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Leseprobe 3
Marie-Jo Thiel
Sexueller Missbrauch Minderjähriger
Ein „funktionelles Versagen”, das die katholische Kirche in ihrer Herzmitte trifft*
Die Fehltritte von „Klerikern” (Priestern, Bischöfen, Ordensleuten) werfen schwerwiegende Fragen auf. Als Menschen sind sie wie jeder andere sexuellen Impulsen ausgesetzt, die zu beherrschen sie aufgerufen sind. Der Nachfolge Christi verpflichtet, erfreuen sie sich dadurch einer starken und symbolkräftigen Hilfe, die dazu beitragen kann, dass sie ein Leben führen können, das ganz dem Evangelium entspricht. Im Stand der Ehelosigkeit lebend, wissen sie, dass von ihnen Enthaltsamkeit gefordert ist, und dies umso mehr, wenn es um die Kleinsten und Schwächsten geht. Wenn schon jeder pädophile Übergriff ein schwerwiegendes Vergehen ist, so gilt das umso mehr, wenn er von Klerikern begangen wird. Das kirchliche Lehramt hat dies zu Recht immer wieder betont, und jeder Kleriker muss sich für sein Handeln vor der menschlichen Gemeinschaft und vor der Kirche persönlich verantworten.

Angesichts der großen Zahl von Vorfällen und da sie es andernfalls an Verantwortung fehlen ließe, muss die Kirche sich auch fragen, was zu dem führen konnte, was die Medien und ein großer Teil der öffentlichen Meinung den „Skandal der Pädophilie in der katholischen Kirche” nennen. Im Vergleich mit ihr sind die anderen christlichen Kirchen offenbar nicht oder nur sehr wenig von diesen Problemen betroffen. Was ist es, das in der katholischen Kirche begünstigt hat, dass weder die Vorgaben des Glaubens noch die besonderen Leitlinien ihre Funktion, Kontrolle auszuüben, haben sichern können? Denn man muss vor allem erkennen, dass es sich hier nicht bloß um bedauernswerte Taten (Sünden) einiger räudiger Schafe handelt, sondern um ein „funktionelles Versagen”, das die Kirche in ihrer Herzmitte trifft. Hier hat etwas nicht funktioniert, und dies hat seine Gründe auch in den Strukturen eines Systems.

Individuelle Abirrungen, die durch ein klerikales System begünstigt werden


Angesichts der Enthüllungen über pädophile Handlungen ist die Kirche der Ansicht, dass jede Person, die ein Kind missbraucht hat, für ihre Taten individuell verantwortlich gemacht werden muss. Gleichzeitig drängen sich angesichts der großen Zahl und des Status derjenigen, die sich an besonders Schwachen vergriffen haben, Fragen auf. Wenn das diesen Übergriffen zugrundeliegende System bisher nicht zusammengebrochen ist, so ist das seiner klerikalen Struktur zu verdanken, die doch als solche all diesen Abirrungen Tür und Tor öffnet. Das klerikale System gründet auf Gehorsam, auf Fügsamkeit, auf einer Kultur der Elite, auf Kommunikationsmangel. Was hat man im Lauf dieses Gewittersturms nicht alles gesagt über die mangelnde Kommunikationsfähigkeit der Kirche und über ihre Unfähigkeit, ein „Krisenzentrum” einzurichten? Geht es aber hier nicht eben um eine Strukturfrage? Auf ernste Weise Kommunikation zu pflegen bedeutet, in einen Dialog einzutreten und schließlich zu erkennen, dass etwas systembedingt nicht funktioniert hat und dass dadurch die Struktur in Frage gestellt ist.

Übereinstimmende Diagnosen

Wenn man die von Theologen und Verantwortlichen der Kirche erstellten Diagnosen betrachtet, kann man feststellen, dass sie zumeist übereinstimmen. Das Problem, so argumentiert man, entsteht im Wesentlichen nicht aus einer falschen Entscheidung beim Eintritt ins Seminar. Die krassesten Fälle falscher Berufswahl werden heute schnell aufgedeckt. Das – zumeist klerikal geprägte – System jedoch, in das diese jungen Leute eintreten, ist gekennzeichnet durch eine bestimmte Sicht des Körpers, eine bestimmte Vorstellung vom Status der Priester und der Laien, von einer bestimmten Sexualerziehung, einer bestimmten Auffassung von Autorität und Gehorsam, lauter Vorstellungen, die Probleme aufwerfen. Der Zölibat leistet zwar sexuellem Missbrauch von Minderjährigen nicht direkt Vorschub, aber erweist sich als problematisch aufgrund des Stellenwertes, der ihm für das Funktionieren des Systems beigemessen wird. [...]


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