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Leseprobe 2 DOI: 10.14623/con.2017.2.204-216
Dorothea Sattler
Begegnungen unter Gleichen
Die lutherisch/römisch-katholischen Dialoge nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil
1. Vorausblick: Das Zweite Vatikanische Konzil und die lutherisch/römisch-katholischen Dialoge

Die Dialoge, die die römisch-katholische Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil mit Delegierten aus vielen anderen christlichen Traditionen bereits geführt hat und auch weiterhin führen wird, sind in ihrem Selbstverständnis von jenem Geist geprägt, der in den Buchstaben der Konzilstexte zum Ausdruck kommt. Ich wähle diesen Ausgangsort, da ich in diesem Beitrag zeigen möchte, dass die Anliegen des bisher letzten römisch-katholischen Konzils in den lutherisch/ römisch-katholischen Dialogen eingelöst worden sind.

Zunächst möchte ich mit wenigen Worten in Dankbarkeit daran erinnern, dass die Ökumenische Bewegung, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts formierte, auf institutioneller Ebene weithin von Christinnen und Christen mit reformatorischem oder orthodoxem Bekenntnis getragen wurde. Die Ökumenische Bewegung war von Anfang an multilateral ausgerichtet und richtete ein hohes Maß an Aufmerksamkeit auf Geschehnisse in der Mission weltweit sowie auf Vorgänge in politischen und sozialen Krisen der Menschheitsgemeinschaft, zu denen die beiden Weltkriege und das tiefe Erschrecken über die Gewalt, die Menschen einander antun, gehören. Theologische Dialoge sind nur ein Teil der weit umfassender gelebten christlichen Ökumene.

Auf formal-methodischer Ebene mahnt das Zweite Vatikanische Konzil die Einhaltung von folgenden Regeln in den ökumenischen Dialogen an: Das Dekret über den Ökumenismus, »Unitatis Redintegratio« (künftig UR) befürwortet »gemeinsame Zusammenkünfte, besonders zur Behandlung theologischer Fragen, (…) bei denen ein jeder mit dem anderen auf der Ebene der Gleichheit spricht (›par cum pari agat‹)« (UR 9). Eingefordert wird, dass die römisch-katholischen Partner sich auf die Dialoge sehr gut vorbereiten, indem sie »bessere Kenntnis der Lehre und der Geschichte, des geistlichen und liturgischen Lebens, der religiösen Psychologie und Kultur (…) erwerben« (UR 9). »Sachverständig« (UR 9) sollen die Delegierten sein. »In gemeinsamer Forschungsarbeit« (UR 11) gilt es, »die göttlichen Geheimnisse zu ergründen« (UR 11) und dabei »mit Wahrheitsliebe, mit Liebe und Demut« (UR 11) vorzugehen. In der ökumenischen Rezeption ist insbesondere die Zustimmung der Konzilsväter zum Gedanken einer bestehenden »Hierarchie der Wahrheiten« mit hoher Wertschätzung bedacht worden: »Beim Vergleich der Lehren miteinander soll man nicht vergessen, dass es eine Rangordnung oder ›Hierarchie‹ der Wahrheiten innerhalb der katholischen Lehren gibt, je nach der verschiedenen Art ihres Zusammenhangs mit dem Fundament des christlichen Glaubens« (UR 11).Die vom Konzil eingeforderten Kompetenzen in der ökumenischen Dialogarbeit lassen sich im formalen Bereich mit jenen vergleichen, die in therapeutischen Gesprächen hilfreich erscheinen: Akzeptanz im Gegenüber der Partner, Empathie auf sachlicher und emotionaler Ebene sowie Authentizität in der Suche nach der persönlichen religiösen Überzeugung, die von den nach ihrer Rangordnung zu qualifizierenden Wahrheiten in der theologischen Lehre zu unterscheiden ist.

Auf material-inhaltlicher Ebene verzichtet das Konzilsdekret über den Ökumenismus auf differenzierte Beschreibungen der jeweiligen Kontroversen im Hinblick auf die »Kirchen und Kirchlichen Gemeinschaften« (UR 19) im Abendland, weil diese »wegen ihrer Verschiedenheit nach Ursprung, Lehre und geistlichem Leben« (UR 19) »auch untereinander nicht wenige Unterschiede aufweisen« (UR 19). Das Konzil spricht auf diese Weise die Vielgestalt der reformatorischen Kirchen an. Einen eigenen Abschnitt über die Herausforderungen im lutherisch/ römisch-katholischen Dialog gibt es nicht. Diagnostiziert werden allgemein »Unterschiede von großem Gewicht« (UR 19) zwischen der römisch-katholischen und den evangelischen Lehren, »nicht nur in historischer, soziologischer, psychologischer und kultureller Beziehung, sondern vor allem in der Interpretation der offenbarten Wahrheit« (UR 19). Die Gemeinsamkeiten werden dennoch betont: das Bekenntnis zu Jesus Christus (vgl. UR 20), die Hochschätzung der Heiligen Schrift (vgl. UR 21), das differenzierte geistlich-liturgische Leben im privaten wie im öffentlichen Raum, das sozial-diakonische Handeln sowie Dienste in der christlichen Erziehung (vgl. UR 23). Ausdrücklich wird die Taufe als »sakramentales Band der Einheit« (UR 22) angesprochen. Im Hinblick auf Fragen von Moral und Sitte wird ebenso ein Bedarf nach weiteren Gesprächen angemahnt (vgl. UR 23) wie hinsichtlich des Amtes im Kontext der Feier von Abendmahl und Eucharistie (vgl. UR 22). Zukunftsweisend formuliert das Dekret die Aufgabenstellung der anstehenden Gespräche: »Obgleich bei den von uns getrennten Kirchlichen Gemeinschaften die aus der Taufe hervorgehende volle Einheit mit uns fehlt und obgleich sie nach unserem Glauben vor allem wegen des Fehlens des Weihesakramentes die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit (substantia) des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben, bekennen sie doch bei der Gedächtnisfeier des Todes und der Auferstehung des Herrn im Heiligen Abendmahl, dass hier die lebendige Gemeinschaft mit Christus bezeichnet werde, und sie erwarten seine glorreiche Wiederkunft. Deshalb sind die Lehre vom Abendmahl des Herrn, von den übrigen Sakramenten, von der Liturgie und von den Dienstämtern der Kirche notwendig Gegenstand des Dialogs.« (UR 22)

Welche der im Konzilstext genannten Themenaspekte sind in den lutherisch/ römisch-katholischen Dialogen bis heute mit welchen Ergebnissen besprochen worden? Wer auf diese Frage in dem hier gesetzten Rahmen antworten möchte, muss sich auf Wesentliches konzentrieren. Ich nehme im Fortgang vor allem die internationalen Dialoge zwischen dem Lutherischen Weltbund und dem Päpstlichen Rat für die Förderung der Einheit der Christen in den Blick und gehe im sachlichen Kontext auf wenige nationale Dialoge ein.

2. Überblick: Die Geschichte der lutherisch/römisch-katholischen Dialoge

Die Wahrnehmung der Wirklichkeit verändert sich, wenn nicht nur ein Dialogpartner sie betrachtet, sondern im Gespräch eine Analyse vorgenommen wird. Persönliche Begegnungen fördern die Motivation zur Zusammenarbeit. Noch während des Zweiten Vatikanischen Konzils (im August 1965) und wenige Monate nach dem Ende des Konzils (im April 1966) traf sich eine neu gebildete »Römisch-katholisch/Evangelisch-lutherische Arbeitsgruppe« in Straßburg im Institut für Ökumenische Forschung des Lutherischen Weltbundes, um vor dem Hintergrund der Erfahrungen der lutherischen Beobachter des Konzils über die Themenbereiche zu beraten, die in den künftigen Dialogen besprochen werden sollten. Zwei Aufgabenstellungen wurden bestimmt: zum einen ein Dialog über die grundlegenden theologischen Kontroversen im Verständnis der Rechtfertigungslehre, der Sakramente und des Amtes, zum anderen ein stärker pastoral ausgerichtetes Gespräch über das Verständnis der Ehe unter besonderer Berücksichtigung des Lebens in konfessionsverschiedenen Familien. Auffällig ist bei dieser Themenwahl, dass die Rechtfertigungslehre als Kontroversthema – anders als in den Konzilstexten – ausdrücklich benannt wird. Auch die ökumenisch motivierte Sorge um die Familien war in der Konzilszeit noch wenig im Bewusstsein.

Die Thematik »Ehe« wurde zeitlich nachgeordnet bearbeitet, weil sich in den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts abzeichnete, dass grundlegende gesellschaftlich relevante Umbrüche im Verständnis von Ehe und Familie zu berücksichtigen waren. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil waren zudem Veränderungen in den kirchenrechtlichen Richtlinien für konfessionsverschiedene Ehen zu erwarten. Darüber hinaus erschien es wichtig, vor dem Hintergrund der seit den 50er-Jahren erreichten Annäherungen zwischen den lutherischen und reformierten Kirchen in Europa in einer gemeinsamen evangelisch-römisch-katholischen Kommission den ökumenisch relevanten Fragen der Ehetheologie und der Ehepastoral nachzugehen. Dies alles führte dazu, dass die Studienarbeit erst 1971 aufgenommen wurde und 1976 zum Abschluss kam. Deutlich wird in diesem Dokument, dass sich die Kirchen gemeinsam den sozialanthropologisch bedingten Herausforderungen ihrer Gegenwart stellen und nach pastoral verantwortbaren Antworten auf offene Fragen suchen. Eindrücklich kommt zum Ausdruck, dass die Kirchen gemeinsam an der Auffassung festhalten, dass die Ehe für die gesamte Lebenszeit geschlossen ist: »Es ist unsere gemeinsame Gewissheit, dass Mann und Frau sich für das ganze Leben zur ehelichen Gemeinschaft verpflichten und dass die Partnerschaft durch die Ehe dazu bestimmt ist, das ganze Leben zu währen, ›bis der Tod euch scheidet‹, wie es in unseren Liturgien heißt«. [...]


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