sublime spirituelle und religiöse Wirklichkeiten geht – die Aufmerksamkeit auf das Spezifische (abgeleitet von Spezies) gelenkt, sodass man sich, um die christliche Identität zu bestimmen, auf die Suche nach dem spezifisch Christlichen begeben hat. Hierbei ist auch ein gewisser theologischer Positivismus am Werk. Ich will damit sagen, dass der Versuch, zu bestimmen, was das Christsein ausmacht, als analytischer Vorgang betrachtet wird – als hätte man es mit einem Objekt zu tun, das sich in seine chemischen Bestandteile zerlegen lässt.

Doch ein Christ oder eine christliche Gemeinschaft ist ein Subjekt und als solches in ständigem Wachstum und Wandel begriffen. Subjekte sind im Werden. Deshalb verstehen wir das „Christliche” als ein Projekt – und zwar ein unvollendetes. Der vorliegende Beitrag ist ein Versuch, darüber nachzudenken, inwiefern das Christwerden heute mit interreligiösen Beziehungen zu tun hat. Das Projekt, interreligiös Christ zu werden, erfordert einige grundlegende Veränderungen im vorherrschenden Verständnis von Glauben und Offenbarung – und auch in der Einstellung zu den Überlieferungen anderer Religionen.

Von der dialektischen zu einer relationalen Identitätskonstruktion


Traditionelle Definitionen des Christseins verfolgten in der Regel einen dialektischen Ansatz. So wurde ein Christ als jemand definiert, der der Welt gegenübersteht; der in der Welt, aber nicht von der Welt ist; oder als jemand, der im irdischen Tal der Tränen gleichsam auf der Durchreise ist. Inzwischen aber haben die vielen Theologien überall auf der Welt und die zahlreichen Formen der politischen Theologie die enge Beziehung des Glaubens zur Welt und den zeitlichen Gegebenheiten aufgezeigt und so dazu beigetragen, die dialektische Definition des Christlichen zu überwinden. In der römisch-katholischen Kirche hat das II. Vaticanum mit seinem Dokument Gaudium et Spes ein neues Verständnis von Glauben und Welt entworfen, das nicht antithetisch, sondern relational geprägt ist.

Ein weiterer wichtiger Bereich, dem gegenüber die christliche Identität üblicherweise abgegrenzt wurde, waren die anderen Religionen. Wenn die christliche Identität in all ihrem Glanz sichtbar werden sollte, mussten sich ihre Konturen scharf vor dem dunklen Hintergrund der gottlosen und götzendienerischen Welt der Religionen abzeichnen. Aus der Missionsgeschichte wissen wir, dass die Missionare sich vor die Wahl gestellt sahen, ob sie die christliche Identität in Kontinuität mit den Kulturen und Religionen der indigenen Bevölkerungen oder als Bruch und im Kontrast zu diesen lokalen Kulturen und Traditionen darstellen sollten. Die Versuche, das Christliche unter dem Blickwinkel der Kontinuität zu deuten, wie wir sie bei Roberto de Nobili und Matteo Ricci finden, waren kaum mehr als ein Strohfeuer. Die vorherrschende Strategie des missionarischen Unternehmens war über viele Jahrhunderte hinweg die extirpación de idolatría. Christus wurde „gegen die Kultur” verstanden. Diese Tendenz, die christliche Identität in Abgrenzung gegen Religion und Kulturen zu definieren, fand in Gestalten wie Karl Barth und Hendrik Kraemer auch im 20. Jahrhundert ihre Verfechter. [...]


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