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Leseprobe 3
Hans Küng
Edward Schillebeeckx – Letzter Gruß an einen theologischen Freund
Edward Schillebeeckx war mir seit der Zeit des II. Vatikanischen Konzils (1962– 1965) ein lieber Freund. Ich empfand ihn als einen liebenswürdigen Altersgenossen. Als ich ihn in Rom zum ersten Mal sah, fragte ich ihn nach seinem Alter und war ganz verblüfft, als ich erfuhr, dass er rund anderthalb Jahrzehnte älter war als ich. Mit Karl Rahner und Yves Congar bildeten wir viele Jahre lang die vier theologischen Säulen der Stiftung Concilium. Alle vier waren wir zunächst von der Neuscholastik geprägt und haben sie zugleich – jeder auf seine Weise – überwunden.

Aber theologisch am nächsten stand mir schließlich Edward Schillebeeckx. War er doch wie ich entschlossen den Weg über die Dogmengeschichte zurück zur historisch-kritisch verstandenen Bibel gegangen und damit zum Jesus der Geschichte. Dies zeigte sich mir im Jahr 1974, als ich mein Buch Christ sein veröffentlichte und Edward gleichzeitig und völlig unabhängig sein Buch Jesus. Die Geschichte von einem Lebenden. Der Ausgangspunkt und die Schlussfolgerungen unserer beiden Christologien aus katholischer Tradition schienen mir so sehr übereinzustimmen, dass ich mich entschloss, dies anfangs 1979 in einem großen Aufsatz der Tübinger Theologischen Quartalsschrift herauszustellen: Auf dem Weg zu einem neuen Grundkonsens in der katholischen Theologie. Unsere grundsätzliche Übereinstimmung bezog sich auf die Norm und den Horizont christlicher Theologie. Für uns beide galt und blieb gültig:

Erster Pol: Die Norm christlicher Theologie ist Gottes Offenbarung in der Geschichte Israels und der Geschichte Jesu.
Zweiter Pol: Horizont christlicher Theologie ist unsere eigene menschliche Erfahrungswelt.

Unser gemeinsamer Weg zu einem neuen Grundkonsens – nicht Totalkonsens – in der katholischen und womöglich gar ökumenischen Theologie war damit klar demonstriert worden: Es war ein Weg der Mitte zwischen kirchlichem Opportunismus und kirchlichem Separatismus in redlicher Wissenschaftlichkeit, unerschüttertem Glauben an die zu vertretende Sache und in Hoffnung auf einen fairen Austrag der Gegensätze.

Aber gerade zum fairen Austrag der Gegensätze kam es in der katholischen Kirche leider nicht. Im selben Jahr, als dieser Artikel geschrieben wurde, war Edward Schillebeeckx bereits in einen Inquisitionsprozess der römischen Glaubenskongregation verwickelt. Er wurde nach Rom zitiert, es kam aber zu keiner öffentlichen Verurteilung. Das war der Probelauf zum Einschreiten gegen mich, weil ich als der Gefährlichere von uns beiden galt: Am 18. Dezember 1979 erfolgte der Entzug meiner Lehrbefugnis. Edward Schillebeeckx hat mit unseren Freunden der Internationalen Zeitschrift CONCILIUM mutig Stellung genommen gegen diese römische Maßnahme. Ich blieb weiterhin Mitglied in der Stiftung Concilium, und wir hatten noch viele Jahre eine gemeinsame fruchtbare Zusammenarbeit und freundschaftliche Kontakte.

Aber nun ist Edward Schillebeeckx von uns gegangen: Er, der große systematische Denker, der historisch reflektierte Dogmatiker, der stets seelsorglich ausgerichtete Wissenschaftler und von der biblischen Botschaft durchdrungene Christ, war Wegbegleiter von ungezählten Theologen und Laien in aller Welt. Mein letzter theologischer Wunsch, der wohl auch der seine wäre: Der von uns gemeinsam gegangene Weg möge von den künftigen Theologengenerationen weitergegangen werden und sich schließlich doch auch in der ganzen katholischen Kirche durchsetzen.

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