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Leseprobe 3
Maria Clara Lucchetti Bingemer
Die neuen Atheismen und die Identität des Christentums
Die „Postmoderne” als Begriff, der das Entstehen eines neuen gesellschaftlichen Paradigmas zum Ausdruck bringt, hat eine ganze Bandbreite unterschiedlicher Phänomene zum Inhalt. Diese reicht von der Rückkehr zu einem nicht institutionalisierten – in Extremfällen fundamentalistischen – Heiligen bis zum Aufkommen eines neuen, kämpferischen und intoleranten Atheismus. Die Kritik dieses neuen Atheismus zeigt sich in ihrem Profil gegenüber dem religiösen Gefühl und dessen Ausdrucksweisen als entschieden ablehnend. Das geht so weit, dass dieses religiöse Empfinden als ein großes Übel oder als krankhaftes Verhalten eingestuft wird. Den neuen Atheisten zufolge müsste der religiöse Glaube aus dem menschlichen Bewusstsein getilgt werden, um eine ganze Zivilisation von Normen und Institutionen zu befreien, die eine große Intoleranz, Vorurteile und Kriege fördern. Zu diesem neuen Atheismus hat sich mit den terroristischen Angriffen vonseiten religiöser Aktivisten überall auf der Welt, vor allem im Zuge der Ereignisse des 11. September 2001, ein starkes affektives und kontextuelles Moment gesellt. Diese neue Welle atheistischen Denkens scheint tief mit der Ablehnung einer institutionalisierten Religion monotheistischer Prägung zusammenzuhängen, die man als exklusivistisch und von einem Verständnis des Heiligen als intolerant und gewalttätig belastet ansieht.

In diesem Beitrag möchten wir mit dieser neuen atheistischen Kritik in Dialog treten, indem wir zunächst in recht knapper Form die Situation der Religion in der Welt von heute untersuchen. Danach werden wir die Frage diskutieren, ob sich dieser neue Atheismus nicht eher gegen jene religiösen Ausdrucksweisen wendet, die innerhalb der westlichen Welt fast den gesamten Bereich der Transzendenz und ihrer sichtbaren Ausdrucksweisen in Beschlag nahmen und so den Blick von dem ablenkten, was ursprünglicher ist, und jeder Religion, ja Gott selbst und der Erfahrung des Glaubens zugrunde liegt. Davon ausgehend werden wir eine der monotheistischen Religionen, nämlich das Christentum, näher untersuchen, um zu sehen, wie es einigen zeitgenössischen Strömungen der christlichen Theologie gemäß im ursprünglichen Sinne als Glaube und existenzielle Erfahrung gedeutet und interpretiert werden kann. Die Religion, die daraus hervorgeht, ist dazu aufgefordert, stets zu dieser ursprünglichen Erfahrung zurückzukehren und sich selbst zu reinigen, indem sie eine schöpferische Treue zu ihren Wurzeln anstrebt. In unserer Schlussfolgerung haben wir – so hoffen wir – die Dringlichkeit aufgezeigt, wieder zu den Quellen und zum lebendigen Kern des Glaubens zu gelangen, um heute nicht nur der atheistischen Kritik standzuhalten, sondern auch den Sehnsüchten und Erwartungen der heutigen Menschen gerecht zu werden.

I. Die Situation der Religion heute

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts und insbesondere seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich die Rolle der Religion – und ganz konkret der auf das historische Christentum bezogenen Traditionen – ebenso wie die Zahl ihrer Anhängerschaft tiefgreifend verändert. Einige Länder, deren religiöse Tradition historisch mit dem Christentum verbunden war, konkret die Länder Europas, erlebten einen deutlichen Niedergang der Religion. Dieser Niedergang ist daran ersichtlich, dass die Zahl derer abnimmt, die am Gottesdienst teilnehmen oder das Priesteramt bzw. das Ordensleben anstreben.

Andererseits ist die westliche Welt immer stärker von synkretistischen religiösen Praktiken geprägt, die auf eine „individuelle Religion”, die jeder für sich selbst herstellt, und auf das Entstehen der sogenannten „neuen religiösen Bewegungen” zurückgehen. Inmitten einer Säkularisierung, die weiterhin auf stets neuer Grundlage wächst, und eines zunehmenden Pluralismus werden wir Zeugen einer Privatisierung des Glaubens und des religiösen oder spirituellen Lebens. Jeder stellt sich sein eigenes besonderes „Rezept” zusammen, und der Bereich der Religion gleicht einem großen Supermarkt ebenso wie einem Transitraum, den man betritt und wieder verlässt. [...]


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