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Zu diesem Heft DOI: 10.14623/con.2017.2.125-127
Marie-Theres Wacker / Felix Wilfred / Andrés Torres Queiruga
Reformation aus globaler Perspektive
Das Jahr 1517 markiert den Beginn der sogenannten Reformation: Der deutsche Augustinermönch Martin Luther veröffentlichte 95 Thesen, mit denen er zur Disputation um den Ablass und das Bußsakrament aufrufen wollte. Die Thesen zeigen, dass Luthers theologische Anliegen unmittelbar auch die kirchlichen Machtstrukturen betrafen. Denn, um nur beim Ablassstreit zu bleiben: Wie konnte Gottes freie Gnade gegenüber menschlicher Sündenschuld verkündet werden, wenn Ablassbriefe käuflich zu erwerben waren, die kirchlichen Würdenträgern aus finanziellen Schulden heraushalfen? Aber auch etwa: Wie konnte es um Gottes Wort bestellt sein in einer Kirche, in der das Volk Gottes von der Auslegung der Heiligen Schrift, des Zeugnisses von Gottes Wort, ausgeschlossen war und nicht einmal einen Zugang zur Bibel in der eigenen Muttersprache hatte? Dass die über solche Fragen angestoßenen Prozesse in ihren Wirkungen nicht innerkirchlich beschränkt blieben, macht die Reformation zu einem Ereignis, das die Welt verändert hat, indem sie Anstöße gab für die Herausbildung von Nationalstaaten, für unterschiedliche Konzepte der Trennung von Staat und Kirche, für religiöse Toleranz (wenn auch durch blutige Religionskriege hindurch), für die Anerkennung der Freiheit des Individuums. Gegenüber einer langen Tradition der katholischen Gegen-Profilierung und klarer Abgrenzungen gegenüber dem Protestantismus bedeutete das Zweite Vatikanische Konzil einen Wendepunkt, insofern nun ein ökumenischer Zugang in den Vordergrund trat und drängende theologische und praktische Fragen, die allen christlichen Denominationen gemeinsam sind, aufgegriffen wurden. Man kann geradezu den Eindruck gewinnen, als seien zentrale Anliegen Luthers – der Primat des Wortes Gottes, die Zugänglichkeit der Hl. Schrift in den vielen Sprachen der Welt, das Priestertum aller Gläubigen, das Verständnis des Amtes als Dienst in der Kirche, um nur einige zu nennen – nun endlich in der katholischen Kirchen angekommen!

Das vorliegende Heft von Concilium schreibt sich in diese ökumenische Linie ein und sucht sie in einer weltumspannenden und inklusiven Perspektive fortzusetzen. Die drei ersten Beiträge befassen sich mit der Reformation als historischem Ereignis und ihren Folgen. Heinz Schilling (Berlin) stellt den Wittenberger Reformator in den historischen Kontext seines Auftretens zurück, einer Zeit, deren Fremdheit gegenüber heutigem spätmodern-okzidentalem Weltempfinden er kräftig herausstreicht. Als Folgen der Reformation beschreibt er eine konfessionelle Antagonisierung, aber zugleich damit die Entwicklung religiöser und kultureller Differenzierung. Erik Borgman (Tilburg) sichtet historische Rekonstruktionen der Reformation und ihrer Folgen aus dem angelsächsischen Raum. Er nutzt diesen Durchgang, um fundamentaltheologische Fragen herauszupräparieren, die gegenwärtig weiter zu bearbeiten wären. Ein besonderes Anliegen ist es ihm, an die radikalen Revolutionäre zu erinnern, die massiv auf das Problem einer gewaltvollen und darin unerlösten Welt aufmerksam gemacht haben. Daniel Jeyaraj (Liverpool) skizziert die Geschichte der christlich-protestantischen Mission in Indien und illustriert damit gleichsam an einem Fallbeispiel die Folgen der Reformation weit über Europa hinaus. Einen besonderen Akzent legt Jeyaraj auf die Geschichte eines respektvollen Umgangs europäischer Missionare mit indischen Traditionen und die vielfältigen Formen der Inkulturation des Christentums auf dem indischen Subkontinent.

Drei weitere Beiträge setzen bei der Theologie Martin Luthers an. Manuel Santos Noya (Tübingen) widmet sich einigen Versen aus den Paulusbriefen, in denen Luthers deutsche Übersetzung markant von der griechischen bzw. lateinischen Vorlage abweicht, und stellt den neuen Wortlaut in den Zusammenhang von Luthers neuer Gewissheit über den tieferen Sinn der Schrift, weist aber auch auf mögliche Probleme der Textüberlieferung hin. Lidija Matošević (Zagreb) greift in systematisch-theologischem Interesse das Thema Ablass auf. Sie zeigt, dass man über Luthers Kritik am Ablasswesen seiner Zeit zwei unaufgebbare Einsichten der mittelalterlichen Theologie neu entdecken kann, die Vorstellung der Kirche als einer Gemeinschaft von Heiligen und damit verbunden die Solidarität mit den Menschen, die ganz real im Elend leben. Ulrich Duchrow (Heidelberg) setzt sich emphatisch dafür ein, die Reformation zu radikalisieren. Trägt man die radikale Kritik Luthers am Frühkapitalismus aus seinen verschiedenen Schriften zusammen und verbindet sie mit der Sozialkritik der Bibel, kann eine Grundlage für eine radikale Ökonomiekritik aus protestantischer Perspektive gewonnen werden, die zudem interreligiös anschlussfähig ist. Im Blick auf Luthers vernichtende Urteile über Juden und Muslime dagegen ist eine radikale Kritik des Reformators selbst erforderlich.

Die lutherischen Kirchen weltweit sind im Lutherischen Weltbund zusammengeschlossen. Der derzeitige Präsident des LWB, Bischof Munib Younan (Jerusalem), beschreibt diese Kirchengemeinschaft in ihren Grundstrukturen, weist auf aktuelle Herausforderungen hin und nimmt insbesondere Stellung zu der Frage, welche Bedeutung der Differenzierung des Christentums in seine verschiedenen Denominationen auch für die Zukunft zukommen kann. Als einen zentralen Aspekt der Verwirklichung von Gerechtigkeit, die aus der Rechtfertigung aus Glauben folgt, nennt er die Gendergerechtigkeit und das 2015 dazu veröffentlichte Grundsatzpapier des LWB. Hier knüpft der Beitrag von Elaine Neuenfeldt (Genf) an. Sie stellt erste Ergebnisse einer Untersuchung vor, die der LWB 2015/16 unter seinen Mitgliedskirchen durchgeführt hat und in der es um die Einbeziehung von Frauen ins ordinationsgebundene Amt (ordained ministry) sowie in Entscheidungspositionen in der jeweiligen Kirche ging. Hoffnungsvolle Entwicklungen in vielen Kirchen weltweit werden ebenso deutlich wie nach wie vor bestehende strukturelle Hemmnisse und sogar Rückschritte in der Bereitschaft, Frauen die volle Teilhabe am ordinationsgebundenen Amt zu ermöglichen.

Die Beiträge von Dorothea Sattler (Münster) und Jürgen Moltmann (Tübingen) können als ein ökumenisches Gespräch gelesen werden: Dorothea Sattler skizziert die Entwicklungen im lutherisch-römisch-katholischen Dialog seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil als katholische Vertreterin einer ökumenischen Theologie, stellt die zentralen Ergebnisse im Dialog zwischen dem Lutherischen Weltbund und dem Päpstlichen Rat für die Förderung der Einheit der Christen zusammen und wirbt für die Fortsetzung der Dialoge auf den unterschiedlichen Ebenen. Jürgen Moltmann erinnert daran, dass Luther nicht zum Dialog eingeladen, sondern zur Disputation herausgefordert hat, und plädiert aus protestantischer Perspektive dafür, die großen offenen Fragen, die sich im Gegenüber zur römisch-katholischen Kirche, aber auch unter den aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen selbst stellen, mit Mut zur Kontroverse weiterzuverfolgen.

Das Forum des Heftes enthält zwei Beiträge, die sich mit dem in der römischkatholischen Kirche derzeit aktuellen Thema des weiblichen Diakonats auseinandersetzen und dadurch auf ihre Weise zeigen, dass das Thema der Gendergerechtigkeit ökumenische Dimensionen hat. Die historisch angelegte Studie von Sarah Röttger erinnert an Frauen mit bischöflichen Vollmachten; der praktischtheologisch ansetzende Beitrag von Phyllis Zagano sieht sakramental ordinierte weibliche Diakone als unumgehbare pastorale Notwendigkeit an. Den Abschluss bildet ein Nachruf auf den Erzbischof von São Paolo und weltweit bekannten Befreiungstheologen Paulo Evaristo Arns, der im Dezember 2016 verstorben ist.

Ein Dank für diverse Ratschläge geht an Luiz Carlos Susin, Hubert Wolf, Zoran Grozdanov, Simone Sinn und Susan Ross.

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