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Leseprobe 2
Andrés Torres Queiruga
Atheismus und christliches Gottesbild
Zu Beginn seiner Schrift Proslogion zeigte sich Anselm von Canterbury erstaunt darüber, dass es uns, obwohl wir von Gott erschaffen worden sind, so viel Mühe bereitet, ihn zu erkennen. Für Gläubige ist es noch erstaunlicher, wie denn der Atheismus, vor allem der moderne, möglich sei. Es ist fraglich, ob er im Altertum überhaupt existierte. Wenn ja, dann war er in der Minderheit. Heute hingegen ist er ein Massenphänomen, nach den Worten Papst Pauls VI. „das größte Problem unserer Zeit”. Er bedeutet eine so große und tiefgreifende kulturelle Veränderung, dass einfache und monokausale Erklärungen nicht ausreichen. Ich werde hier lediglich einen einzigen Aspekt behandeln, und zwar den „erheblichen Anteil”, den wir nach Aussage des Zweiten Vatikanischen Konzils (Gaudium et spes, 19) als Gläubige an der Entstehung des Atheismus haben.

I. Das Problem

Die Moderne und die Diagnose des Konzils bilden also die beiden Pole der Untersuchung, die die tiefen Ursachen des Atheismus zum Gegenstand hat. Die Moderne kennzeichnet den kulturellen Wandel; das Konzil anerkennt diesen, ruft dazu auf, sich ihm umfassend zu stellen, und weist darüber hinaus auf den bzw. einen grundlegenden Tatbestand hin: auf die legitime Autonomie der Welt, und zwar sowohl im physikalischen als auch im soziologischen Sinne, auf deren Eigenständigkeit hinsichtlich ihrer „Gesetze und Werte” (Gaudium et spes, 36). Wenn wir früher bei Erdbeben oder Dürreperioden bzw. bei gesellschaftlichen Problemen und moralisch Bedenklichem spontan an Gott gedacht haben, dann denken wir heute dabei an physikalische Gesetze oder interdisziplinäre Zusammenarbeit. Ein Jugendlicher von heute, der aus einer säkularisierten Familie stammt, kann aufwachsen, ohne dass ihn irgendein individuelles oder gesellschaftliches Problem an Gott denken lässt. Für viele Menschen hat sich das etsi Deus non daretur in eine selbstverständliche Grundannahme, eine „Fehlhaltung” verwandelt. Dasselbe hat sich mit der Kultur insgesamt vollzogen. Die physische, gesellschaftliche, psychologische ja sogar moralische Welt entdeckt ihre rechtmäßige Eigenständigkeit. In deren wissenschaftlichem Verständnis sieht man von Gott ab und wiederholt die Antwort Laplaces an Napoleon: „Sire, ich bedarf dieser Hypothese nicht.”

Das Ergebnis davon ist: Die Orte, an denen man der Gegenwart Gottes gewahr werden kann, haben sich völlig verschoben. Wenn die Religion ihre Blickrichtung nicht ändert und weiter darin befangen bleibt, die Gegenwart Gottes dort und auf eine Art und Weise zu suchen, wo und wie er nicht mehr zu finden ist, dann wird der Atheismus die Reaktion darauf sein. Das Konzil hat dies verstanden, indem es für das Aggiornamento, das heißt für eine umfassende Neuausrichtung, einen Paradigmenwechsel im Glaubensverständnis, eintrat. Das ist nicht leicht. Dem stellen sich einerseits das Beharrungsvermögen der Institution und andererseits die selbstverständliche Zuflucht der Theologie in Reparaturarbeiten und Anpassungen entgegen, ohne die „Umwälzung” des Ganzen (Thomas S. Kuhn) zu wagen.

Es wäre ungerecht, wenn man die großen Fortschritte (etwa im Vergleich zum Antimodernismus) nicht anerkennen würde, doch allzu oft hat man sich auf die Änderung eines Details beschränkt und die Struktur insgesamt beibehalten; allzu oft stellt man ein Prinzip auf, ohne daraus die Konsequenzen zu ziehen. Deshalb ist es von entscheidender Dringlichkeit, die Strukturen von Grund auf zu überdenken und nach umfassender Kohärenz zu streben. Dies wird noch Zeit brauchen, und die Umsetzung dessen wird die gesamte Gemeinschaft der Kirche mit einbeziehen. Doch die Perspektive hat sich erweitert, und es gibt neue Möglichkeiten. Dieser Aufsatz will ein grundlegender Beitrag sein. Er steht unter dem Vorzeichen dreier methodologischer Grundanliegen:

1. Das Konzil lädt, indem es den Schritt „vom Anathema zum Dialog” vollzog, dazu ein, auch das Gute an der Situation anzuerkennen. Der Atheismus entspringt keiner Laune oder Böswilligkeit. Er stützt sich auf wahre Werte, die, wenn sie ihre „Ausrichtung auf Gott” nicht leugnen, dazu beitragen, den Reichtum der Schöpfung zu entdecken. [...]


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