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Zu diesem Heft DOI: 10.14623/con.2017.4.373-375
Lisa Sowle Cahill / Diego Irarrázaval / João J. Vila-Chã
Barmherzigkeit
In seinem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben Amoris Laetitia nennt Papst Franziskus Barmherzigkeit »die Fülle der Gerechtigkeit und die leuchtendste Bekundung der Wahrheit Gottes« (Nr. 311). Wenn die Kirche »Gottes bedingungslose Liebe« ernsthaft und wahrheitsgetreu weitergeben soll, dann müssen ihre Theologie wie auch ihre Praxis Barmherzigkeit als echte imitatio Christi verkörpern, als Mitgefühl und als Unterstützung der Verletzlichen – eine Barmherzigkeit auf der Basis von Gerechtigkeit.

Jedoch war Papst Franziskus nicht der erste, der die grundlegende Bedeutung der Barmherzigkeit erkannt hat. Auch wenn diese Ausgabe von CONCILIUM vor allem seine Beiträge zum Thema diskutiert, sollen sie in den breiteren biblischen, geschichtlichen und theologischen Kontext eingeordnet werden. Die »Werke der Barmherzigkeit« werden dazu aus der Perspektive der Gegenwart neu interpretiert, Barmherzigkeit wird mit Compassion und Gerechtigkeit verglichen, die theologische, kirchliche und pastorale Bedeutung von Barmherzigkeit wird hervorgehoben, und die islamischen Quellen für die menschlichen und göttlichen Qualitäten der Barmherzigkeit werden hinzugezogen. Mit Blick auf die konkreten Sinngehalte der Barmherzigkeit sprechen Autorinnen und Autoren in dieser Ausgabe drängende Probleme an – wie etwa den Status von Frauen in Ehe und Familie, die Wiederherstellung von Gerechtigkeit, die Situation der Flüchtlinge und den Stand der Ökologie.

Dieses Vorwort ist zudem eine höchst willkommene Gelegenheit, an die Beiträge von Jon Sobrino SJ zum Thema zu erinnern. Sobrino, der sich kürzlich nach langjähriger Mitgliedschaft aus dem Herausgeberkreis von CONCILIUM verabschiedet hat, ist der Autor des bahnbrechenden und einflussreichen Werks »Prinzip Barmherzigkeit: Die Gekreuzigten vom Kreuz abnehmen«1. Sobrinos Feier der Barmherzigkeit wurde – wie sein gesamtes theologisches Werk – genährt von seinem Alltagsleben in Solidarität mit den Armen in El Salvador – und vom Martyrium seiner Mitbrüder (sowie zweier Mitarbeiterinnen) an der Zentralamerikanischen Universität. Wie Franziskus hält Sobrino das »Prinzip Barmherzigkeit« für das »grundlegende Prinzip des Handelns Gottes und Jesu, das darum auch das Prinzip des Handelns der Kirche sein sollte«2. Sobrino definiert Theologie als das intellektuelle Nachdenken über Liebe (intellectus amoris) und darum auch über die Praxis von Gottes Mitgefühl, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit in einer Welt des Leidens, besonders in der Welt der Armen.3 Und tatsächlich beginnt Theologie ja mit der Realität von Gottes Gegenwart in der Geschichte, die dem Leiden entgegentritt und es durch Glaube, Hoffnung, Mitgefühl, Liebe und Gerechtigkeit verwandelt.

Das Theologische Forum dieses Hefts wendet sich Ereignissen der jüngeren Zeit zu, die gerade durch die Linse der Barmherzigkeit angemessener betrachtet werden können. Der erste Beitrag versteht den sogenannten »Brexit« als Illustration neuer populistischer, aber antidemokratischer Tendenzen, die in Europa, doch auch darüber hinaus stärker werden. Ein Beitrag über das Weltsozialforum von 2016 benennt die planetarischen Folgen des politischen und ökonomischen Neoliberalismus und Kapitalismus und fragt nach der Zukunft der sozialen Widerstandsbewegungen. Und ein dritter Beitrag untersucht die Bedeutung, die Franziskus’ Botschaft zum Weltfriedenstag4 für den Kampf gegen extremistische Gewalt haben könnte, da der Papst ja aktive Gewaltfreiheit als »Stil einer Politik für den Frieden« empfiehlt.

»Barmherzigkeit« ist ein Schlüsselbegriff des pastoralen, theologischen und kirchlichen Ansatzes von Papst Franziskus, der das Jahr 2016 zu einem außerordentlichen Jubiläum der Barmherzigkeit erklärt hat. Als er das Jubiläumsjahr in der Verkündigungsbulle Misericordiae Vultus5 ankündigte, nannte er die Barmherzigkeit eine »Quelle der Freude, der Gelassenheit und des Friedens« (Nr. 2), bezeichnete sie als Eigenschaft Gottes und Christi, als »Tragebalken, der das Leben der Kirche stützt« und rief die ganze Kirche dazu auf, »sich der Schwächen und der Schwierigkeiten unserer Brüder und Schwestern anzunehmen«. Barmherzigkeit sei »eine Kraft, die zu neuem Leben auferstehen lässt und die Mut schenkt, um hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken« (Nr. 10). Wir hoffen, dass diese Ausgabe von CONCILIUM vielen hilft, die zentrale Bedeutung der Barmherzigkeit in unserer Beziehung zu Gott und in der Erneuerung des kirchlichen Lebens zu verstehen.

Anmerkungen
1 Jon Sobrino, The Principle of Mercy: Taking the Crucified People from the Cross, Maryknoll, NY 1994. Eine deutsche Übersetzung dieses Buchs existiert leider nicht.
2 Ebd., 17.
3 Ebd., 27–46.
4 Papst Franziskus, Gewaltfreiheit: Stil einer Politik für den Frieden. Botschaft zur Feier des Weltfriedenstages, 1. Januar 2017: http://w2.vatican.va/content/francesco/de/messages/peace/documents/papa-francesco_20161208_messaggio-l-giornata-mondiale-pace-2017.html .
5 Papst Franziskus, Misericordiae Vultus. Verkündigungsbulle des außerordentlichen Jubiläums der Barmherzigkeit: https://w2.vatican.va/content/francesco/de/apost_letters/documents/papa-francesco_bolla_20150411_misericordiae-vultus.html .

Aus dem Englischen übersetzt von Norbert Reck

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