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Leseprobe 3
Jacquineau Azétsop
Lebenszentrierte Ethik, Heilungen und öffentliches Gesundheitswesen in Afrika
Der Begriff der Lebenskraft, der das traditionelle afrikanische Verständnis des menschlichen Daseins prägt, erfordert eine Moral, in deren Mitte das Leben und die Gemeinschaft stehen. Die Bedeutung des Lebens ergibt sich im Wesentlichen aus der kosmischen Ordnung. Sozial entfaltet aber wird die Lebenskraft in der Diskussion, deren Schauplatz das Palaver ist. Die Lebenskraft kann als Ausdruck des Naturrechts gesehen werden, denn sie ist eine Fortschrittskraft, die auf die Verbesserung des sozialen Zusammenhalts und der individuellen Verantwortung für die Gemeinschaft abzielt. Gesundheit ist eines jener Güter, deren instrumenteller Wert und deren Wesentlichkeit in jeder menschlichen Gesellschaft anerkannt werden. In den traditionellen afrikanischen Kulturen war die Gemeinschaft eine Therapiegruppe, denn Heilung galt als gemeinschaftliches Projekt. Der vorliegende Beitrag will zeigen, dass die afrikanische Lebensethik einen Zugang zu Heilung, Gesundheit und Bioethik begünstigt, der in der Bevölkerung gründet, und einen Zugang zum Naturrecht, der wesentlich relational und nicht in erster Linie rational ist.

Eine lebenszentrierte Ethik

Der wichtigste Aspekt der philosophischen Anthropologie im afrikanischen Kontext ist der Begriff der Lebenskraft, durch den die menschliche Person als ein In-Beziehung-Seiendes verstanden wird. Der Erste, der den Begriff der „Lebenskraft” verwendete und damit prägte, war der franziskanische Missionar Placide Tempels, der beweisen wollte, dass die Bantu eine eigene Ethik und Metaphysik besitzen. Nach Tempels haben viele afrikanische Anthropologen und Denker diesen Begriff benutzt, um deutlich zu machen, dass das Leben eine Kraft ist, die in den verschiedenen Phasen des menschlichen Daseins wächst, abnimmt und schwindet. Die Tatsache, dass es sich um einen philosophischen Begriff handelt, bedeutet jedoch nicht, dass er nicht real wäre. Das Leben wird als Zugehörigkeit, Gemeinschaft, Austausch, Gastfreundschaft, Feier und Beteiligung erlebt. Das menschliche Dasein wird in seinen materiellen, spirituellen, sozialen und psychologischen Aspekten als überströmendes Leben und Wohlergehen erfahren. In den meisten traditionellen Religionen sind alle moralischen und ethischen Grundsätze im Kontext der Bewahrung des menschlichen Lebens und seiner Macht oder Kraft verortet. Ebendiese Vorstellung des vitalen Lebens ist der eigentliche Grundsatz des traditionellen afrikanischen Denkens.

Das Leben ist die treibende Kraft hinter der afrikanischen Moral. Die kosmische Harmonie hängt von der Harmonie zwischen den Lebewesen ab, die durch eine Art hierarchischer Ordnung der Wirklichkeiten gewährleistet ist. Das Leben erscheint mithin als der einigende Faktor des menschlichen Daseins, denn es bindet soziale Kräfte, Mitglieder der Gemeinschaft, die Lebenden und die Toten, die Geborenen und die Ungeborenen, das Sichtbare und das Unsichtbare in einer solchen Weise aneinander, dass zwischen dem Weltlichen und dem Religiösen, dem Menschlichen und dem Göttlichen keinerlei Trennung besteht. Darüber hinaus ist das Leben ein entscheidendes Kriterium für die Moral. Der moralische Charakter einer Tat ist durch ihr lebengebendes Potential bestimmt: Gute Taten tragen zur Lebenskraft der Gemeinschaft bei, während schlechte Taten, so unbedeutend sie auch scheinen mögen, das Leben tendenziell schwächen.

Solidaristische Ethik und persönliche Autonomie: der Wert der Gemeinschaft

Das menschliche Dasein erreicht seine Erfüllung, wenn es als „Gemeinschaftmit” und „Beteiligung-an” wahrgenommen wird. Der Mensch kann nicht einfach als Individuum verstanden und begriffen werden, sondern ist immer in ein Geflecht von Beziehungen eingesponnen. Das Heidegger‘sche Projekt der Wiederherstellung einer fundamentalen Ontologie funktioniert im afrikanischen Kontext nicht gut, denn ein Lebewesen wird nicht solipsistisch, sondern eher im gemeinschaftlichen Sinne als „In-Beziehung-Seiendes” aufgefasst. [...]


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