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Leseprobe 3 DOI: 10.14623/con.2017.4.473-483
Dennis T. Gonzales
Ökologische Werke der Barmherzigkeit
Im Jahr 2016 hat Papst Franziskus »ein neues Werk der Barmherzigkeit« vorgeschlagen, nämlich die »Sorge um das gemeinsame Haus«. Als ein geistliches Werk lädt es uns zu einer »dankerfüllten Betrachtung der Welt« ein; »sie erlaubt uns, durch jedes Ding irgendeine Lehre zu entdecken, die Gott uns übermitteln möchte. Als leibliches Werk der Barmherzigkeit verlangt die Sorge um das gemeinsame Haus die einfachen alltäglichen Gesten, die die Logik der Gewalt, der Ausnutzung, des Egoismus durchbrechen, und zeigt sich bei allen Gelegenheiten, die zum Aufbau einer besseren Welt beitragen«. Dieser Beitrag stellt einen Versuch dar, spezifische Wege der Sorge um das gemeinsame Haus als eines Werks der Barmherzigkeit aufzuzeigen.

Auf die Schöpfung aufmerksam machen

Dies ist eine Weise, die Sorge für die Erde und deren Bewohner als ein neues geistliches Werk der Barmherzigkeit genauer zu fassen: »die Trauernden trösten«, indem man auf die Wunder der Schöpfung im alltäglichen Leben aufmerksam macht. Persönlich erinnere ich mich an meinen Vater an seinem Lebensabend: In seinen letzten Jahren, die von der Verschlechterung seines Gesundheitszustands geprägt waren und zum unfreiwilligen Rückzug aus dem hektischen öffentlichen Dienst führten, bemerkte und erwähnte er mit einem schwachen Lächeln das Gezwitscher der Spatzen auf den Bäumen außerhalb des Wohnbereichs.

Von Zeit zu Zeit erfreue ich mich an den Zeilen, die in Übersetzung ein episches Gedicht der Manobo, einer indigenen Gruppe auf der philippinischen Insel Mindanao, wiedergeben:

Wir werden uns nicht einsam fühlen
Wir werden nicht traurig sein
Denn die Bäume werden die Laute spielen.
Das Rascheln der Blätter
wird das Siegeslied singen.
Die Felsen werden pfeifen
Pfeifen kann wirklich trösten
Der singende Bambus
Die singenden Söhne werden trösten.

Trost kann uns zuteil werden durch Lebewesen und Dinge in der Natur, und zwar dank »der intimen Verbindung zwischen Gott und allen Lebewesen«; Die ökologische Enzyklika Laudato si’ unterstreicht, dass diese Verbindung von Mystikern wie Johannes vom Kreuz (1542–1591) empfunden werden kann. In dessen Geistlichem Lied können wir die folgenden Zeilen lesen, die der Text des Papstes zitiert: »Die abgelegenen Täler sind ruhig, lieblich, kühl, schattig, voll süßer Gewässer; mit der Vielfalt ihres Baumbewuchses und dem zarten Gesang der Vögel verschaffen sie dem Reich der Sinne tiefe Erholung und Wonne und bieten in ihrer Einsamkeit und Stille Erfrischung und Ruhe.« (Laudato si’, 234)

Ökologische Weisheit im Buch Ijob

Ein biblisches Beispiel dafür, den Trauernden zu trösten, indem man seine Aufmerksamkeit auf die Schöpfung lenkt, ist das lange poetische Drama des Buches Ijob (3,1–42,6). Auf die wiederholten Unschuldsbeteuerungen des aufgebrachten Ijob und die Ungerechtigkeit seines Leidens antwortet der Herr »aus dem Wettersturm heraus« (38,1). Gott überhäuft Ijob mit vielen Fragen und Behauptungen, die sich auf die Welt der Natur, ihre tiefen Geheimnisse, ihre oberflächlichen Erscheinungen (38,25–27) und ihre Wildheit, die sich der menschlichen Kontrolle entzieht (Kap. 39), sowie auf ihre fantastischen Tiere beziehen (40,15–41,34).

Die an Ijob gerichteten göttlichen Reden umfassen eine erheiternde Beschreibung des Wildesels, der »die Steppe zu seiner Heimstatt wählt« und »über den Lärm der Stadt lacht« (39,5–7). Der Herr bringt auch ein nicht an der Nützlichkeit orientiertes Entzücken an der »Straußenhenne« zum Ausdruck, die ein wenig dumm, wenn auch sicherlich behende erschaffen wurde, da sie »ihr Gefieder ausbreitet und Ross samt Reiter verlacht« (39,13–18). Nachdem Gott ausführlich die göttliche Freigebigkeit, Freiheit und sportliche Kreativität innerhalb der göttlichen Gerechtigkeit und über sie hinaus dargelegt hat, findet das poetische Drama seinen Abschluss darin, dass Ijob Frieden im Herrn und Frieden mit sich selbst findet, auch wenn ihm sein Glück (noch) nicht zurückerstattet wurde (42,5–6).
Namen der gefährdeten Arten

Im großen Hymnus an den Schöpfer und Erhalter, dem Psalm 104, befinden sich unter den vom Psalmisten aufgezählten Wildtieren die »Wildesel« und die »Steinböcke«. Der somalische Wildesel und der numibische Steinbock waren die Tiere, an die der Psalmist wahrscheinlich dachte. Heute werden diese zu den gefährdeten Arten gezählt. Was den Wildesel betrifft, so ist er stark gefährdet, und in Israel überlebt er nur im Naturreservat von Yotvatal Hai-Bar. Eine bessere Kenntnis der »Tiere in der Bibel« und deren heutiger Lebensbedingungen kann unsere Wertschätzung für Texte wie den Psalm 104 verstärken und dazu beitragen, eine ökologische Spiritualität zu nähren und zu verstetigen.

Eine Art und Weise, eine ökologische Spiritualität innerhalb einer Ortskirche oder Glaubensgemeinschaft zu entwickeln, besteht darin, sich Hymnen und Gebete an den Schöpfer anzueignen, solche zu dichten und zu fördern, in denen die Gläubigen die Namen gefährdeter Arten im Land oder in der Region benennen. Im Fall meines Landes wären dies etwa Haribon (Königsvogel, der philippinische Adler), Tamaraw (wilder Büffel), Katala (rotbäuchiger Kakadu), Kalaw (Nashornvogel), Kwaknit (Fledermaus mit nacktem Rücken), Kulo-Kulo (Taube des blutenden Herzens) und Palawan (Waldschildkröte).

Die Namensgebung beinhaltet eine bezeichnende Macht. Das immer wiederkehrende Aussprechen und Hören von Namen, ob nun auf lokaler oder globaler Ebene, im allgemeinen Sprachgebrauch oder wissenschaftlich, richtig oder falsch verwendet, hat Folgen für die Gemeinschaften, insbesondere wenn sie zu einem feierlichen Anlass oder auch sonst zusammenkommen. In der zweiten Schöpfungsgeschichte im zweiten Kapitel des Buches Genesis ist das Benennen einer jeden Tierart eine so wichtige Verantwortung der Menschheit, dass der Herr »sehen wollte, wie der Mensch eine jede von ihnen benennen würde« (Gen 2,19).

Um die ausgestorbenen Arten trauern

In den Gemeinden, die eine ökologische Spiritualität pflegen, können das öffentliche Rezitieren und die feierliche Erinnerung an die Namen der ausgestorbenen Tierarten, deren Auslöschung auf das Tun des Menschen zurückzuführen ist, eine besondere Übung der Barmherzigkeit sein. Vielleicht können Kirchen, Diözesen, Pfarreien und Schulen einen »Gedenk- und Trauertag für (im Anthropozän) ausgelöschte Arten« einführen, an dem Namen wie etwa das Cebu-Warzenschwein, der javanesische Tiger, der tasmanische Tiger, der karibische Mönchsseehund und andere bei Gebetstreffen, liturgischen Feiern, ja sogar innerhalb des eucharistischen Hochgebets rezitiert werden können.

In aller Demut mache ich den Vorschlag, dass ein solcher Tag oder eine Zeit des Gedenkens an ausgelöschte Arten in die ökumenische »Zeit für die Schöpfung« während der fünf Wochen zwischen 1. September (an dem die Orthodoxie der Schöpfung gedenkt) und dem 4. Oktober (Gedenktag des hl. Franziskus von Assisi in der katholischen Kirche und einigen anderen westlichen Traditionen) mit aufgenommen wird. Um die Toten trauern ist ein Werk der Barmherzigkeit, und dies weckt in den Trauernden die Bereitschaft, den Segen des Trostes zu empfangen (Mt 5,4). [...]


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