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Leseprobe 2
Paul Lakeland
Der kirchliche Dienst der Laien: ein theologisches Monstrum?
Wir können die Zukunft der Ämter in der katholischen Kirche nicht diskutieren, ohne das Phänomen des sogenannten „kirchlichen Laiendienstes” zu untersuchen und zu analysieren, und wir können die Laienmitarbeiter in der Kirche nicht so ohne Weiteres klassifizieren, geschweige denn, sie nahtlos in die traditionellen Vorstellungen des priesterlichen Dienstes einordnen. Aus diesem Grund habe ich die Frage formuliert, ob der/die Laienmitarbeiter/-in in der Kirche ein „theologisches Monstrum” sei. Wobei ein Monstrum natürlich nicht unbedingt abstoßend sein muss, wie jeder bestätigen wird, der Angelina Jolie als Grendels Mutter in Die Legende von Beowulf gesehen hat. Zumindest aber wird es sich um ein Mischwesen handeln: einen Kentauren, einen Greif oder eine Sphinx. Häufig wirkt das Monstrum allein dadurch grotesk, dass es von der Normalität abweicht, und vielleicht ist es sogar so, dass jede genetische Mutation – selbst die, die letztlich überleben und sich ihrer Ursprungsform gegenüber durchsetzen wird – zunächst einmal Entsetzen auslöst. Ehe es zur Normalität wird, ist das Neue oft beängstigend. Der Homo sapiens hat die Spezies, die vor ihm dagewesen ist, mit allergrößter Wahrscheinlichkeit in Aufruhr versetzt. Andere, auf weniger natürliche Weise entstandene Monster wie die aus dem Labor von Dr. Frankenstein erregen Furcht, Abscheu oder sogar Mitleid, weil sie, obwohl künstliche Konstrukte, doch dem einen oder anderen liebenswert erscheinen mögen. All diese Variationen dessen, was wir für normal halten, weisen uns womöglich darauf hin, dass Monstrosität – wie die Schönheit – im Auge des Betrachters liegt. Oder sie veranlassen uns zur Vorsicht gegenüber dem Neuen. So könnten die kirchlichen Laienmitarbeiter für die eine oder die andere Spezies, Klerus oder Laienstand, eine Bedrohung darstellen – oder auch nicht.

Wenn wir über das sich herausbildende Phänomen des kirchlichen Laiendienstes nachdenken, neigen wir spontan dazu, die Laienmitarbeiter mit den Klerikern zu vergleichen, deren Rollen sie zwar nicht wirklich an sich gerissen, aber doch in zunehmendem Maße übernommen haben. Sie nehmen eine Vielzahl jener Funktionen wahr, die vor nicht allzu langer Zeit noch ausschließlich den geweihten Priestern vorbehalten waren. Sie lesen die Lesungen in der Messe oder teilen die Kommunion aus, sie leiten Gemeindegruppen, sind in der Erwachsenenkatechese tätig und tragen Verantwortung für Gemeinden ohne einen vor Ort ansässigen Pfarrer. Auf Voll- oder Teilzeitbasis üben sie haupt- oder ehrenamtliche Funktionen innerhalb der örtlichen Glaubensgemeinschaft aus. Wenn wir sie unter diesem Blickwinkel sehen, drängt sich die Frage auf, in welchem Verhältnis sie zu Paul Lakeland den geweihten Priestern stehen, deren Aufgaben sie inzwischen zu einem Großteil übernommen haben. Sind sie wirklich bloße Lückenbüßer in einer vorübergehenden Phase des Priestermangels, oder folgen sie einer echten Berufung zu einem kirchlichen Amt? Einerseits stellt sich die Kirche nur ungerne vor, dass der Rückgang der geweihten Priester von Dauer sein sollte oder sein wird, und kann daher die kirchlichen Laienmitarbeiter, wie wir sie kennen, nur als eine irgendwie vorübergehende Erscheinung betrachten. Andererseits ist es, wenn es sich wirklich um eine genuin kirchliche Berufung handelt, schwer vorstellbar, dass der Geist die betreffenden Personen in den Dienst eines vorübergehenden Lückenbüßers beruft. Sind sie Auswechselspieler, die, aus welchem Grund auch immer, länger auf dem Feld bleiben, als die meisten es erwartet hätten? Oder sind sie vielleicht, ohne es selbst zu ahnen, die Vorboten einer radikalen Umstrukturierung und Änderung der Spielregeln? Werden die Laienmitarbeiter, wenn die Zahl der traditionellen Priesterberufungen durch irgendein Wunder wieder nach oben schießen sollte, folgsam auf die Reservebank zurückkehren und erneut in wartender Bereitschaft verharren? Und wird die Kirche genau das von ihnen erwarten, selbst wenn sie – was eindeutig der Fall ist – ihren Dienst in den meisten Fällen tadellos ausüben? Wenn jedoch umgekehrt die Zahl der jungen Männer, die sich großmütig für das zölibatäre Priestertum zur Verfügung stellen, nicht wieder ansteigt, bis zu welchem Grad wird dann der Spieler auf der Ersatzbank als echter Stammspieler anerkannt werden? [...]


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