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Leseprobe 2
Frédéric Boyer
„Warum versteht ihr meine Sprache nicht?”
„Der eine Gott [hat] die heiligen Schriften derart zweckmäßig für die Sichtweisen
von so vielen eingerichtet [...], dass sie, wenngleich Verschiedenes,
so doch Wahres sollten darin erkennen können [...]”
Augustinus

Die Geschichte der Bibelübersetzungen ist über zweitausend Jahre alt. Es ist eine Geschichte voller Wut und Lärm. Eine Geschichte, in der die mutmaßlich heilige Inspiration der Texte trotz allem vom Leben und Sterben der menschlichen Sprachen und der Rezeptionstraditionen dieser Texte abhängt. In der das Blut der Worte sich zuweilen mit dem unseren mischt, wenn die Geschichte unseres Heils, die Hoffnung auf eine Verheißung, die das leibliche Leben überdauert, mit einer unvollkommenen Treue zu den Wörtern und Idiomen derer einhergeht, die uns vorangegangen sind. Lauter wohl als bei anderen Texten stellt sich im Falle der Bibel die Frage nach der Treue der Übersetzung. Denn die Bibel lebt nur von der Geschichte ihrer eigenen Rezeption und Weitergabe. Die Frage der Übersetzung bildet den eigentlichen Kern ihrer eigenen Verfasstheit als rezipierte und weitergegebene Schrift. Und diese Debatte beginnt schon mit den ersten Übersetzungen der Tora-Texte in der griechisch-römischen Welt oder, genauer gesagt, mit dem Aufkommen des Christentums. Das Übersetzen der heiligen Texte ist ein Gründungsakt und ist doch in unserer Geschichte immer mehr oder weniger als Übertretung empfunden worden. Weil sie heilig sind, wollen diese Texte übersetzt sein – und wollen es doch auch wieder nicht.

Die ersten Bibelübersetzungen

Die Geschichte der Übersetzungen dessen, was wir als „die Bibel” bezeichnen, beginnt im Alexandria des dritten vorchristlichen Jahrhunderts in einer hellenisierten Welt, als Ptolemaios II., ein aufgeklärter Pharao, und seine Kulturbeauftragten von der jüdischen Diaspora der Stadt eine griechische Übersetzung ihrer Texte und ihres Gesetzes fordern. Mithin verdankt sich die erste Bibelübersetzung der Neugier fremder Gastherren, doch auch einem gewissen Kräfteverhältnis, innerhalb dessen eine dominante Kultur die Schriftautorität einer Minderheit hinterfragt, die sie bei sich aufgenommen hat. Diese griechische Version mit dem Namen Septuaginta, Siebzig – nach der Anzahl der Übersetzer, die der Legende nach daran beteiligt gewesen sein sollen – führte in der von zahlreichen apokalyptischen und messianischen Strömungen beeinflussten griechisch-römischen Welt zu merkwürdigen Auswirkungen und Sinnverschiebungen (man denke etwa an den Gebrauch griechischer Wörter wie lógos, nómos oder hamartía in der Tora-Übersetzung, der die kulturelle, religiöse und literarische Tiefenschichtung dieser Begriffe in der damaligen Koine völlig auf den Kopf stellte).

Diese Übersetzung, die einige Jahrhunderte später bei der Formulierung und Ausbreitung der christlichen Literatur und des christlichen Glaubens eine entscheidende Rolle spielte, sollte jedoch vom rabbinischen Judentum zugunsten einer anderen, wörtlicheren Nachfolgeversion abgelehnt werden – der Übersetzung des Aquila aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. In der legendarischen Erzählung des Aristeasbriefs, der das außerordentliche Unterfangen der Septuaginta und ihren inspirierten Charakter hervorhebt, wird erzählt, dass andere Übersetzer vor den Siebzig beim Versuch, die Bibel zu übersetzen, dem Wahnsinn verfallen seien, weil es ihnen an der nötigen heiligen Autorität gefehlt habe! Als der König sich darüber wundert, dass die Bibel nicht schon früher übersetzt worden ist, erklärt ihm Demetrios, dass dies auf den göttlichen Ursprung dieses Gesetzes zurückzuführen sei. Ferner berichtet er, die Griechen, die es gewagt hätten, aus den übersetzten Seiten zu zitieren, hätten ihr Augenlicht oder den Verstand verloren (§ 313 und § 315). Und noch später, als das Christentum zur Religion des untergehenden, auseinanderbrechenden und bereits von Barbaren erschütterten römischen Riesenreichs geworden war, warnte Augustinus, ein zum Christentum konvertierter numidischer Intellektueller, der das Griechische ohne Leidenschaft betrieb und des Hebräischen kaum mächtig war, Hieronymus vor dem erneuten Versuch einer Bibelübersetzung – diesmal ins Lateinische und mit größerer Nähe zum hebräischen Text. [...]


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